Löwen-Sportchef Braun: Deutsche Spieler sind Eckpfeiler

Braunschweig.  Braunschweigs Basketball-Geschäftsführer erläutert seine Pläne zum Team, zum Etat, zu Zuschauerzahlen und verrät, was Gesellschafter Schröder vorhat.

Geschäftsführer Oliver Braun vor dem blau-gelben Löwen-Logo. Auf Wunsch von Gesellschafter Dennis Schröder wird sich dies demnächst noch ändern.

Geschäftsführer Oliver Braun vor dem blau-gelben Löwen-Logo. Auf Wunsch von Gesellschafter Dennis Schröder wird sich dies demnächst noch ändern.

Foto: Verein / oh

Beim Einzug ins Löwen-Office hat sich Oliver Braun doch sehr gewundert. Als er das Geschäftsführer-Büro aus der hintersten Ecke der Tunicahalle wieder nach vorne an den Eingang verlegte, von wo aus er bis 2014 schon mal die Geschicke der Braunschweiger Erstliga-Basketballer gelenkt hatte, fand er überraschend seine alten Sachen wieder: Die schwarze Jacke im Phantoms-Design hing hinter der Tür, und auf der Anrichte standen einst von ihm beschriftete Ordner mit Phantoms-Aufklebern. Ein Begrüßungs-Gag seiner Mitarbeiter? Keineswegs. Die Dinge waren einfach noch von früher dort. – Könnte man besser symbolisieren, dass da einer offensichtlich wieder „nach Hause“ gekommen ist? Im Interview spricht der 47-Jährige über seine Planungen für die BBL-Saison mit NBA-Star Dennis Schröder als Chef, über die Herausforderungen der Corona-Krise, übers Budget. Und er verrät, wie das neue Team aufgestellt sein soll.

Herr Braun, es hieß, Sie fangen dank Ihrer ersten siebenjährigen Amtszeit als Geschäftsführer nicht bei null an sondern gleich bei hundert. Bei wie viel sind Sie jetzt nach gut zwei Wochen?

(lacht) Gefühlt jedenfalls deutlich drüber. Dabei hilft es natürlich, dass mir viele Themen bekannt sind, ich weiß, wie ich sie angehen muss, und dass ich schon einige Personen kenne. Da fiel der Einstieg leichter. Ob ich aber schon wieder bei hundert Prozent bin, weiß ich nicht.

Es ist mein Anspruch, dass was wir in meinen ersten sieben Jahren aufgebaut hatten, fortzusetzen und teilweise wieder aufzubauen. Diese Gemeinschaft wieder zu kreieren. Die ganzen Bereiche Sponsoren, Nachwuchs, Strukturen müssen sukzessive wachsen; das kann ich nicht alleine, dazu braucht man die ganze Basketball-Gemeinschaft.

Nach Monaten der Corona-Unsicherheit steht nun zumindest der Saisonstart am 6. November fest. Gibt es inzwischen noch ein paar andere neue Gewissheiten, zum Beispiel finanziell? Was ist mit der Auflage, die Sie für die Lizenz noch erfüllen müssen?

Dabei geht es nur um einen Liquiditätsplan, den wir vorlegen müssen. Der wird gerade mit neuen Kenngrößen erstellt und stellt nach heutigem Stand kein Problem dar.

Mittlerweile dürfte das befürchtete große Finanzloch deutlich geschrumpft sein, oder? Es stehen Staatshilfen von bis zu 800.000 Euro pro Profiklub in Aussicht, Crowdfunding hat Ihnen 50.000 Euro eingebracht, Fans und Sponsoren haben auf Rückerstattungen verzichtet. Was macht das aus? Gab es auch TV-Geld von der Liga fürs Finalturnier? Und mit wie viel Staatshilfe rechnen Sie?

Da stecken wir noch mitten in der Aufarbeitung. Wir sind den Dauerkarteninhabern sehr dankbar, die auf Rückerstattungen verzichtet haben, immerhin sehr erfreuliche 70 Prozent. Und auch viele der Sponsoren, mit denen ich schon geredet habe, haben positiv reagiert. Die meisten verzichten ebenfalls auf Rückforderungen für die sieben ausgefallenen Heimspiele. Und das brauchen wir auch. Aber bis ich den kompletten Überblick habe, dauert es noch. Zum Thema Fernsehgelder habe ich noch nichts gesehen, und auch bei den Staatshilfen sind wir noch nicht so weit, eine Summe nennen zu können, da dort in erster Instanz die Liga in Gesprächen mit den Ministerien ist.

Wie kalkulieren Sie angesichts ungewisser Spieltagseinnahmen? Ihr Ligarivale Vechta, der zuletzt mit knapp 4 Millionen Euro ein geringfügig kleineres Budget hatte als die Löwen, hat Zahlen transparent gemacht. Rasta rechnet zunächst vorsichtig ohne Zuschauer und mit reduziertem Sponsoring-Einnahmen, was eine Etatkürzung um 42 Prozent ergibt. Das Budget für die Profis soll zunächst von 1,5 auf 0,5 Millionen sinken, wobei die erwarteten Staatshilfen von rund 500.000 Euro später zusätzlich in den Teametat fließen würden. Wie sieht das bei den Löwen aus? Inwiefern hilft es, dass Ihr Gesellschafter Dennis Schröder ein Mindestbudget garantiert?

Das ist ein Riesenvorteil! Dennis gibt uns jetzt eine Kerngröße für das Team, mit der ich arbeiten kann. In diesen Grundstock, den er garantiert, werden dann später gewisse Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen sowie die Staatshilfen eingerechnet. Das hilft bei der Disposition und sichert damit die ersten Schritte ab. Konkrete Zahlen, wie Vechta, will ich nicht nennen.

Im Jahr 2000 landeten Braunschweigs Basketballer den vermeintlich größten Sponsoren-Coup der Liga, als die Metabox AG einstieg. Sie garantierte einen 4,5 Millionen-Etat und wollte zur Refinanzierung die Braunschweiger Unternehmen ins Boot holen, was aber nicht funktionierte. Wie verhindern Sie, dass nun ein ähnlicher Effekt eintritt und sich Sponsoren zurücklehnen und denken: Lass mal Millionär Schröder zahlen?

Das ist nicht zu vergleichen. Dennis deckt nicht den Gesamtetat für die Löwen. Er zahlt beispielsweise nicht drei Millionen, die wir mindestens erreichen wollen. Er gibt mit einer Summe weit darunter Planungssicherheit für die Teamzusammenstellung, damit wir jetzt die Mannschaft bauen können. Sonst würden wir vielleicht noch im September ohne Spieler dasitzen. Alles andere, also die Sponsorenakquise für den Gesamtetat, ist ganz normales Business und eingeplant. Ohne alle Partner können wir nicht leben.

Mit wie vielen Zuschauern planen Sie? Hilft es dabei, dass die VW-Halle so groß ist, aber nur zur Hälfe gefüllt war und die Löwen auch nur eine vergleichsweise geringe Zahl an Dauerkarten verkaufen?

Es gibt in Abstimmung mit der VW-Halle mehrere Szenarien, und wir haben wirklich den Vorteil, dass wir die Leute dort gut verteilen können. Das gemeinsame Konzept der Profiligen sieht eine Auslastung von rund 40 Prozent vor, was bei uns ca. 2400 Zuschauer bedeuten könnte. Aber wir wollen erstmal mit knapp über 2000 anfangen, um sicher zu gehen, dass wir alle Vorschriften erfüllen.

Es geht um die Wege der Fans. Die Halle soll in mehrere Sektoren eingeteilt werden, deren Zuschauer durch einen eigenen Eingang kommen, eigene Toiletten und einen eigenen Kiosk haben und sich nicht vermischen. Da haben wir es wirklich besser als viele Konkurrenten, die 3500 Plätze haben, zwei Eingänge und immer ausverkauft sind.

Trotzdem wird es Einschränkungen geben, einige Fans müssen schlechtere Plätze akzeptieren. Und wir müssen im Hinterkopf behalten, dass sich die Lage bis Herbst zwar lockern könnte, aber auch verschärfen. Ich bin jedenfalls froh, dass die Saison erst beginnt, wenn wir vor Fans spielen dürfen. So können wir Visibilität für die Sponsoren gewährleisten, Werbeeinnahmen generieren und Dauerkarten für 17 Heimspiele verkaufen.

Es wurde gemutmaßt, der Spielermarkt würde wegen Corona zusammenbrechen, die Profis müssten große Gehaltsabstriche hinnehmen. Stattdessen scheint im europäischen Ausland viel Geld zu fließen, wie man beispielsweise beim Wechsel von Scott Eatherton nach Spanien gemerkt hatte.

Leider spürt man wenig von einer Corona-Konjunktur bei den Summen, die die Spielervermittler aufrufen. Ich finde es erschreckend, wie teilweise Profis in Corona-Krisengebiete geschickt werden. Die Klubs in solchen Ländern zahlen sogar mehr und kompensieren praktisch damit das Risiko. Uns ist dadurch bereits ein Spieler „flöten“ gegangen, da konnten wir nicht mithalten. Aber ich frage mich, ob man als Spieler mit seiner Familie wirklich in so ein Land mit schlechtem Gesundheitssystem umziehen will?

Werden die Spielerverträge so gestaltet, dass erst weniger verdient wird und je nach erlaubter Hallenauslastung später mehr?

Leider auch nicht.

Was ist mit Ihren weiter laufenden, zu besseren Zeiten abgeschlossenen Profiverträgen? Können Sie die überhaupt so erfüllen?

Ich habe die Verträge ja nicht gemacht. Wir müssen mit den Spielern in die Bütt gehen und haben auch schon mit einigen gesprochen.

Heißt das, es werden vielleicht nicht alle in Braunschweig spielen, die derzeit unter Vertrag stehen?

Wir müssen abwarten wie die Gespräche laufen.

Spüren Sie Zeitdruck?

Durch Corona, die Umwandlung der Gesellschaft und meinen späten Einstieg sind wir natürlich hintendran. Der eine oder andere Spieler, den wir gerne geholt hätten, ist vielleicht schon weg. Aber das ist nur eine Feststellung, kein Jammern. Da müssen wir nun eben Vollgas geben.

Wie soll das neue Team aussehen, worauf legen Sie Wert?

Wir haben ein Grundgerüst an Spielern, die wir unter Vertrag nehmen möchten, und stehen mit ihnen in fortgeschrittenen Gesprächen. Dabei wollen wir verstärkt auf deutsche Spieler bauen und ihnen eine Chance geben. Geplant ist, unser Motto jung, hungrig, wild umzusetzen. Headcoach Pete Strobl will noch schneller und aggressiver spielen lassen, dafür suchen wir die richtigen Spieler. Klappt das alles, wird die Mannschaft ein deutscheres Gesicht bekommen, mit Leuten, die auch als Eckpfeiler des Teams gesetzt sind. Dann wollen wir erstmal nur mit vier bis fünf Import-Profis anfangen. Wenn unser Budget noch wächst, könnten wir später nochmal stark nachverpflichten.

Thomas Klepeisz und Scott Eatherton, zwei tragende Säulen auf Schlüsselpositionen, sind weggebrochen. Wie wollen Sie das kompensieren?

Scott in seiner Dominanz unterm Korb werden wir nicht durch einen anderen Center ersetzen können. Wir brauchen einfach mehr Spieler, die das Team tragen. Um auszugleichen, was uns Tommy in der Außendarstellung gegeben hat, müsste man schon Nils Mittmann zurückholen (lacht). Aber auch Tommy hat sich ja erst in diese Rolle hineinentwickelt. Auf jeden Fall müssen wir einen Leader suchen, den haben wir noch nicht. Du brauchst einen Führungsspieler als verlängerten Arm des Coaches, gerade, wenn du umstrukturieren musst und viele jüngere Spieler an Bord hast.

Eine andere Baustelle ist die marode Tunicahalle. Der Klepeisz-Wechsel nach Ulm hat aufgezeigt, dass die Trainingsbedingungen in Braunschweig inzwischen gegen die Löwen sprechen. Und wenn Dennis Schröder davon schwärmt, ein NBA-Gefühl für die Spieler schaffen zu wollen, ist das weit weg vom dem, was BS momentan bieten kann. Wie lösen Sie das?

Von NBA-Strukturen sind wir wirklich sehr weit weg. Es wäre wichtig, eine Art Campus für den Basketball zu bauen, bei dem alle unter einem Dach sitzen, wenn wir in der BBL nicht den Anschluss verlieren wollen. Ich bin in Gesprächen mit der Stadt, die ja mit ins Boot muss. Und wir fahren zweigleisig und reden auch mit privaten Investoren. Nach unseren Plänen würde ein Komplex mit Trainings- und Büroräumen vier bis fünf Millionen Euro kosten, wenn man auch Platz für ein paar Zuschauer schafft, und zwei bis drei Millionen Euro ohne Tribüne. Aber die Umsetzung funktioniert leider nicht von heute auf morgen.

Ihre Hauptsponsoren stehen weiter an Ihrer Seite. Aber wie sieht es bei den vielen kleinen Partnern aus, die in der Summe fast nochmal so viel zum Etat beisteuern? Spüren Sie bei denen Corona-Schäden? Und vielleicht auch die Konkurrenz der Eintracht-Fußballer nach dem Zweitliga-Aufstieg?

Im Blick auf den Sponsoren-Pool habe ich ein schweres Erbe angetreten. Es ist ein mittlerer sechsstelliger Betrag offen, wo Verträge ausgelaufen sind. Die Leute bei der Stange zu halten, wird angesichts von Corona sicher nicht leicht. Und ob vielleicht andere Partner mit Vertrag gar nicht zahlen können, weiß ich noch nicht. Im Blick auf Eintracht möchte ich nicht in Konkurrenz-Kategorien denken, sondern ich suche, wie in meiner ersten Amtszeit, die Zusammenarbeit. Vielleicht können wir ein paar Synergieeffekte erzielen.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit Dennis Schröder in den USA?

Sehr gut, wir telefonieren oft und stimmen uns ab. Er ist hoch motiviert und will viel umsetzen. Sein ausdrücklicher Wunsch ist es auch, dass wir einen neuen Markenauftritt bekommen. Daran arbeiten wir gerade auch noch und werden ein leicht modifiziertes Logo vorstellen.

Wann dürfen die Fans sich über die Bekanntgabe der ersten Neuverpflichtung freuen?

Ich denke am Freitag.

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