Die Basketball-Saison der Löwen könnte am Mittwoch enden

Braunschweig.  Die Basketball-Bundesligisten entscheiden, ob sie noch weiter pausieren und suchen Wege zum finanziellen Überleben. Die Spieler werden nicht gefragt.

Ein Star zum Anfassen konnte Thomas Klepeisz in den vergangenen Wochen nicht sein, dafür hat der Löwen-Kapitän die Fans mit Videos unterhalten. Seine Amtszeit könnte am Mittwoch enden.

Ein Star zum Anfassen konnte Thomas Klepeisz in den vergangenen Wochen nicht sein, dafür hat der Löwen-Kapitän die Fans mit Videos unterhalten. Seine Amtszeit könnte am Mittwoch enden.

Foto: Susanne Hübner, /Fotoagentur Hübner

Zwei Wochen lang haben sie nun mit sich gerungen, rechtliche Expertisen eingeholt und verschiedene Szenarien durchgerechnet, um das zu erwartende Desaster so klein wie möglich zu halten. Am Mittwoch wollen die BBL-Standorte gemeinsam mit der Liga-Führung per Videokonferenz eine Entscheidung treffen, auf die Basketball-Deutschland gespannt wartet: Wird die bislang wegen der Corona-Pandemie auf unbestimmte Zeit unterbrochene Erstliga-Saison abgesagt mit drastischen finanziellen Folgen für alle Beteiligten?

„Auf jeden Fall können wir nicht noch vier Wochen in Ungewissheit warten, sondern wir brauchen eine Entscheidung, mit der man dann auch weiterarbeiten kann“, betont Braunschweigs Geschäftsführer Sebastian Schmidt. „Und wie es momentan gesellschaftlich und in der Sportwelt aussieht, sehe ich es als unwahrscheinlich an, dass wir die Saison beenden können.“

Auch wenn die Ligaführung Planspiele für eine Saisonfortsetzung ab Mai vorstellen wird, erscheint diese Variante angesichts der Corona-Ausbreitung mittlerweile illusorisch. Zumindest mit Zuschauern. Und Geisterspiele ohne Fans würden die Basketball-Standorte ja genauso ins Verderben reißen. Damit würden die Klubs vielleicht die vereinbarten TV-Gelder bekommen können, hätten aber die Hallenkosten und Vertragsverlängerungen mit ihren Profis zu bezahlen.

Zudem hat die Abwanderung der amerikanischen Spieler an Dynamik gewonnen, seit das US-Außenministerium Ende vergangener Woche den Landsleuten angeraten hatte heimzukehren. Bei fast allen Klubs sind mehrere Leistungsträger abgereist. Und nicht alle haben, wie die Löwen, eine Rückkehroption in die Vertragsauflösung eingearbeitet, sondern praktisch über ihre Personalpolitik schon Fakten geschaffen, die eine Saisonfortsetzung eigentlich unmöglich machen.

Angesichts der anstehenden BBL-Entscheidung hatte Schmidt das für Montag vereinbarte Gespräch mit seinen Profis verschoben. Fragen, wie beispielsweise die, ob die Löwen mit den Spielern über Kurzarbeit verhandeln, will der Geschäftsführer erst nach dem Ligatermin angesichts der neuen Faktenlage beantworten.

Thomas Klepeisz und Co. fällt derweil zwischen Joggen und Athletiktraining in der Wohnung mehr oder weniger die Decke auf den Kopf. Der Löwen-Kapitän hat die Fans mit zwei Videos unterhalten, in denen er für zu Hause Fitness-Tipps gibt und aus Staubsauger, Wischmob und Toilettenpapier ein Golfspiel zum Nachmachen kreiert hat.

Ob er für einen sofortigen Saisonabbruch ist, fällt ihm schwer zu beantworten. Von der medizinischen Seite werde ja teilweise schon infrage gestellt, ob die nächste Saison pünktlich beginnen könne, sagt der Österreicher. Andererseits wisse er ja um die riesige wirtschaftliche Not der BBL-Standorte.

Was Klepeisz ein bisschen enttäuscht, ist die Tatsache, dass die Spieler aktuell nicht eingebunden und um ihre Meinung gefragt würden. Und dies störe auch die anderen Teamkapitäne. Andererseits könne er die Verantwortlichen verstehen. „Viele Profis sind ja nur eine Saison bei einem Klub“, sagt der 28-Jährige einmal mehr als sehr loyaler Arbeitnehmer. „Dass man da nicht die wichtigste Entscheidung auf diejenigen stützt, die nur eine Zwischenstation machen, ist auch klar.“

Für die Standorte geht es angesichts ihrer massiven Einnahmeausfälle darum, wie sie in die nächste Saison kommen. So dürfte am Mittwoch ein Dreierpack an Maßnahmen beschlossen werden: Die Frist für die Einreichung der Lizenzunterlagen (15. April) wird aufgeweicht, der geforderte Mindestetat von drei Millionen Euro gesenkt und das vorgeschriebene Stammkapital von 250.000 Euro ebenfalls.

Nach Gesprächen mit den Gesellschaftern und dem Aufsichtsrat und somit auch den dort versammelten wichtigsten Sponsoren der Löwen, habe er schon „vereinzelte Rückmeldungen bekommen, dass sie solidarisch hinter uns stehen“, sagt Schmidt. Aber natürlich mache er sich Sorgen um den Standort. „Denn man kann die Auswirkungen der Krise für die nächsten Jahre nicht absehen.“ Und die vielen Mittelständler unter den Löwen-Sponsoren könnten das für ihr Unternehmen auch nicht.

Klar ist laut Geschäftsführer jedoch schon eines: „Der Basketball-Markt wird sich nach Corona anders aufstellen. Gehälter wie in dieser Saison werden dann nicht mehr gezahlt“, betont Schmidt. Eine Botschaft, die auch schon bei den Agenten und Profis angekommen ist. „Es wird massive Einschnitte geben“, ahnt Thomas Klepeisz. „Und da hängen viele Schicksale dran.“

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