Reboundhoheit bringt den Löwen zehnten Sieg

Braunschweig.  Nach hartem Kampf feiern Braunschweigs Basketballer gegen Crailsheim mit 98:84 (49:41) den siebten Heimsieg in Folge und sind Tabellensechster.

Die Erlösung nach einem harten Fight: Topscorer DeAndre Lansdowne stopft den Ball nach einem Schnellangriff per Dunking zur 96:84-Entscheidung in den Crailsheimer Korb.

Die Erlösung nach einem harten Fight: Topscorer DeAndre Lansdowne stopft den Ball nach einem Schnellangriff per Dunking zur 96:84-Entscheidung in den Crailsheimer Korb.

Foto: Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Auch Spiele, in denen der Gegner nach dem ersten Treffer nie mehr führt, können richtig Nerven kosten. Wie nervös Braunschweigs Basketballer auf dem Weg zum siebten Heimsieg in Folge am Sonntagabend gegen Crailsheim waren, verdeutlichte die Szene, in der Trainer Frank Menz seinen Kapitän Thomas Klepeisz eineinhalb Minuten vor dem Ende anraunzte, weil der nicht den Ballvortrag übernommen hatte und die Kugel aus anderen Händen verloren gegangen war. Die Löwen führten in diesem Moment immerhin noch mit elf Punkten.

„Frank wollte, dass ich mehr Verantwortung übernehme, aber ich war k.o.“, gab Klepeisz später zu, als die Revanche für die Hinspielniederlage vor zehn Tagen mit dem eigentlich deutlichen Ergebnis von 98:84 (49:41) geschafft war, und erläuterte: „Das Spiel war unheimlich anstrengend mit der Verteidigung gegen diese kleinen, schnellen Guards.“

Er selbst, aber auch die Spieler seien ziemlich nervös gewesen, gestand auch Menz, als später in der Pressekonferenz die Anspannung langsam wich. „Das Spiel hat uns nervlich ganz schön beansprucht nach den zwei knappen Auswärtsniederlagen.“ Die Löwen wollten unbedingt ihren Heimnimbus wahren und vor den anstehenden drei schweren Auswärtspartien in Folge nochmal punkten. Aber als dann die Crailsheimer einen 20-Punkte-Rückstand aus der 35. Minute (88:68) zum 93:82 nochmal fast halbierten, wurde es dem Löwen-Coach offenkundig mulmig.

Denn die Gäste waren mit ihren starken Offensivleuten nie richtig an die Kette zu legen und blieben stets gefährlich. Starke 53 Prozent ihrer Würfe verwandelten sie aus dem Feld, 62 Prozent Zweier und 43 Prozent Dreier. „Und normalerweise gewinnst du dann ein Spiel“, betonte ihr Trainer Tuomas Ilsalo, zumal seine Verteidigung die Braunschweiger bei 47 Prozent hielt.

Doch die Löwen hatten noch eine Waffe, die die Merlins entzauberte: ihre Reboundstärke. Angeführt von Center Scott Eatherton mit sensationellen neun Offensivrebounds griffen sie sich 17-mal den abspringenden Ball unter dem Crailsheimer Korb und erkämpften somit zusätzlich Wurfversuche. „Wir wussten um diese Stärke, aber wir konnten nichts dagegen tun“, gestand Ilsalo ein.

Weil die Löwen zudem ihre Schwäche aus dem Hinspiel abgestellt hatten und sich statt katastrophaler 19 diesmal nur starke 4 Ballverluste leisteten, kamen sie unter dem Strich auf 18 Feldwürfe mehr als der Gegner. Das machte dessen bessere Trefferquote wett.

In diese Rechnung fließen auch die 14 Ballverluste der Merlins ein, die die aggressive Verteidigung der Braunschweiger erzwang, die oft über das gesamte Feld Druck machten. Trotz der 84 Gegenpunkte durften sie in diesem sehr schnellen Spiel auch mit ihrer Defensivleistung zufrieden sein und waren es auch. Denn die Oberzauberer der Merlins, die quirligen Spielmacher DeWayne Russell und Frank Turner, waren bei Tommy Klepeisz und Co. viel besser unter Kontrolle als bei der 94:99-Niederlage im Hinspiel. „Wir haben oben viel mehr Druck gemacht und hatten es dadurch unter dem Korb viel leichter“, analysierte Klepeisz. Denn dort herrschten Scott Eatherton und Co. unangefochten, Crailsheims Center waren komplett abgemeldet.

Ein Sonderlob verdiente sich Flügelspieler Dennis Nawrocki, der für den defensiv indisponierten Brayon Blake aufs Feld durfte, und mit dem das Verteidigungsgebilde an Stabilität gewann.

Trotzdem war die Partie bis weit ins dritte Viertel hinein eine eher zähe Angelegenheit, ein Abnutzungskampf, dem Schwung und Leichtigkeit der vergangenen Heimauftritte fehlte. Immer wieder kamen die Gäste nach höheren Führungen der Löwen heran. Nach drei Merlins-Dreiern stand es 63:57 (27.).

Das mochte DeAndre Lansdowne nicht länger mit ansehen, so schien es. Mit einem energischen Spurt übers gesamte Feld führte er sein Team wieder weg und ließ noch einen Dreier folgen. „Wir haben in den wichtigen Phasen den richtigen Weg gefunden, vor allem Dre“, lobte Menz. „Das war heute eine Wahnsinns-Energieleistung.“

Die Löwen durften mit einem beruhigenden 13-Punkte-Polster in den Schlussabschnitt starten und setzten sich dort unter anderem dank vier Dreiern von Hines, Klepeisz, Lansdowne und Sengfelder auf 88:68 ab. Eine Befreiung für Spieler wie Fans, auf den Rängen erwachte die Partystimmung.

Doch es folgte ein bisschen zu viel innere Entspannung bei den Löwen und der Crailsheimer Endspurt, der den Trainer so erregte. Erneut sorgte Lansdowne per Dunking für klare Verhältnisse. Und mit ein bisschen Abstand kann man sagen: So richtig eng war es doch gar nicht.

Lansdowne 23 (50%, 3 Rebounds, 5 Vorlagen, 2 Ballgewinne), Eatherton 18 (50%, 13 Rebounds, 3 Vorlagen), Hines 15 (43%, 6 Rebounds), Klepeisz 12 (60%, 4/4 Freiwürfe, 7 Vorlagen), Sengfelder 11 (44%, 6 Rebounds), Blake 8, Kone 4, Lagerpusch 3, Nawrocki 2, Rahon 2 (3 Vorlagen, 2 Ballgewinne), Figge, Kovacevic.

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