Jake Kennedy und das Warten auf den ersten Wurf

Braunschweig.  Der neue Lions-Spielmacher fiebert dem Saisonstart in der deutschen Football-Liga mit großer Vorfreude entgegen.

Der neue Lions-Quarterback Jake Kennedy spielte zuletzt in der ersten Liga Österreichs.

Der neue Lions-Quarterback Jake Kennedy spielte zuletzt in der ersten Liga Österreichs.

Foto: Wittenberg University/Nick Falzerano

Beim American Football wird gemeinhin alles auf einen Raumgewinn auf dem Spielfeld angelegt. Doch dieser Tage ist alles anders – auch für Jake Kennedy. Der neue Quarterback der Lions hat derzeit sogar einen üppigen Raumverlust zu verzeichnen – zumindest was die Distanz zwischen seinem aktuellen Aufenthaltsort und dem Eintracht-Stadion betrifft, der Spielstätte, in der er eigentlich Ende April gegen die Cologne Crocodiles seine ersten Punkte für sein neues Team erzielen wollte.

Doch der deutsche Football-Rekordmeister hat Kennedy genau wie allen anderen Import-Spieler wegen der Corona-Pandemie erlaubt, in ihre Heimat zurückzukehren. Der Spielmacher, der als Neuzugang aus der österreichischen Liga die Lücke schließen soll, die Laufwunder Brandon Connette hinterließ, weilt seit etwa einer Woche wieder in den USA – ein paar Yards weiter den Ozean runter.

Eigentlich war der 23-Jährige schon nach Braunschweig gezogen. Mit dem finnischen Abwehr-Spezialisten Roni Salonen bewohnte er eine WG. Und eigentlich wäre er auch gern in Deutschland geblieben. Braunschweig sei eine schöne Stadt. Und was er sofort spürte: „Ich wurde vom ersten Treffen mit dem Team als ein Teil der Lions-Familie akzeptiert und von allen super aufgenommen.“

Sowieso hat es zwischen dem Absolventen der Wittenberg University aus Springfield/Ohio und den Braunschweigern gefunkt. Seine Entscheidung, für die Lions zu spielen, traf der US-Boy aufgrund der vorgelebten Gewinnermentalität und dem professionellen Trainerteam. Besonders mit Coach Troy Tomlin funke er auf einer Wellenlänge. „Wir ticken ähnlich“, sagt Kennedy, der den Zweitnamen Dalton trägt. „Er ist ein Trainer, für den ich auf dem Feld kämpfe, um Football-Spiele zu gewinnen.“

Aber dafür bedarf es an Übung mit dem Team. Dass der junge Quarterback über Qualitäten verfügt hat er hinlänglich bewiesen. Bei den Projekt Spielberg Graz Giants erreichte er 2581 Yards Raumgewinn aus Pässen, 36 Touchdowns und holte mit seinem Team Platz eins der Punktrunde in Österreich.

Für sein College-Team, die Tigers, lief er drei Jahre als Stammspieler auf, erzielte 8700 Yards Raumgewinn, 93 Touchdowns, 75 Touchdown-Pässe, sieben Touchdowns in einem Spiel und erreichte eine Rate von 62 Prozent vollständiger Pässe – in all diesen Statistiken hält er jeweils den Schulrekord.

Allein gute Statistiken werden aber nicht reichen, um in die großen Fußstapfen seiner erfolgreichen Vorgänger zu treten. Es braucht Training, damit die Abstimmung zwischen Kennedy und seinen Passempfängern oder Ballträgern passt. Coach Tomlin sagte gegenüber dieser Zeitung kürzlich, dass mindestens drei bis vier Wochen Vorbereitung nötig sind, um ein Team in den Wettkampfmodus zu bekommen. Der Saisonstart ist von der Liga vorerst auf die Zeit nach Pfingsten verschoben.

Auf der faulen Haut will und darf Kennedy trotz der durch das Corona-Virus bedingten Zwangspause keinesfalls liegen. Mit seinen Teamkollegen ist er stetig in Kontakt. In den Staaten trainiert er individuell. Zuvor hatte er noch die Gelegenheit, kleine Trainingseinheiten mit seinen neuen Mitspielern und Video-Analysen mit den Trainern zu absolvieren. Seitdem ersteres nicht mehr geht, hat er bloßes Kraft- zu einem Ganzkörpertraining mit freien Gewichten erweitert – die Übungen absolviert er nicht mehr nur im Fitnessstudio sondern vornehmlich draußen. „Ich verzeichne Erfolge von Tag zu Tag und fühle mich bereit für die Saison“, erklärt der neue Lions-Anführer.

Aber kein Workout dieser Welt ersetzt das wohlige Gefühl, dem eiförmigen Lederball den entscheidenden Impuls für Punkte auf dem Feld zu verpassen, obwohl sich dem Spielmacher die Abwehrspieler wie Türme bedrohlich in den Weg stellen. Football sei seine Leidenschaft. „Ich will endlich jede Facette davon genießen, wie es ist ein Lions-Spieler zu sein“, erklärt Kennedy, zumal er sich auf Deutschland auch aus einem anderen Grund freut.

In seiner Zeit in Österreich hat er das italienische Essen schätzen gelernt. Und es ist davon auszugehen, dass er auch in der Löwenstadt den ein oder anderen Italiener ausprobieren wird, weil er weiß: „In Europa gibt es die beste Pasta.“

Das kulinarische Vergnügen will er sich auch mit guten Leistungen auf dem Rasen verdienen. Mit Leidenschaft und Härte will er vorangehen. „Mein Job ist es, meinem Team Siegchancen zu verschaffen, dafür werde ich alles tun, was möglich ist“, verspricht Kennedy, der sein erstes Spiel im Trikot des amtierenden Meisters kaum erwarten kann. „Ich habe große Lust darauf, den Fans Woche für Woche eine Show zu bieten“, sagt er und schließt seine Nachricht mit den Worten „GO LIONS“.

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