Eintracht Braunschweig: Die Suche nach der neuen DNA

Braunschweig.  Bei Fußball-Zweitliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig soll wieder Kontinuität Einzug erhalten. Die Anforderungen an den neuen Trainer sind hoch.

Cheftrainer Daniel Meyer (Eintracht Braunschweig) besitzt klare Vorstellungen.

Cheftrainer Daniel Meyer (Eintracht Braunschweig) besitzt klare Vorstellungen.

Foto: Darius Simka / regios24

Kontinuität ist zu einem Zauberwort im deutschen Profi-Fußball geworden. Nur wer sie besitzt, kann auch erfolgreich sein, wiederholen seit Jahren Manager und Trainer gebetsmühlenartig, um sich damit auch ein bisschen Zeit von der kritischen Öffentlichkeit zu erkaufen. Nach dem Motto: Wartet es nur ab, irgendwann werden unsere Konzepte schon greifen, irgendwann wird sich unsere gute Arbeit auszahlen.

Das Problem ist nur: Ohne Erfolg keine Kontinuität. Denn in dieser hektischen Fußball-Welt werden Fehler nicht lange geduldet. Und wer das Gefühl hat, aufs falsche Pferd gesetzt zu haben, wird nicht noch eine weitere Runde auf seinem lahmen Gaul drehen, um zu sehen wie die Konkurrenz noch mehr enteilt. Ein Teufelskreis, von dem so mancher Klub und auch die Eintracht ein Lied singen kann.

Eintracht Braunschweig: Vier Trainer in zwei Saisons

In Braunschweig versuchten sich nach dem schmerzhaften Ende der Ära Lieberknecht vier verschiedene Trainer daran, den Traditionsverein wieder in die Spur und damit zurück in die 2. Bundesliga zu bringen.

Der nette Däne Hendrik Pedersen scheiterte an seiner Unkenntnis über die Kämpfer- und Grätscher-Liga 3. André Schubert, der mit seiner Art aneckte, konnte am letzten Spieltag der Saison 2018/19 die Katastrophe, den Abstieg in die Regionalliga, verhindern. Sein Nachfolger und vormaliger Assistent Christian Flüthmann wurde nach einem Fabel-Start eine Sieglos-Serie zum Verhängnis. Dem spröden Marco Antwerpen gelang schlussendlich der Aufstieg, in die Herzen der Braunschweiger coachte er sich allerdings nie.

Hier finden sie „Löwengebrüll“ – den neuen Eintrachtpodcast

Die zwischenmenschlichen Hürden zwischen dem direkten Westfalen und den Entscheidern der Eintracht sollen aber nur ein Grund für die Trennung gewesen sein. Allen voran vermissten die Gremien eine Entwicklung im fußballerischen Bereich – und der in Unna geborene Ex-Stürmer sollte auch nach dem fulminanten Schlussspurt in der 3. Liga keine Chance erhalten, diese einzuleiten. Zu groß war an der Hamburger Straße die Angst vor einem Fehlstart in die 2. Liga, vor erneut teuren Kader-Korrekturen im Winter.

Deswegen kamen mit dem neuen Trainer Daniel Meyer, der gleich ankündigte, eine Ära prägen zu wollen, auch elf neue Spieler, von denen die meisten dem Team in Liga zwei sofort weiterhelfen müssen. „Der Klassenerhalt hat oberste Priorität“, sagt Meyer.

Trotzdem hat er sich daneben auch noch eine weitere, längerfristige, Aufgabe vorgenommen. Die ballbesitzorientierte Spielidee des rhetorisch begabten 41-Jährigen soll zur neuen Identität der Eintracht gehören und neben den Profis nach und nach auch den ganzen Klub durchdringen. Dass diese neue DNA lange beibehalten wird, ist dem studierten Juristen und ausgebildeten Fußball-Lehrer nur zu wünschen – und vor allem dem leidgeprüften Publikum, dass nach beinahe turnusmäßigen Komplett-Umbrüchen Sehnsucht nach Kontinuität und ansehnlichen Fußball hat.

Daniel Meyer bekam bei Eintracht Braunschweig einen schlagkräftigen Kader

Der fünfte Schuss, so möchte man meinen, muss sitzen. Denn noch einen Abstieg würden die Blau-Gelben nicht ohne weiteres verkraften. Damit es gar nicht erst so weit kommt, hat man trotz den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie mutig investiert.

Frühzeitig und mit einem klaren Plan haben die Braunschweiger einen Kader zusammengestellt, der durchaus hoffnungsvoll werden lässt. Viele, wenn auch nicht alle Wünsche Meyers konnte ihm Sportdirektor Peter Vollmann erfüllen.

Der Trainer hat aber durchaus eine gute Auswahl, um seine Ideen und sein gewünschtes 3-4-1-2-System umzusetzen, obwohl ein kantiger Mittelstürmer im Aufgebot bisher fehlte. Aber die Blau-Gelben sind auf allen Positionen doppelt besetzt, haben einige Spieler mit Erfahrung dabei und sich durch die Neuzugänge trotzdem in puncto Dynamik und Tempo verbessert.

Hertha-Gala als guter Start für Eintracht Braunschweig

Dass das Ganze nicht nur auf dem Papier gut aussieht, sondern auch auf dem Platz zu guten Ergebnissen führen kann, zeigte das DFB-Pokalspiel gegen Hertha BSC. Es war ein spektakuläres, ein tolles Spiel der Eintracht, das der Zweitligist am Ende 5:4 gegen den Erstligisten aus der Hauptstadt gewann.

Auf die Liga lässt sich der Pokal-Coup sicherlich nicht eins und zu eins übertragen. Aber der Erfolg gibt mindestens Rückenwind und Selbstvertrauen für den Liga-Start am Sonntag in Heidenheim.

Und Selbstvertrauen begünstigt weitere Erfolge, die wiederum für Ruhe und Kontinuität bei den Löwen sorgen würden. Ein Kreislauf, diesmal aber in positiver Hinsicht.

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