So kann es in Halle für Eintracht weitergehen

Braunschweig.  Eintracht kommt stark aus der Corona-Pause. „Das gibt uns Auftrieb für die nächsten Spiele“, sagt Kapitän Bernd Nehrig nach dem 4:2 gegen Köln.

Der sitzt perfekt: Marcel Bär (Mitte) schließt einen von ihm selbst eingeleiteten Gegenangriff sehenswert ab und erzielt das 4:2 für Eintracht Braunschweig im Spiel gegen Viktoria Köln.   

Der sitzt perfekt: Marcel Bär (Mitte) schließt einen von ihm selbst eingeleiteten Gegenangriff sehenswert ab und erzielt das 4:2 für Eintracht Braunschweig im Spiel gegen Viktoria Köln.   

Foto: Susanne Hübner /Fotoagentur Hübner

Ob es in grauer Vorzeit mal ein Pflichtspiel von Eintracht Braunschweig gab, das von so wenigen Zuschauern im Stadion verfolgt wurde, ist nicht bekannt. Für die jüngere Vergangenheit lässt sich aber sagen, dass es am Samstag gegen Viktoria Köln die traurigste Kulisse war, die es je bei den Löwen gegeben hatte. Etwa 200 Menschen verteilten sich im Rund des Stadions an der Hamburger Straße.

Ordner, Vereinsfunktionäre, Betreuer, Einwechselspieler und wenige Medienvertreter hatten auf der Tribüne mit Mund- und Nasenschutz Platz genommen, während 22 Akteure und ein Schiedsrichtergespann auf dem Spielfeld ihrer Arbeit nachgingen. Nur die Cheftrainer Marco Antwerpen und Pavel Dotchev waren am Seitenrand – ohne Maske – etwas näher dran. Alles wegen Corona natürlich. In den nächsten Wochen wird es bei den Drittliga-Fußballern so weitergehen, wenn es nicht doch noch zu einem Saisonabbruch kommt.

Bereits der Weg zum Stadion hatte wenig mit der sonstigen Spieltagsatmosphäre gemein. In einer Kneipe in Stadionnähe ließen sich im Vorbeifahren ein paar Menschen mit blau-gelben Trikots ausmachen, ansonsten deutete wenig darauf hin, dass die Eintracht zum Restart gleich auf Viktoria Köln treffen würde. Den Eingang hinter der Südkurve bewachten zwei Ordner, die es sich im Schatten der Bäume auf Stühlen gemütlich gemacht hatten.

Es war aber auch niemand da, der auf die Idee hätte kommen können, über das geschlossene Tor zu klettern. Hinter der Shell-Tankstelle, wo man sich normalerweise durch eine Menschenmenge kämpfen muss, herrschte gähnende Leere. Die Türen der Fankneipe waren geschlossen, von den Tennisplätzen ließ sich das Aufprallen der Bälle auf die Schläger vernehmen, während aus dem Stadion auch 50 Minuten vor Spielbeginn noch kein Laut zu hören war. Im Tennisheim hatten sich auch ein paar Fans zum Fußballgucken eingefunden, aber für „Kurven-Mutti“ Christel Neumann, die einem auf ihrem Fahrrad entgegenkam, wird noch Platz gewesen sein, während sich der eigene Drahtesel so nah am Eingang wie noch nie parken ließ.

Immerhin haben sie bei der Eintracht das Beste aus dieser Situation gemacht. Zunächst atmosphärisch, indem die Stadionregie über die Lautsprecher 20 Minuten vor dem Anpfiff einige Fangrüße einspielte, mit denen der Mannschaft Mut zugesprochen wurde. Und dann auch sportlich. Denn obwohl die Braunschweiger bereits nach drei Minuten durch den Kölner Mike Wunderlich in Rückstand gerieten, und Trainer Antwerpen sich bereits an die Spiele „in Würzburg und Rostock erinnert“, fühlte, stand es nach 90 Minuten 4:2 für die Löwen.

Das war auch völlig verdient, denn die Blau-Gelben waren nach dem Dämpfer aus der Anfangsphase die engagiertere Mannschaft und zeigten eines ihren besseren Spiele in dieser Saison. Abgesehen von einigen Schwächen war in dieser Partie aus Löwen-Sicht viel Gutes drin, das auch Hoffnung für die nächsten Aufgaben macht: Leon Bürgers erstes Profi-Tor als Antwort auf Wunderlich, die auffälligen Offensivspieler Martin Kobylanski (ein Tor, eine Vorlage) und Merveille Biankadi (zwei Vorlagen) sowie der eingewechselte Marcel Bär, der mit einem Doppelpack zum Matchwinner wurde und den kurzfristigen Kölner 2:2-Ausgleich durch Hamza Saghiri vergessen ließ. „Das wird uns viel Auftrieb für die nächsten Wochen geben“, sagte Kapitän Bernd Nehrig, der ebenfalls eine gute Leistung zeigte. Antwerpen ergänzte: „Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung der Mannschaft.“

Sicherlich gab es auch noch einiges, das besser geht. Aber Einsatz sowie Laufbereitschaft stimmten, und wenn sich die Löwen mit langen Bällen nach vorne gekämpft hatten, gab es in Strafraumnähe auch gute Aktionen. Jeder Treffer war schön herausgespielt. So kann es am Mittwoch in Halle weitergehen.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder