Warum die Grizzlys bis zum 21. September alles auf Eis legen

Wolfsburg.  Wolfsburgs Eishockey-Erstligist steht in den Startlöchern für die Saison 2020/21. Grizzlys-Manager Fliegauf erklärt Entscheidungsstopp und Lage.

Grizzlys-Manager Charly Fliegauf (hier in der Vor-Corona-Zeit beim Besuch im AOK-Stadion) wertet die gelungene Generalprobe des Hygiene-Konzepts bei den VfL-Frauen als positives Zeichen für Wolfsburg.

Grizzlys-Manager Charly Fliegauf (hier in der Vor-Corona-Zeit beim Besuch im AOK-Stadion) wertet die gelungene Generalprobe des Hygiene-Konzepts bei den VfL-Frauen als positives Zeichen für Wolfsburg.

Foto: Archiv

Bis Montag, 21. September, liegen alle wichtigen Entscheidungen auf Eis bei den Grizzlys Wolfsburg. An dem Tag findet eine mit Spannung erwartete Gesellschafter-Versammlung der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) statt. Grizzlys-Manager Charly Fliegauf erhofft sich von dieser wichtige Erkenntnisse darüber, ob der Spielbetrieb – wie geplant – am 13. November beginnen kann oder abermals verschoben wird.

Bis dahin fällt der Klub auch keine Transferentscheidungen. Einen Import-Verteidiger sowie möglicherweise einen Allrounder als zehnten Ausländer (neun dürfen pro Match nur eingesetzt werden) haben die Grizzlys noch auf dem Zettel. „Wir haben Namen und auch eine Hitliste. Aber es macht keinen Sinn, jetzt schon einen weiteren Spieler an sich zu binden, wenn die Saison dann doch noch einmal verschoben wird“, sagt Fliegauf und spielt damit auf die finanziellen Verpflichtungen an. Sollte die DEL den vorgesehenen Starttermin bestätigen, könnte es allerdings sehr schnell gehen mit den letzten Transfers.

Saison-Befürworter werden mehr

Fliegauf hofft auch, dass die Gesellschafterversammlung ein klares Votum für eine Saison bringt. Lange hatte es nach Informationen unserer Zeitung eine Mehrheit dafür gegeben, im Falle eines drohenden Ausschlusses oder substanziellen Teilausschlusses von Zuschauern die Spielzeit abzusagen. Die Wende könnte nun auch eine Idee bringen, die lange außen vor geblieben war: das Aussetzen des eigentlich von der kommenden Saison an wieder geltenden Abstiegs. Zwar – so der Vorschlag, für den sich auch Grizzlys-Kapitän Sebastian Furchner schon ausgesprochen hatte – solle es einen Aufsteiger aus der DEL 2 geben. Aber im Gegenzug soll kein DEL-Team den Gang in die Zweitklassigkeit antreten müssen. Auf die Weise hätten die Klubs eine gewisse Sicherheit. Auch würde es ein kostspieliges Wettrüsten der Teams verhindern, das die durch Corona ohnehin finanziell arg gebeutelten Klubs zusätzlich belasten würde. Zuletzt stieg angeblich die Zahl der Saison-Befürworter wieder.

Vielleicht nun noch stärker, denn die Politik sendete am Wochenende positive Signale an den Profisport. Nordrhein-Westfalen kündigte zum Beispiel an, Spiele mit mehr als den bisher 300 erlaubten Zuschauern zulassen zu wollen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte sich mit Klub- und Sportvertretern zu einem digitalen Sportgipfel getroffen. Wichtigstes Ergebnis aus Sicht der DEL: Für bundesweite Sportligen sei es weiter das Ziel, auch bundesweite Lösungen für die Zuschauerfrage zu finden. „Wir brauchen eine Lösung für den Eishockeysport, der ganz wesentlich davon lebt, dass die Hallen voll besetzt sind“, sagte Laschet.

„Bewegung im Thema“

Das Vorhaben begrüßte Stefan Adam, Geschäftsführer des DEL-Klubs Düsseldorfer EG. Offen blieb zwar zunächst, wie viele Besuchern die Erstligisten der großen Mannschaftssportarten Fußball, Eishockey, Basketball und Handball in die Arenen lassen dürften. Aber die Aussicht auf mehr als bisher (in NRW sind es aktuell 300, in Niedersachsen 500) stimmt auch Fliegauf optimistisch: „Immerhin ist jetzt Bewegung drin im Thema. Wir wünschen uns eine bundeseinheitliche Regelung. Schließlich spielen wir ja auch bundesweit.“

Allerdings dränge die Zeit. „Erst Ende Oktober eine Entscheidung zu bekommen, wäre zu spät. Wir brauchen eine ausreichende Vorlaufzeit“, mahnt Fliegauf. Schließlich müssen die Klubs ihre Vorbereitungen bereits detailliert ausarbeiten. Die Grizzlys (seit Anfang September) gehören zu den DEL-Teams, die ihre Spieler bereits aus der Kurzarbeit geholt haben. Sie planen neun bis zehn Testspiele vor dem Beginn. „Unser Plan steht. Drei Tests finden anlässlich des geplanten Telekom-Cups in Düsseldorf statt, vier sogar, falls wir das Endspiel erreichen. Sechs weitere Vorbereitungspartien haben wir außerdem abgemacht.“ Den Plan will Fliegauf aber auch noch nicht vor dem 21. September bekanntgeben. Nur so viel: Den Abschluss soll ein Heimspiel vor Zuschauern als Generalprobe bilden.

„Luft ist nicht raus“

Diesbezüglich ist der Grizzlys-Manager zuversichtlich, dass das zusammen mit dem Wolfsburger Gesundheitsamt ausgearbeitete Hygienekonzept greift. Mit großer Erleichterung hatte er den mit 500 Fans erfolgten, gelungenen Heimspielauftakt des auch im Allerpark beheimateten Frauenfußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg registriert.

„Wir wollen spielen“, unterstrich Fliegauf noch einmal deutlich. Dass die Saison entwertet ist, wenn es keinen Absteiger gibt, findet er nicht. „Die Luft ist deshalb nicht raus.“ Ein Wolfsburger Low-Budget-Team werde es in dem Fall auch nicht geben. „Wir versuchen, uns im Rahmen unseres Budgets bestmöglich aufzustellen.“

Keine großen Sponsorenverluste

Die Voraussetzungen dafür seien gut. Zum einen habe es keine nennenswerten Sponsorenverluste gegeben. Zum anderen setzen die Grizzlys auch auf die staatlichen Corona-Zuschüsse zum Ausgleich der bereits ausgefallenen und zu erwartenden deutlich niedrigeren künftigen Zuschauereinnahmen. „Die Beantragungsfrist für die erste Tranche ist im September. Da werden wir dabeisein.“

Ganz entscheidend für das weitere Vorgehen seien jedoch die Signale, die von der DEL-Gesellschafter-Versammlung am 21. September ausgehen. Bis dahin liegen in Eishockey-Wolfsburg alle Entscheidungen auf Eis.

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