Von wegen „Alte Dame“

Wolfsburg  Bei VfL-Gegner Hertha hat ein Jugendwahn eingesetzt. Maier, Torunarigha und Mittelstädt sind nur der Beginn.

Arne Maier.

Arne Maier.

Foto: Uwe Kraft / imago/Uwe Kraft

. Die Fritz-Walter-Medaille ist die höchste individuelle Auszeichnung, die der Deutsche Fußball-Bund jährlich an seine vielversprechendsten Talente verteilt. Die U17-Ehrung des Jahres 2017 ist fürs Spiel des VfL Wolfsburg gegen Hertha BSC (Samstag, 15.30 Uhr, VW-Arena) eine besondere.

Denn mit Gian-Luca Itter holte damals ein Wolfsburger Talent die prestigeträchtige goldene Wertung vor Kai Havertz aus Leverkusen (Silber) und Arne Maier von Hertha (Bronze). Heute wird Itter als einziger Part dieses ausgezeichneten Trios nicht auf dem Rasen der Fußball-Bundesliga stehen. Der 19 Jahre alte Linksverteidiger gehört der grün-weißen Regionalliga-Mannschaft, die heute in Flensburg antritt. „Er hat in den vergangenen eineinhalb Jahren einfach zu selten gespielt“, begründet VfL-Trainer Bruno Labbadia, der Itters dicke Verletzungsakte im Hinterkopf hat. Havertz hingegen spielt mit Bayer 04 gegen den FC Bayern – und Maier will den VfL ärgern.

Und Mittelfeldspieler Maier ist längst nicht der einzige Herthaner aus der Kategorie Jung und Wild. In der Innenverteidigung wird – sollte er rechtzeitig fit werden – Jordan Torunarigha auflaufen. Der 21-Jährige wird in Berlin langfristig als Nachfolger von John Anthony Brooks angesehen, der die Hertha im Sommer 2017 in Richtung Wolfsburg verlassen hatte. Rund 20 Millionen Euro legte Ex-Sportdirektor Olaf Rebbe für die Dienste des US-Amerikaners auf den Tisch. Torunarigha, der Brooks als großen Bruder und Vorbild bezeichnete, schnappte sich sogleich die frei gewordene Rückennummer 25, die zuvor der Abgewanderte jahrelang durch die internationalen Stadien getragen hatte.

Maier und Torunarigha werden in Pal Dardais Startelf erwartet, und ein weiteres Berliner Eigengewächs hätte ebenso gute Chancen auf einen solchen Platz gehabt, hätte es sich nicht unter der Woche verletzt: Maximilian Mittelstädt. Wie Torunarigha ist auch er 21 Jahre alt und schon seit vielen Monaten fester Bestandteil des Bundesliga-Teams.

Damit nicht genug vom Berliner Jugendwahn: Julius Kade und Palko Dardai, der Sohn des Trainers, gehören zur Erstliga-Mannschaft. Beide sind wie Maier im Jahr 1999 geboren und holten gemeinsam im Sommer die deutsche U19-Meisterschaft. Ebenfalls dabei und heute mit Profivertrag ausgestattet: Florian Baak (Verteidiger), Muhammed Kiprit (Angriff) und Dennis Jastrzembski (Mittelfeld), der beim 2:0-Sieg der Berliner auf Schalke ran durfte. Sechs Eigengewächse, die den Spitznamen der Hertha ad absordum führen: von wegen „Alte Dame“. Dardai hat mittlerweile eine wirklich aufregende Truppe beisammen.

Dass sie als Dritter heute mit viel Selbstvertrauen zum „Spitzenspiel“ beim Zweiten reist, weiß Labbadia. Der VfL-Coach hebt nach den Siegen gegen die stark eingeschätzten Schalker und Leverkusener hervor: „Ich bin froh, dass wir zwei gute Gegner geschlagen haben, aber nun kommt der dritte gute Gegner.“ Er sage das nicht nur, weil auch Berlin mit zwei Siegen (1:0 gegen Nürnberg, 2:0 auf Schalke) in die Runde gestartet ist. „Sondern, weil sie sehr eingespielt und vor allem in der Defensive top organisiert sind. Ich habe sie mir sehr genau angeschaut.“ Dazu hat Dardai seinem Team ein „gutes Umschaltspiel“ beigebracht. „Es ist eine Herausforderung für uns. Ich bin sehr gespannt, wie wir gegen so ein Team spielen werden“, sagt der VfL-Trainer, der von seinem Gegenüber in hohen Tönen spricht: „Pal ist ein Herthaner. Er hat die Mannschaft in einer schwierigen Situation übernommen, aber seinen Stil recht schnell übertragen. Und es funktioniert. Dazu wurde die Mannschaft sehr verjüngt“, weiß auch Labbadia. Maier, Torunarigha und Mittelstädt sind wohl nur der Anfang. Da kommt noch mehr aus Berlin. Von wegen „Alte Dame“...

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