Klingebiel sieht Bewerbung als Kulturhauptstadt skeptisch

Salzgitter.  Kultur findet der Oberbürgermeister gut und wichtig. Salzgitter als Kulturhauptstadt kann sich Klingebiel aber nicht vorstellen.

Wilma Klein (links) und Eike Bunzenthal-Tomaschek wünschen sich, dass Salzgitter Kulturhauptstadt Europas 2025 wird.

Wilma Klein (links) und Eike Bunzenthal-Tomaschek wünschen sich, dass Salzgitter Kulturhauptstadt Europas 2025 wird.

Geht es nach einigen kulturbegeisterten Salzgitteranern, soll Salzgitter 2025 Kulturhauptstadt Europas sein (wir berichteten). Oberbürgermeister Frank Klingebiel begrüßt zwar das bürgerschaftliche Engagement, sieht zugleich allerdings große Hürden für ein solches Projekt.

Die Speerspitze der Idee, dass Salzgitter sich als Kulturhauptstadt Europas bewerben soll, sind die Künstlerin Wilma Klein, Eike Bunzenthal-Tomaschek, beide aus Lebenstedt, und Fotograf und Videojournalist Rudolf Karliczek. Er gibt zu, anfangs selbst sehr skeptisch gewesen zu sein. „Meine erste Reaktion war ‘Das kostet ja Millionen, wer soll das bezahlen’. Dann habe ich aber mit einigen Leuten gesprochen, die der Idee positiv gegenüberstehen und habe meine Meinung geändert“. Ein Interview mit Kultusminister Grant-Hendrik Tonne habe ihn in der Idee bestärkt. Kultur sei ein zunehmend wichtiges Thema, bei einer möglichen Bewerbung spiele Kreativität eine wichtige Rolle, so Tonne. Konkreter wurde der Minister allerdings nicht. Wilma Klein berichtet, dass ihr nach Gesprächen mit einigen Mitarbeitern im Rathaus klar geworden sei, dass „eine solche Bewerbung eine besondere Aufgabe“ sei. Abschrecken lässt sich die gelernte Bauzeichnerin und heutige Malerin davon aber nicht. „Man muss auch Ideen und Fantasie haben, um etwas zu erreichen. Ich möchte, dass positive Gedanken einen Platz in dieser Stadt haben und das Image nicht heruntergezogen wird, wie etwa durch RTL II-Sendungen’“, sagt Klein in Anspielung auf die Doku „Hartz und herzlich“, die Salzgitter im vergangenen Jahr in keinem guten Licht dastehen ließ.

„Und wieso“, fügt Karliczek an, „sollen wir es auch nicht versuchen? Wir haben in der Vergangenheit auch mit wenig Geld viel geschafft.“ Eine der wichtigsten Fragen sei, so Bunzenthal-Tomaschek: „Was halten die Bürger davon?“ Mit vielen hätten sie bereits gesprochen, mit vielen weiteren wollten sie nun, so die 56-Jährige, schnell ins Gespräch kommen. Sie hoffe auf viele Nachrichten an ihre Adresse ebunzenthal@gmail.com.

Er finde zwar, so Klingebiel, alle Aktivitäten toll, die die Stadt nach vorne bringen. „Aber die Verantwortung für die Antragstellung übernehme ich nicht. Wir haben im Rathaus keine Ressourcen für eine solche Bewerbung. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Politik das anders sieht“, so der Oberbürgermeister. Mit Blick auf die zentralen Herausforderungen der Stadt wie Integration, Bildung und Finanzen, „die uns langfristig intensiv beschäftigen werden, sehe ich für eine formale Kulturhauptstadtbewerbung keinen Raum.“

Die Schirmherrschaft, die ihm für das Projekt angetragen worden sei, habe er als etwas ideelles betrachtet. „Und wir werden auch weiterhin Menschen in unserer Stadt unterstützen, die die Kultur nach vorne bringen wollen.“ Aber Geld und Personal für ein solches Großprojekt sei einfach nicht da.

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