Meinersen: So wird ein Garten wirklich nachhaltig

Meinersen-Ohof.  Jana Lehmann hat im Kreis Gifhorn einen nachhaltigen Garten angelegt. Sie erklärt, wie ein Garten nicht nur Menschen, sondern auch Tieren hilft.

In den Mischkulturbeeten von Jana Lehmann profitieren die Pflanzen gegenseitig voneinander.

In den Mischkulturbeeten von Jana Lehmann profitieren die Pflanzen gegenseitig voneinander.

Foto: Shirin Schönberg

Wenn Jana Lehmann über Kompost spricht, leuchten ihre Augen. Die 32-Jährige hat vor zwei Jahren ihr Leben radikal verändert, um mehr im Einklang mit sich selbst und der Natur zu leben. Ihre Bestimmung fand sie in der sogenannten Permakultur und probiert zurzeit auf dem Grundstück ihrer Familie zwischen Ohof und Meinersen im Kreis Gifhorn mit unterschiedlichen Techniken einen naturnahen Garten zu schaffen, der nicht nur die Menschen versorgt, sondern auch Lebensräume für Tiere schafft.

„Permakultur ist ein kreativer, lösungsorientierter Gestaltungsansatz, der auf eine Welt schwindender Energie- und Ressourcenverfügbarkeit reagiert“, erklärt Lehmann. Das Konzept basiert darauf, natürliche Ökosysteme und Kreisläufe in der Natur genau zu beobachten und nachzuahmen. Und so finden sich in ihrem Garten zwar keine akkurat angelegten Beete und ordentlich gestutzte Hecken. Dafür wachsen Erdbeeren, Zucchini, Kürbis, Bohnen, Tomaten, Mangold, Paprika, Fenchel, Zwiebeln und Knoblauch in Mischkulturbeeten, in denen die Pflanzen gegenseitig voneinander profitieren, während eine Kräuterschnecke mit Lavendel und Calendula als Buffet für Bienen und Hummeln dient.

Langfristiges Ziel: Selbstversorgerin

Langfristig würde Jana Lehmann gern als Selbstversorgerin leben. Doch Permakultur ist für sie mehr als nur ein Gartenbau-Konzept. „Es geht um mehr Gemeinschaft, ums Teilen, um Naturalientausch, um das Umdenken in die Richtung einer Gemeinwohlökonomie, um lokale Vernetzung und das gemeinsame Gestalten unserer Zukunft“, sagt sie. „Die Permakultur-Prinzipien zielen auf die Dauerhaftigkeit von natürlichen, lebendigen Systemen.“ Und dauerhaft seien nur jene Systeme, die flexibel und intelligent auf Veränderung reagieren können. So werde in der Permakultur darauf geschaut, Kreisläufe zu schließen und so den Ressourcenverbrauch, Energieverluste und Umweltverschmutzung zu verringern.

Lehmann bekommt 2018 in Portugal ersten Kontakt mit Permakultur

Jana Lehmanns Permakultur-Reise, über die sie auch auf ihrem Kanal „permaculturemind“ im sozialen Netzwerk Instagram berichtet, begann 2018. Sie wollte ihr Leben ändern, etwas Sinnvolles tun und Menschen und Natur helfen. Also kündigte sie Job und ihre Wohnung in Braunschweig, verkaufte fast ihren gesamten Besitz und reiste nach Portugal.

„Mir war schon in Braunschweig klar, dass ich in Permakultur die Zukunft sehe“, sagt sie. „In Portugal gibt es sehr viele Projekte, in denen man etwas über Permakultur lernen kann.“ Ihre erste Station: Monchique. Dort wurden Freiwillige gesucht, um eine Permakultur-Farm aufzubauen. Jeden Morgen ging es auf die Farm, zehn Stunden Arbeit waren keine Seltenheit. „Wir haben Bäume gepflanzt, ein Gewächshaus und ein Hühnerhaus gebaut und Gemüse angepflanzt. Ich bin dort an meine Grenzen gekommen“, erzählt Lehmann. Nach sechs Wochen zog es sie weiter in ein Yoga-Zentrum nach Monte da Orada. „Dort gab es einen Permakultur-Kurs, bei dem Menschen aus aller Welt zusammenkamen.“ Jana Lehmann war begeistert und meldete sich selbst für einen Kurs an.

Im Garten der Eltern wird das Erlernte umgesetzt

Im Sommer 2019 kam sie zurück nach Deutschland, kaufte sich einen Bus, um darin ortsunabhängig zu leben, und begann das Gelernte auf dem Grundstück ihrer Eltern umzusetzen. Sie baute einen Kompost und ein Gewächshaus, legte Beete und eine Kräuterschnecke an. „Das ist das Tolle an der Permakultur. Man kann im Prinzip überall damit anfangen“, sagt sie.

An der Permakultur-Akademie macht sie zurzeit eine Permakulturdesign-Weiterbildung. „Der Plan ist, mich damit selbstständig zu machen, selbst Kurse anzubieten oder Vorträge zu halten“, sagt sie.„Menschen wollen gern etwas verändern, aber denken, sie können das nicht. Mein Wunsch ist es, komplexe Dinge zu vereinfachen und Leuten zu zeigen, wie sie auch im Kleinen etwas verändern können. Im Grunde kann man an jedem kleinen Ort anfangen.“

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