Verdächtiger im Fall Maddie will auf Bewährung aus der Haft

Kiel/Braunschweigs/Leicester.  Der Mann hat einen Antrag gestellt, den Rest seiner Freiheitsstrafe in Kiel zur Bewährung auszusetzen. Das Landgericht Braunschweig soll entscheiden.

Blick auf die Justizvollzugsanstalt Kiel. Der Verdächtige im Fall des vor gut 13 Jahren verschwundenen britischen Mädchens "Maddie" verbüßt hier derzeit eine Haftstrafe.

Blick auf die Justizvollzugsanstalt Kiel. Der Verdächtige im Fall des vor gut 13 Jahren verschwundenen britischen Mädchens "Maddie" verbüßt hier derzeit eine Haftstrafe.

Foto: Carsten Rehder / dpa

Neue Erkenntnisse im Fall Maddie nähren die Hoffnung auf eine späte Klärung – sie führen aber auch zu Berichten, denen die Eltern des Mädchens entschieden widersprechen. Am Dienstag dementierten sie britische Medienberichte, wonach ihnen in einem Schreiben deutscher Ermittler der Tod ihrer Tochter als bewiesen dargestellt wurde. Dies sei falsch, teilten Kate und Gerry McCann am Dienstag auf ihrer Webseite mit.

Eltern widersprechen Berichten, dass die deutsche Polizei Beweise für Maddies Tod habe

„Wie viele andere unbewiesene Berichte in den Medien, hat das bei Freunden und Familie unnötige Besorgnis verursacht und unser Leben ein weiteres Mal durcheinandergebracht“, schrieben die Eltern in ihrem Statement.

Im Fall der seit mehr als 13 Jahren verschwundenen Maddie hatten deutsche Ermittler erneut Kontakt zu ihrer Familie in Großbritannien aufgenommen. „Wir haben den Eltern noch einmal geschrieben“, sagte Staatsanwalt Hans Christian Wolters in Braunschweig der Deutschen Presse-Agentur. Und weiter: „Die Staatsanwaltschaft hat sich zum Inhalt des Schreibens zu keinem Zeitpunkt geäußert und wird dies auch nicht tun.“

Staatsanwaltschaft hat vor „Aktenzeichen XY“-Sendung Brief an die McCanns geschrieben

Das damals dreijährige britische Mädchen, Madeleine McCann, verschwand am 3. Mai 2007 aus einer Apartmentanlage im portugiesischen Praia da Luz. Mehr als 13 Jahre später teilten das Bundeskriminalamt (BKA) und die Staatsanwaltschaft Braunschweig Anfang Juni überraschend mit, dass ein wegen anderer Delikte inhaftierter 43-jähriger Deutscher unter Mordverdacht stehe. Dazu hatte es in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ einen erneuten Zeugenaufruf gegeben.

Vor der Ausstrahlung habe sich die Staatsanwaltschaft Wolters zufolge auch schon an die Eltern gewandt, um sie über den Aufruf und die Mordermittlungen zu informieren. Diese Kontakte seien aber nicht direkt, sondern liefen über die britische Polizei, erläuterte er. „Soweit der vermeintliche Inhalt in verschiedenen Medien kursiert, stammen diese Informationen nicht von der Staatsanwaltschaft“, sagte Wolters. Die Ermittler in Deutschland sind überzeugt, dass das Kind tot ist. Die britische Polizei geht hingegen auch nach 13 Jahren weiter von einem Vermisstenfall aus. Bis heute ist Maddie verschwunden.

Der Gefangene, der im Fall Maddie als Hauptverdächtiger gilt, hat einen Antrag gestellt, den Rest einer Freiheitsstrafe für eine andere Tat zur Bewährung auszusetzen. Das Landgericht Kiel wies diesen Antrag jedoch nach Braunschweig zurück.

Wie das Landgericht Kiel am Dienstag mitteilte, hält sich die mit der Sache befasste Strafvollstreckungskammer für örtlich nicht zuständig, da sich am Landgericht Braunschweig schon mal mit der Frage befasst worden ist, die Strafe auszusetzen. Damals war der Mann noch in der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel inhaftiert.

Maddie-Verdächtiger hat in Kiel bereits zwei Drittel der Haftstrafe verbüßt

Der 43-Jährige ist mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft und sitzt zurzeit in Kiel eine Strafe ab, die 2011 das Amtsgericht Niebüll gegen ihn verhängte. Dabei ging es um den Handel mit Drogen. In Kiel endet die Haft wegen Drogendelikten im Frühjahr 2021. Der Mann hat bereits zwei Drittel dieser Strafe verbüßt.

Parallel ist gegen ihn wegen Vergewaltigungsvorwürfen eine Untersuchungshaft angeordnet. Zuletzt verurteilte ihn das Landgericht Braunschweig am 16. Dezember 2019 wegen schwerer Vergewaltigung unter Einbeziehung früherer Strafen zu sieben Jahren Haft. Er hatte 2005, rund eineinhalb Jahre vor dem Verschwinden Maddies, in Praia da Luz eine damals 72-jährige Amerikanerin vergewaltigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Revision liegt beim Bundesgerichtshof.

Alle Infos zu den Gerichtsprozessen in Braunschweig hier:

Als Maddie in Praia da Luz an der Algarve verschwand, war der Mann 30 Jahre alt. Er hielt sich zwischen 1995 und 2007 regelmäßig in der Region auf. Sowohl in Deutschland als auch Portugal wurde er mehrmals straffällig. Laut „Spiegel“ weist sein Strafregister 17 Einträge auf.

Fall Claudia Ruf: Polizei prüft Zusammenhang mit vermisster „Maddie“

Ermittler im Mordfall Claudia Ruf überprüfen zurzeit auch mögliche Verbindungen zum Verdächtigen im Fall Madeleine „Maddie“ McCann. Wie ein Sprecher der Bonner Polizei sagte, sei dies ein routinemäßiger Vorgang. Konkrete Hinweise gebe es nicht. Der WDR hatte zuvor berichtet.

Nachdem ein Mann aus Braunschweig als Mordverdächtiger im Fall „Maddie“ geführt wird, werden deutschlandweit mehrere ungelöste Verbrechen mit Kindern als Opfer von den jeweiligen Behörden auf mögliche Bezüge überprüft. Auch im Fall Claudia Ruf sei dies so, weil es sich beim Verdächtigen um einen offenbar überörtlich agierenden mutmaßlichen Täter handele, so die Polizei Bonn.

Die damals elfjährige Claudia Ruf war 1996 in ihrem Heimatort Hemmerden südwestlich von Düsseldorf entführt, sexuell missbraucht und umgebracht worden. Ihre Leiche wurde 70 Kilometer entfernt auf einem Feldweg in Euskirchen bei Bonn gefunden. Die Suche nach dem Mörder war kürzlich wieder aufgerollt worden. Bei einem Massengentest wurden 2400 Männer um eine Speichelprobe gebeten. Sie werden zurzeit noch ausgewertet. dpa

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