Borkenkäfer frisst Gewinn der Landesforsten

Braunschweig.  Die Schäden in Folge des Klimawandels sind enorm. Das Unternehmen verbucht ein Minus von 5,9 Millionen.

Ein „Käferloch“ am Hang dieses Bergs im Harz zeigt den Schaden, den der Borkenkäfer verursacht. Die braun gefärbten Fichten sind ebenfalls befallen. Die Landesforsten griffen im Frühjahr auf Pestizide als „Ultima Ratio“ zur Bekämpfung zurück.

Ein „Käferloch“ am Hang dieses Bergs im Harz zeigt den Schaden, den der Borkenkäfer verursacht. Die braun gefärbten Fichten sind ebenfalls befallen. Die Landesforsten griffen im Frühjahr auf Pestizide als „Ultima Ratio“ zur Bekämpfung zurück.

Foto: Niedersächsische Landesforsten / Privat

Die extremen Wetterereignisse des vergangenen Jahres haben bei den Niedersächsischen Landesforsten (NFL) massiv zu Buche geschlagen. Der Gewinn aus dem Forstwirtschaftsbetrieb brach von 5,6 Millionen Euro im Vorjahr auf ein Minus von 5,9 Millionen Euro in 2018 ein , wie sie am Mittwoch mitteilten. Das Defizit werde unter anderem aus Rücklagen ausgeglichen.

Erstmals seit 2007 schütten die Landesforsten keine Dividende an das Land aus. Wegen der durch Stürme und Schädlingsbefall großen geernteten Holzmenge stieg der Umsatz zwar um 13 Prozent auf 145,7 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Doch um der Lage Herr zu werden, entwickelten sich auch die Aufwendungen für Personal und Material nach oben: um 28 Prozent auf 193,4 Millionen Euro. Die Forstwirtschaft ist der größte Geschäftsbereich der Landesforsten. Daneben übernimmt das öffentliche Unternehmen Dienstleistungsaufgaben für das Land in den Bereichen Naturschutz, Umweltbildung und Ausbildung.

Dem Wald setzten 2018 gleich mehrere Wetterphänomene zu , wie Landesforsten-Präsident Klaus Merker ausführte. Zunächst wirkte sich Starkregen im zweiten Halbjahr 2017 noch negativ auf die Bodenbeschaffenheit aus. Die extremen Niederschläge führten zur Aufweichung des Bodens. Beim Orkan Friederike im Januar 2018 hafteten deshalb Baumwurzeln kaum noch im Boden. Die Schäden waren laut Landesforsten „verheerend“ – 1,45 Millionen Kubikmeter Sturmholz mussten aufgearbeitet werden.

Landesforsten fällten 800.000 Bäume

Von Frühjahr bis Herbst habe dann ungewöhnliche Wärme und Trockenheit den Wäldern in Niedersachsen zugesetzt . Denn sie leistete dem Borkenkäfer Vorschub. 800.000 Kubikmeter Holz – das entspricht rund 800.000 Bäumen – ernteten die Landesforsten nach eigenen Angaben bis Jahresende, um eine weitere Ausbreitung des Borkenkäfers zu verhindern.

Die Aufarbeitung der Orkanschäden sowie der Kampf gegen den Käfer sei 2018 ein finanzieller und personeller Kraftakt gewesen, so Merker. Mitarbeiter aus dem weniger betroffenen Norden des Landes seien in die Hauptschadensgebiete im Süden Niedersachsens zur Unterstützung abgeordnet worden. Mit 77 neuen Mitarbeitern wurden die Landesforsten nach eigenen Angaben zudem verjüngt. Insgesamt verfügen sie über rund 1280 Vollzeitstellen, elf mehr als im Vorjahr.

Der Schadholzanfall in ganz Mitteleuropa hat laut NLF zu erheblichen Preisrückgängen auf dem Holzmarkt , vor allem beim Nadelholz, geführt. Die entgangenen Einnahmen fehlten den Landesforsten nun zur Wiederaufforstung, erklärte Präsident Merker. Die Investitionen schätzt das Unternehmen auf 25 bis 30 Millionen Euro. Dabei setzen die Landesforsten auf „klimastabile“ Mischwälder. „Wir haben zwar Rücklagen für genau diesen Zweck aufgebaut. Aber was wir im Moment erleben, das übersteigt unsere finanziellen Möglichkeiten“, so Merker. Die NLF wollen mit dem Land über eine finanzielle Unterstützung reden.

Im laufenden Wirtschaftsjahr halten die Folgen der Dürre 2018 laut Landesforsten an. Sämtliche Baumarten zeigten Symptome von Trockenstress: Blätter verfärbten sich frühzeitig, Nadeln würden abgeworfen und Bäume anfällig für Schadorganismen wie Insekten und Pilze. „Die Bäume stehen weiter im Trockenen“, sagte Merker. Der zurückliegende Winter kam mit seinen Witterungsbedingungen außerdem erneut dem Borkenkäfer zupass. Er hat sich bereits im Frühjahr dieses Jahres erneut ausgebreitet.

Pestizid-Einsatz gegen Borkenkäfer im Frühjahr 2019

Wie Merker erläuterte, setzen die Landesforsten auf eine sogenannte saubere Waldbewirtschaftung. Das bedeutet, dass sie befallene Bäume fällen und „aus dem Wald schaffen“. Als „Ultima Ratio“ hatten die Landesforsten im Frühjahr dieses Jahres allerdings Pestizide eingesetzt . „Das ist der einzige Zeitpunkt im Jahr, an dem wir etwas tun können“, sagte Merker. Die Borkenkäfer beenden bei länger anhaltenden Temperaturen um 17 Grad Celsius ihren Winterschlaf und schwärmen aus. Kleine Netzzelte mit Duftstoffen präpariert locken sie an. Dort wurden Pestizide aufgebracht, so dass sich die Population der Borkenkäfer laut Landesforsten reduzierte.

Die NLF setzen nun nach eigenen Angaben weiterhin kurz- und mittelfristig auf eine Stabilisierung der Wälder und die Bekämpfung des Borkenkäfers. „Das ist unser Schwerpunkt, nicht der Gewinn“, sagte Merker. Für 2019 hat das NLF für die eigenen Mitarbeiter bereits Überstunden angesetzt.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (11)