Atommüll-Lager Asse verschlang bereits 1,5 Milliarden Euro

Braunschweig.  Laut Betreiber BGE ist immer noch nicht abzusehen, wie viel die Bergung der 126.000 Fässer mit Atommüll aus der Asse kostet.

Eine Besuchergruppe im maroden alten Bergwerk Asse bei Wolfenbüttel.

Eine Besuchergruppe im maroden alten Bergwerk Asse bei Wolfenbüttel.

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Seit dem Frühjahr 2009 steht die Asse bei Wolfenbüttel unter Atomrecht. Doch auch zehn Jahre nach Einführung der verschärften Sicherheitsauflagen ist das finanzielle Ausmaß des Asse-Desasters immer noch nicht bezifferbar. Eine Sprecherin des Betreibers, der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), sagte: „Eine seriöse Kostenschätzung ist derzeit noch nicht möglich.“

1967 wurde in der Asse im Auftrag des Bundes damit begonnen, Atommüll einzulagern. Bis Ende 2018 kostete das Atommüll-Lager den Steuerzahler bereits 1,5 Milliarden Euro. Das sagte die Sprecherin auf Anfrage. Diese Summe dürfte sich um ein Mehrfaches erhöhen, bis das letzte der 126.000 Fässer mit Atommüll geborgen ist.

Alleine seit 2009 gab der Bundestag eine Milliarde für die Asse frei. 500 BGE-Mitarbeiter kümmern sich um die Stabilisierung und um die Notfallvorsorge im maroden alten Bergwerk und bereiten die Rückholung vor. Unterstützt werden sie von einer Vielzahl von Fremdfirmen.

Der Bundestagsabgeordnete Victor Perli (Linke) wollte von der Bundesregierung wissen, wofür die Milliarde seit 2009 eingesetzt wurde. Die Antwort von Rita Schwarze-lühr-Sutter, Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, liegt unserer Zeitung vor. Sie fällt ernüchternd aus. Demnach haben sich die Personalkosten verdreifacht. Und für die Vorbereitung der Rückholung gab der Bund seit 2009 etwa 123 Millionen Euro aus. Die jährlichen Ausgaben sind seit 2013 aber rückläufig. Mit 11 Millionen Euro fielen sie im vergangenen Jahr auf dem tiefsten Stand seit 2011.

Für die Stabilisierung des Bergwerks zahlte der Bund seit 2009 rund 174 Millionen Euro. Auch diese Ausgaben sind seit 2016 deutlich rückläufig.

Für Perli belegen diese Zahlen den Eindruck vieler Bürger in unserer Region, dass die Fortschritte bei der Asse ins Stocken geraten sind. Der Bundestagsabgeordnete kritisiert die BGE: „Bis heute gibt es keine Rückholungsplanung und keine Bergetechnik.“

Die BGE weist das zurück. Die Sprecherin sagt: „Viele der geplanten Stabilisierungsmaßnahmen sind erfolgreich umgesetzt worden.“ Dazu zähle ein großer Teil der Firstspaltverfüllung, welche der Stabilisierung der Südflanke der Asse diene. Die noch ausstehenden Maßnahmen seien komplexer und zum Teil kleinteiliger, weshalb für sie mehr Zeit benötigt werde. „Die sinkenden Material- und Fremdleistungs-Ausgaben sind insofern Ausdruck der bereits erfolgreich umgesetzten Stabilisierungsmaßnahme in diesem Bereich.“ Die BGE hatte bereits angekündigt, Ende 2019 eine Gesamtplanung für die Bergung vorzulegen.

Bis heute gibt es für die Assekeine Rückholungsplanung und keine Bergetechnik.
Victor Perli (Die Linke)

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