Betriebsrat befürchtet Stillstand im Paläon

Braunschweig.   Die Mitarbeiter und Verdi vermissen ein pädagogisches und finanzielles Konzept für den künftigen Betrieb des Schöninger Speere-Museums.

Nicht nur die Qualität des Schöninger Forschungs- und Erlebniszentrums Paläon als herausragender Außerschulischer Lernort sehen Mitarbeiter wie Gewerkschaft in Gefahr.

Nicht nur die Qualität des Schöninger Forschungs- und Erlebniszentrums Paläon als herausragender Außerschulischer Lernort sehen Mitarbeiter wie Gewerkschaft in Gefahr.

Foto: Melanie Specht

Der Betriebsrat des Paläon fürchtet, dass das Schöninger Forschungs- und Erlebniszentrum, in dem die ältesten Jagdwaffen der Menschheitsgeschichte präsentiert werden, mit der Übernahme der Regie durch das Land Niedersachsen kaputtgeschrumpft wird.

Die Auflösung der bisher geschäftsführenden Paläon GmbH ist zum 30. Juni dieses Jahres geplant. Dann soll der Betrieb in der Verantwortung des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege (NLD) weitergeführt werden.

„Bis heute wurde uns kein pädagogisches und finanzielles Konzept für den künftigen Betrieb vorgestellt“, beklagt Betriebsratsvorsitzende Jennifer Winter.

Die 34 Mitarbeiter fühlen sich von den Verantwortlichen, die seit Monaten hinter verschlossenen Türen um ein tragfähiges Zukunftskonzept ringen, hingehalten und im Stich gelassen, sehen zudem den Fortbestand des Museums als Außerschulischer Lernort bedroht. „Bisher wurden vom NLD lediglich fünf Stellen ausgeschrieben. Gerade einmal drei davon passen von den Anforderungen her auf die bislang im Paläon beschäftigten Mitarbeiter“, verdeutlicht Jana Hugler, Paläon-Bereichsleiterin Bildung und Vermittlung.

Das NLD plant, künftig Aufgaben wie Kassenbetreuung, Aufsicht, Führungen und Wissensvermittlung an bisher nicht näher definierte externe Dienstleister zu vergeben. Die bewährten Strukturen zu zerschlagen, so machten Winter und Hugler am Dienstag in einem Pressegespräch mit Vertretern der Gewerkschaft Verdi in Braunschweig deutlich, gefährde vor allem das Außerschulische Lernen als erfolgreiches Aushängeschild des Paläon.

„Unsere speziell geschulten Wissensvermittler haben das Paläon in den vergangenen Jahren mit großem Erfolg zum einem landesweit beachteten und mit seiner direkten Nähe zur Fundstelle der Schöninger Speere einzigartigen Außerschulischen Lernort gemacht“, sagt Winter. Wer die zum 1. Juli bereits gebuchten fünf Schulklassen durch die Speere-Ausstellung führen und ihnen „das äußerst sperrige Thema Altsteinzeit“ spannend und nachvollziehbar nahebringen soll, so Hugler, sei zum jetzigen Zeitpunkt völlig ungeklärt. Ob der bisher fehlenden Konzepte fürchten die Paläon-Mitarbeiter, dass Umfang und Qualität des Bildungssektors wie auch der Gästebetreuung massiv gesenkt werden könnten. Verdi-Fachbereichssekretär Dr. Frank Ahrens formuliert es noch drastischer: „Es droht eine vollkommene Stilllegung des Bildungsbereiches.“ Das würde sich auch spürbar negativ auf die Besucherzahlen auswirken.

Gerade für den Landkreis Helmstedt und die Stadt Schöningen wäre dies fatal. Ist doch das Paläon ein wesentlicher Baustein im Wirtschafts- und Tourismuskonzept dieser Region, die sich nach dem Kohleausstieg auf den Weg eines Strukturwandels begeben hat. Bei allen Maßnahmen, die die Attraktivität des Paläons schmälern, „spart das Land Niedersachsen an der falschen Stelle“, warnt Ahrens. „Es konzentriert sich ohnehin viel auf die Großzentren Braunschweig und Wolfsburg, der ländliche Raum würde dann wieder auf der Strecke bleiben.“

Das Ministerium für Wissenschaft und Kultur erklärte dazu am Montag schriftlich auf Anfrage unserer Zeitung, es sei aktuell in konstruktiven Gesprächen mit der Paläon GmbH hinsichtlich der künftigen Zusammenarbeit von Erlebnisbereich und Forschungsmuseum: „Ziel ist, dass Forschungsmuseum und Paläon GmbH gemeinsam und abgestimmt dazu beitragen, das Museum mit Leben zu füllen.“ Seitens des Kultusministeriums hieß es zum Thema Außerschulischer Lernort: „Es gibt derzeit keine Bestrebungen, etwas zu ändern.“

Wer ein lebendiges Museum wolle, so argumentieren die Mitarbeiter gemeinsam mit Verdi, werde es nicht durch drastische Kürzungen bekommen. Sie appellieren deshalb an die Landesregierung, eine ausreichende finanzielle und personelle Ausstattung für den Museumsbetrieb sicherzustellen und das Paläon als Außerschulischen Lernort sowie als Ort der Begegnung im Landkreis Helmstedt zu erhalten.

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