Trump gegen Biden: Was man über die US-Wahl 2020 wissen muss

Berlin/Washington.  US-Wahl 2020: In wenigen Monaten werden die Amerikaner ihren Präsidenten wählen. Bleibt Trump? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Trump nennt US-Demokraten "krank"

Die US-Demokraten lieben laut Donald Trump die USA nicht, sie seien "krank", sagte Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in Texas.

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US-Wahl 2020 – Das Wichtigste in Kürze

  • Die Amerikaner wählen im November den nächsten Präsidenten
  • Trump hat erstmals eine Verschiebung des Wahl-Termins ins Spiel gebracht
  • Republikaner Donald Trump hofft auf eine weitere Amtszeit
  • Ex-Vizepräsident Joe Biden wird Trump herausfordern: Der Demokrat war acht Jahre Barack Obamas Vize
  • Die Corona-Pandemie verhindert traditionelle Parteitage: Trump sagte nun auch die Großveranstaltung Ende August in Jacksonville/Florida ab
  • In landesweiten Umfragen liegt Biden zurzeit vor Trump

Die USA sind in Aufruhr: Die Corona-Pandemie breitet sich immer weiter aus und hat allein in Amerika mehr als 150.000 Tote gefordert, viele Millionen Menschen haben ihren Job verloren, das Land erlebt einen historischen Konjunktureinbruch. Nach wochenlangen Protesten gegen tödliche Polizeigewalt gegen Afroamerikaner, Monaten in der Corona-Krise und nach dreieinhalb Jahren mit Donald Trump als Präsident ist nicht zu übersehen: Das Land ist zutiefst gespalten.

In wenigen Monaten stehen Wahlen an: Die US-Wahl 2020 wird entscheiden, ob Donald Trump vier weitere Jahre im Amt bleibt – oder ob sein demokratischer Herausforderer Joe Biden ins Weiße Haus einzieht. US-Wahl in der Corona-Pandemie – wir klären die wichtigsten Fragen.

US-Wahl 2020: Wann sind die US-Präsidentenwahlen?

Am Dienstag, 3. November 2020, soll der nächste Präsident der Vereinigten Staaten gewählt werden. Wahltag ist nach alter Tradition der Dienstag nach dem ersten Montag im November.

Am Donnerstag brachte Donald Trump eine Verschiebung der US-Wahl 2020 ins Gespräch. Lesen Sie hier, was dahinter stecken könnte.

Wie oft wird in Amerika der Präsident gewählt?

Der US-Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt. Ein Präsident darf nicht mehr als zwei Amtszeiten absolvieren.

US-Präsidentschaftswahlen: Wer sind die Kandidaten?

Offiziell steht das noch gar nicht fest: Erst auf den den Parteitagen der Demokraten und Republikaner im Wahljahr wird festgelegt, welchen Kandidaten die Parteien ins Rennen schicken. Faktisch ist es aber klar: US-Präsident und Republikaner Donald Trump bewirbt sich um eine zweite Amtszeit, der frühere Vizepräsident und Demokrat Joe Biden will Donald Trump am Wahltag im November schlagen. Lesen Sie hier: US-Präsident Donald Trump ändert plötzlich seine Strategie

Joe Biden könnte der älteste US-Präsident aller Zeiten werden
Joe Biden könnte der älteste US-Präsident aller Zeiten werden

Bernie Sanders, Bidens letzter Gegner in den Vorwahlen der Demokraten, hatte Anfang April erklärt, aus dem Rennen auszusteigen. Sein Name werde allerdings in den verbleibenden Vorwahlen auf den Stimmzetteln stehen bleiben; mit den Stimmen, die er noch bekommt, erhofft sich Sanders für den linken Flügel der Demokraten einen größeren Einfluss auf das Wahlprogramm.

Lesen Sie hier: Wie Trumps Herausforderer Joe Biden mit der Krise umgeht

US-Wahl 2020: Wer kandidiert als Vizepräsident?

Auch das steht noch nicht offiziell fest. Donald Trump hat zwar in einem Interview gesagt, dass er wieder mit dem amtierenden Vizepräsidenten Mike Pence antreten wolle – aber auch das entscheiden die Republikaner endgültig erst bei ihrem Parteitag.

Joe Biden hat bereits erklärt, dass er mit einer Frau als möglicher Vizepräsidentin kandidieren wolle. Im Gespräch sind unter anderen die demokratischen Senatorinnen Kamala Harris (Kalifornien) und Elizabeth Warren (Massachusetts), die in den Vorwahlen der Demokraten zunächst angetreten waren und sich dann wegen mangelnder Erfolgsaussichten zurückgezogen hatten.

US-Präsidentschaftswahlen 2020: Wann sind die Nominierungsparteitage?

Nicht nur der Präsidentschaftskandidat, auch die Kandidaten und Kandidatinnen für das Amt des Vizepräsidenten werden auf den Parteitagen nominiert.

Die Demokraten haben wegen der Coronavirus-Krise nicht nur viele Vorwahlen verschoben, sondern auch ihren Nominierungsparteitag. Nachdem die „Democratic National Convention“ zunächst vom 13. bis 16 Juli in Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin geplant war, soll der Parteitag nun vom 17. bis 20. August stattfinden. Noch ist nicht klar, ob er – aus Gründen des Gesundheitsschutzes der Teilnehmer – nur im Internet stattfinden wird.

Die Republikaner planen ihre „National Convention“ für den 24. bis 27. August 2020. Zunächst wollten sie sich die Partei in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina treffen. Doch weil der Staat die Abstandsregeln inmitten der Pandemie für die Republikaner nicht lockern wollte, wurde der Parteitag der „Grand Old Party“ (GOP) nach Jacksonville verlegt, wo Trump-Freund Ron DeSantis Gouverneur ist.

Allerdings stieg die Zahl der Coronavirus-Infektionen im Juli in Florida so rasant an, dass der Präsident – ein Freund ihm zujubelnder Massen – sich gezwungen sah, die Großveranstaltung abzusagen. Seine formelle Nominierung zum Kandidaten für die Wahl am 3. November soll nun doch wieder in kleinerem Rahmen in Charlotte in North Carolina erfolgen. Die Details sind noch offen.

Trump gegen Biden: Was sagen die Umfragen?

Angesichts schlechter Umfragewerte vor der Präsidentschaftswahl tauschte Präsident Trump Mitte Juni seinen seinen Wahlkampfmanager aus. Künftig werde Bill Stepien seinen Wahlkampf leiten, teilte Trump auf Twitter mit.

Bidens Vorsprung lag zu dem Zeitpunkt bei neun Prozentpunkten landesweit im Durchschnitt der Umfragen, eine Umfrage der Quinnipiac Universität sah ihn sogar mit einem Vorsprung von 15 Prozentpunkten. Eine Umfrage der Monmouth-Universität in Pennsylvania bestätigte zwar Bidens Führung, warnte allerdings zugleich, viele Menschen gingen davon aus, dass es in ihren Gemeinden „geheime Trump-Wähler“ gebe.

Der Sender CNN veröffentlichte zuletzt eine Umfrage, wonach Trump in drei umkämpften Bundesstaaten hinter Biden liegt: Florida, Arizona und Michigan. Alle drei Bundesstaaten hatte Trump 2016 gewonnen.

US-Wahl 2020: Wer ist wahlberechtigt?

Im Prinzip sind alle amerikanischen Staatsbürger und Staatsbürgerinnen ab 18 wahlberechtigt. Bewohner von Außengebieten (etwa Puerto Rico) dürfen allerdings nicht wählen. Nicht wahlberechtigt sind auch illegale Einwanderer und Menschen, denen wegen einer Verurteilung das Recht aberkannt wurde.

Anders als in Deutschland kann in den USA aber nicht einfach jeder Wahlberechtigte mit dem Ausweis zum nächsten Wahlbüro gehen. Es gibt Wahlverzeichnisse, bei denen die Eintragung in einigen Bundesstaaten überraschend schwer ist. Beispielsweise ist teils eine Geburtsurkunde nötig – besonders einige ältere Schwarze in den Südstaaten haben kein solches Dokument. Wahlrechtsaktivisten erheben immer wieder den Vorwurf, dass damit die Wahl beeinflusst werden soll; Afro-Amerikaner wählen in der Mehrheit Kandidaten der Demokraten.

Briefwahl bei der USA-Wahl 2020: Warum ist das ein Problem?

Immer häufiger äußern sich Präsident Trump und sein Justizminister William Barr abfällig über Briefwahl – inmitten der Corona-Pandemie für viele ältere und vor allem vorerkrankte Wählerinnen und Wähler die bevorzugte Art, ihre Stimme abzugeben.

Seit Monaten behauptet Trump – ohne Belege –, dass durch Briefwahl einem Wahlbetrug Tür und Tor geöffnet werde. Führende Demokraten hatten spekuliert, dass sich das Präsidentenlager mit seinen Behauptungen auf eine mögliche Wahlniederlage Trumps im November vorbereiten will. Mit dem Verweis auf angeblichen Wahlbetrug könnte ein Sieg des demokratischen Trump-Rivalen Joe Biden vom jetzigen Präsidenten in Zweifel gezogen werden, befürchten sie. Lesen Sie auch: Joe Biden – „Trump wird versuchen, die Wahl zu stehlen“

Wird der US-Präsident direkt gewählt?

Nein, der US-Präsident wird vom „Electoral College“ gewählt, den von den Bundesstaaten abgestellten Wahlmännern und -frauen. Jeder Bundesstaat stellt – grob in Relation zur Bevölkerungsdichte – eine gewisse Anzahl der 538 Wahlleute. Präsident wird, wer mindestens 270 Stimmen der Wahlleute bekommt.

Weil fast alle Bundesstaaten die Wahlleute nicht nach dem Stimmenverhältnis, sondern nach dem Prinzip „the winner takes all“ vergeben – wer die meisten Wählerstimmen bekommt, bekommt alle Stimmen der Wahlleute des Staates – kann es passieren, dass der Kandidat zum Präsidenten gewählt wird, der tatsächlich weniger Wählerstimmen bekommen hat.

Das war 2016 der Fall, als die Demokratin Hillary Clinton zwar knapp drei Millionen Wählerstimmen mehr als Donald Trump bekam, aber nur 227 Stimmen von Wahlmännern und Wahlfrauen. Schon 2001 war der Demokrat und frühere Vizepräsident Al Gore dem Republikaner George W. Bush unterlegen, obwohl rund eine halbe Million Wähler mehr für ihn gestimmt hatten. Lesen Sie hier: Wird Trump eine Wahlniederlage akzeptieren? Der Präsident sät Zweifel

Wie lange ist Donald Trump Präsident?

Donald Trump ist mindestens bis zum 19. Januar 2021 Präsident der Vereinigten Staaten. Am Mittwoch, 20. Januar 2021, wird der nächste US-Präsident vereidigt; er könnte wieder Donald Trump heißen.

Wer wird noch gewählt?

Nicht nur der US-Präsident wird am 3. November 2020 neu gewählt, auch viele Mitglieder des US-Kongresses stehen zur Wahl. Im Senat ist es ein Drittel der 100 Senatoren. Senatorinnen und Senatoren werden für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt; alle zwei Jahre steht ein Drittel der Sitze zur Wahl. Zurzeit haben die Republikaner eine Mehrheit im Senat.

In der zweiten Kammer des Kongresses, dem Repräsentantenhaus, stehen alle 435 Abgeordneten zur Wahl. Ihre Amtszeit dauert nur zwei Jahre. Zuletzt waren sie bei den Zwischenwahlen („midterms“) 2018 gewählt worden; zwei Jahre nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten hatten die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus errungen. (moi/dpa)

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