Rentenversicherung

Rente: Trotz jahrzehntelanger Arbeit von Armut bedroht

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So sparen Rentner bei der Steuer

So sparen Rentner bei der Steuer

Seit 2005 müssen Rentner Teile Ihrer Rente versteuern. Doch Sie können viele Kosten angeben, um die versteuerbaren Einkünfte zu verringern und so am Ende Steuern zu sparen. Die Tipps im Video

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Berlin.  Sie arbeiten ihr Leben lang und sind trotzdem von Altersarmut bedroht. Für Millionen Beschäftigte in Deutschland wird die Rente knapp.

Die Rentendebatten in Deutschland drehen sich seit Jahren um einen wesentlichen Punkt: Wie kann verhindert werden, dass Menschen jahrelang arbeiten und Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, aber im Alter trotzdem nicht viel mehr zum Leben haben als jemand, der nicht gearbeitet hat und Sozialhilfe bekommt.

Nach jahrelangen Debatten hat die Politik daher die Grundrente beschlossen. Sie gilt seit Jahresbeginn und regelt, dass langjährig Versicherte mit geringen Renten einen Aufschlag auf ihre Altersbezüge bekommen. Die Überlegung dahinter lautet: Wer lange berufstätig war, soll später besser dastehen. Lesen Sie hier: Trickbetrug bei der Grundrente – Kritik an der Regierung

Rente: Millionen Beschäftigte könnten von Armut betroffen sein

Doch besser bedeutet nicht zwangsläufig gut. Denn es gibt auch Millionen Beschäftigte, die zwar einigermaßen verdienen und daher wohl keinen Anspruch auf Grundrente haben werden, aber dennoch im Alter auf ein Armutsrisiko zusteuern. Das zeigen neue Zahlen der Bundesregierung, welche die Linkspartei im Bundestag abgefragt hat.

Demnach gab es im Jahr 2019 rund 6,3 Millionen Vollzeitarbeitnehmer, die im Alter mit einer Rente unterhalb von 1200 Euro brutto rechnen müssen. Das geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage von Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch hervor. Auch interessant: Hartz 4 & Rente: Corona-Zuschuss für Geringverdiener?

Nach Abzug von Sozialversicherungsbeiträgen für Kranken- und Pflegekasse kommen diese Vollzeitkräfte künftig auf eine Nettorente von unter 1100 Euro im Monat und liegen damit im Armutsrisikobereich. Statistisch gesehen ist damit beinahe jeder dritte Vollzeitbeschäftigte betroffen.

Linke: Systemrelevante Gruppen haben kleine Renten zu erwarten

Um im Alter überhaupt auf eine Bruttorente von 1200 Euro zu kommen, ist über ein Arbeitsleben von 45 Jahre ein Bruttolohn von 2650 Euro notwendig. Teilzeitkräfte und Menschen, die zwischendurch arbeitslos wurden, sind in diesen Zahlen nicht enthalten.

Viele aus dieser Gruppe sind zudem Geringverdiener und rutschen im Alter in die Grundsicherung. Wer dagegen etwas besser verdient hat und eine Rente zwischen 900 und 1200 Euro brutto bekommt, liegt über Grundsicherungsniveau. Er profitiert dann auch nicht von der neuen Grundrente. Lesen Sie auch: Hartz 4, Rente, Kindergeld und mehr: Diese Änderungen gibt es 2021

Aus Sicht der Linken zeigt dies, dass nicht nur viele Löhne zu gering sind, sondern dass man auch für ein komplettes Arbeitsleben mit einem halbwegs mittleren Gehalt zu wenig Rente herausbekommt. Besonders Berufsgruppen, die in der aktuellen Corona-Pandemie als systemrelevant bezeichnet werden, haben demzufolge kleine Renten zu erwarten.

Viele Berufsgruppen sind von Altersarmut betroffen

Zum Beispiel verdiene fast jede zweite Altenpflegerin in Vollzeit zu wenig, um im Monat über die Marke von mehr als 2650 Euro brutto zu kommen. Somit zeige sich, dass die Rente nicht nur für Beschäftigte in den unteren Lohngruppen ein massives Problem darstelle, sondern auch für die Mitte.

In der Antwort der Regierung werden etliche weitere Berufsgruppen genannt, die den Schwellenwert für eine Rente von 1200 Euro nicht erreichen. Aufgeführt sind Beschäftigte im Kranken-, Gesundheits- und Rettungsdienst, bei Post- und Kurierdiensten sowie Hebammen und Verkäufer. Es sind viele aus jenen Berufsgruppen, die in der Pandemie als „Corona-Helden“ gefeiert wurden.

Lesen Sie hier: Gerichtsurteil verzögert: Zahlen Rentner zu viele Steuern?

Fraktionschef Bartsch sagte unserer Redaktion, Leistung lohne sich für viele Beschäftigte nicht, „die trotz Vollzeitjob in Altersarmut rutschen könnten“. Er betonte: „Die Löhne sind vielfach zu gering, und für das, was man verdient, bekommt man zu wenig Rente.“ Es könne nicht sein, dass bei 45 Arbeitsjahren mit mittlerem Gehalt eine Rente unterhalb von 1100 Euro netto steht, „das ist das Gegenteil von Anerkennung der Lebensleistung“.

„Auf Deutschland rollt eine Lawine von Altersarmut zu“

Dass es 6,3 Millionen Vollzeitjobber betreffe, sei erschreckend. Notwendig seien höhere Löhne und eine neue Rentenpolitik, die die politischen Fehler der vergangenen beiden Jahrzehnte behebt. „Dabei muss das Rentenniveau wieder auf das Niveau wie zu Zeiten Helmut Kohls angehoben werden“, forderte Bartsch. Lesen Sie auch: Rente: Grundrente sorgt für Probleme - Auszahlung erst 2022?

Seine Prognose für die Zukunft fällt hingegen düster aus: „Auf Deutschland rollt eine Lawine von Altersarmut zu.“ Bartsch stützt seine Einschätzung auch auf die anhaltende Entwicklung im unteren Lohnbereich. Denn weitere knapp drei Millionen Vollzeitbeschäftigte in Deutschland verdienten 2019 im Monat sogar weniger als 2050 Euro brutto. Ihnen stehe damit in Zukunft lediglich eine Rente auf Grundsicherungsniveau bevor.

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Und auch hier sind erneut Berufsgruppen betroffen, die gerade in der Pandemie das öffentliche Leben am Laufen halten. Mit am stärksten sind dies Beschäftigte in den Branchen Verkehr und Logistik, Einzelhandel und Baugewerbe. Die Grundrente bewirke für diese Gruppe zwar einen monatlichen Aufschlag. Doch im Schnitt betrage dieser nur rund 80 Euro.

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