Steigende Infektionszahlen: Das Virus darf nicht siegen

Berlin.  Ist das die zweite Welle? Der aktuelle Anstieg der Corona-Infektionszahlen zeigt: Es fehlt zurzeit vor allem an Geduld und Disziplin.

Weltweite Corona-Lage verschärft sich - Virologen alarmiert

Die Corona-Infektionsfälle steigen weltweit. Auch in Deutschland nehmen die Infektionszahlen zu. Zuletzt verzeichnete das Robert-Koch-Institut mehr als 600 neue Fälle an einem Tag.

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Die Läden und Einkaufszentren sind geöffnet, Urlaub ist möglich, und auch zur Schule mussten die Kinder wieder. War da was? Ja, all diese Lockerungen waren trotz einer gefährlichen weltweiten Pandemie möglich. Weil politische Verantwortliche in Deutschland umsichtig gehandelt haben und die Bevölkerung sehr vernünftig auch drastische Einschränkungen in Kauf nahm. Jetzt sieht es so aus, als könnten alle Erfolge verspielt werden.

Der drastische Anstieg der Infektionszahlen auch in Deutschland abseits konkreter Hotspots ist ein Beweis dafür, dass wir alle müde geworden sind mit unserer Vernunft. Und dass auch die Politik zumindest nachgelassen hat, vorausschauend zu handeln.

Coronavirus als übles Souvenir im Gepäck

Anders ist die hektische Einführung von Pflichttests für die Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten nicht zu erklären. Auf diese Idee hätte man schon kommen können, bevor die erste Rückreisewelle nach Deutschland gerollt ist. Jetzt hatten viele das Virus als übles Souvenir im Gepäck – mit unabsehbaren Folgen.

Die europaweit steigenden Zahlen werfen auch kein gutes Licht auf eine koordinierte Corona-Bekämpfung in der Europäischen Union. Es reicht natürlich nicht, wenn nur einzelne Länder wie jetzt Deutschland seine Urlauber aus Risikogebieten Pflichttests unterziehen. Wenn an den Bahnhöfen von Berlin und Essen getestet wird, dann muss das auch in Paris und Marseille geschehen.

Für ein Virus, das innerhalb weniger Wochen aus dem chinesischen Wuhan zu uns kam, sind Europas offene Grenzen kein Hindernis.

Ignoranz und arrogante Rücksichtslosigkeit

Angesichts der Zahlen muss auch endlich Schluss sein mit der arroganten Rücksichtslosigkeit der Partyjugend oder der Ignoranz von Maskenmuffeln. Ja, es ist schmerzhaft, aufs Feiern zu verzichten. Ja, es gibt Angenehmeres als Shoppen mit Atemschutz. Aber diese Erschwernisse sind auszuhalten und müssen ausgehalten werden. Lesen Sie auch: Corona-Testpflicht für Reisende: Das muss man jetzt wissen

Denn eine zweite Welle, ausgelöst durch schiere Unvernunft, fordert neue Todesopfer und macht die kleinen Freiheiten, die wir seit dem Frühjahr genießen dürfen, erneut zunichte. Dann müssten alle für die Dummheit Einzelner teuer bezahlen. Man muss kein Virologe sein, um festzustellen: Vom Superidioten zum Superspreader ist es nur ein ganz kurzer Weg.

RKI in "großer Sorge" wegen Corona-Lage
RKI in großer Sorge wegen Corona-Lage

Schniefnasen in Bussen, Büros und Wohnzimmern

Deutschland und Europa müssen zur Pandemiebekämpfung die Sommerzeit entschlossen nutzen, wo es bei angenehmen Außentemperaturen leichter ist, dem Virus zu entgehen. Spätestens kommenden Herbst/Winter werden wir alle mit Schniefnasen wieder in Bussen, Büros und Wohnzimmern eng beisammen sitzen und dem Coronavirus die zweite Chance zur pandemischen Verbreitung geben.

Bis dahin müssen alle die bekannten Hygieneregeln wieder strenger einhalten. Und es darf kein verwirrendes, hektisches Hin und Her bei den Empfehlungen und Verordnungen geben. Die einfache AHA-Regel – Abstand halten, Hygiene, Atemschutz – muss in Fleisch und Blut übergehen. Denn eines ist gelernt: Das Virus findet jede angelehnte Einfallstür, egal ob zu Hause, am Flughafen, bei Gurkenbauern oder im Schlachthofbetrieb. Lesen Sie auch: Corona-Patient Nummer eins: Die Antikörper sind weg

Die Corona-Disziplin, die es noch über Monate braucht, ist lästig. Aber sie ist ohne Alternative. Das Virus darf nicht siegen. Es steht zu viel auf dem Spiel: Menschenleben, Arbeitsplätze, hart erarbeiteter Wohlstand. Die Übertragungswege sind erforscht und Infektionsketten transparent. Die Pandemie ist also kontrollierbar, wenn Vernunft waltet. Daher sollte sich wirklich jeder Einzelne seiner großen Verantwortung bewusst sein. Denn es geht in der Corona-Pandemie nie nur um die eigene Gesundheit. Es geht immer um die Gesundheit und das Leben von uns allen.

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