Assistenzhund Pluto hilft der neunjährigen Linda aus Ilsede

Groß Bülten.  Das Kind leidet unter einer sozial-emotionalen Störung, doch der Labrador-Rüde bringt sie immer wieder ins Gleichgewicht.

Ein Herz und eine Seele: Carsten und Anne Pommernell mit ihrer Pflegetochter Linda (9) und dem Assistenzhund Pluto.

Ein Herz und eine Seele: Carsten und Anne Pommernell mit ihrer Pflegetochter Linda (9) und dem Assistenzhund Pluto.

Foto: Heike Heine-Laucke 

Begegnungen, die unter die Haut gehen und ergreifend sind: Solche Zusammentreffen gibt es in Groß Bülten – zwischen Mensch und Tier. Genauer gesagt zwischen der neunjährigen Linda, die unter einer sozial-emotionalen Störung leidet, und dem Labrador Pluto.

Der Vierbeiner assistiert Linda, die bei ihren Pflegeeltern Anne und Carsten Pommernell in Groß Bülten lebt, und hilft ihr durch den Alltag – schließlich ist er ein Assistenzhund in der Ausbildung. In dieser Lehrzeit ist es die Aufgabe für Linda, Brücken zu ihrem Umfeld zu bauen, wenn ihre manchmal exzentrischen Gefühlsausbrüche das Familienleben belasten. Pluto wird zudem zu ihrem ständigen Begleiter ausgebildet, der in Ausnahmesituationen auf das Mädchen aufpasst.

„Linda ist sehr wechselhaft – der Hund muss das aushalten“

Dass Pluto zur Familie gehört, haben die Pommernells ganz vielen Geldspenden aus der Bevölkerung zu verdanken: Unterstützung beim Spendenaufruf bekam das Ehepaar von Jasmin Langanke aus Abbesbüttel (Kreis Gifhorn), die in ihrer Familie ebenfalls einen Assistenzhund hat. Die Abbesbüttlerin hat Erfahrungen mit Spendenaufrufen und hat unkompliziert ihre Hilfe angeboten. „Ohne die Spendenbereitschaft – besonders aus den Groß Bültener Vereinen sowie dem Eintracht-Stammtisch – und der vielen Einzelspendern hätten wir den Begleithund nicht anschaffen können“, weiß Lindas 44 Jahre alte Pflegemutter.

Denn der Kauf eines Begleithundes und dessen Ausbildung kostet 26.000 Euro: Der Eigenanteil der Pflegeeltern lag bei 1500 Euro. „Vor drei Monaten hatten wir die Summe beisammen“, freuen sich Anne und Carsten Pommernell. Doch damit ist das Thema Assistenzhund noch nicht erledigt gewesen, denn: . Das passende Tier galt es zu finden, das mit Linda ein Team bilden kann. „Das Verhalten von Linda ist sehr wechselhaft – von zornig, aggressiv bis überschwänglich“, beschreibt Pflegemutter Anne Pommernell die Problematik. „Das muss der Hund aushalten können“, setzt Carsten Pommernell hinzu.

„Wir waren überrascht, wie unterschiedlich die Hunde auf Linda reagiert haben“

Assistenzhunde gibt es auch nicht um die Ecke oder im Tierheim. Daher wandte sich das Ehepaar an das WZ Hundezentrum nahe Rostock: Mit drei aus seiner Sicht geeigneten Tieren reiste das Team in Groß Bülten an. „Wir waren überrascht, wie unterschiedlich die Hunde auf Linda reagiert haben“, berichten die Pflegeeltern. Zwei Begleithunde begegneten der Neunjährigen mit Ablehnung. Aber die Familie hatte Glück – der zweieinhalbjährige Labrador-Rüden Pluto fand einen guten Zugang zu ihr: Er hält die Gefühlsschwankungen aus.

Eine spannende Zeit für Linda und die anderen Familienmitglieder – darunter auch ein elfjähriger Pflegesohn – beginnt. „Ich konnte mir nicht vorstellen, mit einem Hund zusammenzuleben – das habe ich nicht gekannt“, gibt Anne Pommernell zu. Zum Auftakt des Kennenlernens fuhren die Pflegeeltern mit Linda nach Rostock und verbrachten ein Wochenende mit Pluto. „Wir haben verschiedene Situation mit ihm erlebt“, erzählt Carsten Pommernell. Dazu gehörte ein Besuch im Zoo, ein Rundgang durch die belebte Fußgängerzone und über Spielplätze, um den Umgang mit Pluto und sein Verhalten zu beobachten. Das Wichtigste dabei: Linda hat eine Bindung zu ihrem künftigen Wegbegleiter aufbauen können.

„Linda liest ihrem Pluto Geschichten vor“

In Groß Bülten hat sich der Rüde gleich zu Hause gefühlt: Linda bringt ihm Kunststücke bei, kuschelt ganz viel mit ihm. „Es macht uns glücklich zu sehen, wie die beiden miteinander umgehen. Linda hasst es eigentlich vorzulesen, aber ihrem Pluto liest sie Geschichten vor“, berichtet das Ehepaar erfreut. Auch wenn sie völlig aufgelöst aus der Schule kommt und die ins Extreme abgleiten, schafft es Pluto, Linda wieder ins Gleichgewicht zu bringen, so dass ein gutes familiäres Miteinander möglich ist. „Wir haben vor Pluto auch ein Pferd angeschafft, doch die körperliche Nähe lässt sich dazu nicht so herstellen – es passt auch nicht ins Wohnzimmer“, scherzen die Pflegeeltern.

In dieser Woche kommt ein Fernsehsender zur Familie nach Groß Bülten, um über Assistenzhunde eine Reportage zu drehen. „Wir sind sehr aufgeregt“, erzählen Anne und Carsten Pommernell. Für Linda ist Pluto ein ganz normaler Vierbeiner: Das, was er für sie noch leisten wird, ist für die Viertklässlerin noch nicht ansatzweise greifbar. „Pluto wird – passend zu den Bedürfnissen unserer Pflegetochter – ausgebildet. Und die werden sich mit der Zeit verändern, aber wir müssen uns keine Sorgen machen: Die Hundetrainer sind immer für uns da und begleiten uns ein Hundeleben lang“, sind Anne und Carsten Pommernell beruhigt.

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