Ciesek im Corona-Podcast: "Wir sind auf dem richtigen Weg"

Lesedauer: 4 Minuten
Bundesregierung beschließt Corona-Lockerungen für Geimpfte

Bundesregierung beschließt Corona-Lockerungen für Geimpfte

Keine Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen mehr für Geimpfte: Das Bundeskabinett hat die geplanten Erleichterungen auf den Weg gebracht. Sie sollen bereits am Wochenende gelten.

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Berlin.  Sandra Ciesek sieht Deutschland im Kampf gegen Corona auf einem guten Weg. Ein Meilenstein könnte schon in vier Wochen erreicht sein.

Die Infektionszahlen sind rückläufig und das Impftempo in Deutschland zieht deutlich an. Die neue Folge des NDR-Podcasts "Das Coronavirus-Update" mit Sandra Ciesek drehte sich daher auch um die Fragen: "Wird der Sommer gut?" und "Wird er es nur für Geimpfte?"

"Ich denke wir sind auf dem richtigen Weg", sagte die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt. Die Impfgeschwindigkeit sei aktuell sehr gut. Solange diese nicht durch Lieferengpässe bei Impfstoff oder mangelnder Impfbereitschaft gebremst würde, halte auch sie die Einschätzung von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach über einen guten Sommer für realistisch. Vielleicht könnten bereits in vier Wochen die Hälfte aller Erwachsenen in Deutschland die erste Impfung erhalten haben, glaubt Ciesek. "Natürlich hilft dann auch der Sommer und dass sich dann viel nach draußen verlagert."

Ciesek: Genesen plus Impfung könnte auch vor Mutanten schützen

Die Virologin rät dennoch dazu, bei der Debatte um Freiheien für Geimpfte zu differenzieren. Es müsse klar unterschieden werden, ob eine vollständig geimpfte Person mit jemandem zusammentrifft, der auch vollständig geimpft ist oder ob diese Person sich mit Ungeimpften trifft. "Wenn sie zum Beispiel ein Treffen von Leuten haben, die alle zweimal geimpft sind, dann müssten sie für eine Übertragung ja ein doppeltes Impfversagen haben", sagte Ciesek.

Dieses Szenario sei so selten, dass Lockerungen in Betracht kommen sollten. Vorsicht sei jedoch in öffentlichen Bereichen geboten, in denen eben nicht alle vollständig geimpft seien. "Genauso sehe ich das auch in sensiblen Bereichen, wie im Krankenhaus."

Unterschieden werden müsste wohl zudem auch klar zwischen vollständig Geimpften und Genesenen. Denn wie die Frankfurter Virologin erklärte, bräuchten letztere zwar nur eine Impfung aber auch die müsse sein. Eine aktuelle Studie zeige, dass Genesene mit einer Impfung den selben Schutz aufweisen würden wie zweifach Geimpfte – mindestens.

Denn neue Daten würden darauf hinweisen, dass geimpft Genesene auch einen wirksamen Antikörper-Schutz gegen die britische Mutante B.1.1.7 und die südafrikanische Mutante B.1.351 aufweisen würden. "Deswegen muss man sagen, dass eine einmalige Impfung nach einer überstandenen Corona-Erkrankung absolut sinnvoll ist", sagte Ciesek.

Keine Lust auf zweite Impfung? Ciesek hat eine Idee

Zudem plädierte die Virologin für eine Aufklärung der Menschen nach der ersten Impfung, welcher Schutz bis zur zweiten Impfung besteht und welche Maßnahmen weiter nötig seien. Grund dafür waren aktuelle Zahlen aus den USA. Dort seien laut Behördenangaben rund acht Prozent, der einfach Geimpften nicht zur zweiten Impfung erschienen.

Neben logistischen Gründen könnte dafür laut Ciesek auch Unwissenheit ein Grund sein. "Da haben doch einige gedacht, dass sie nach der ersten Impfung geschützt sind", berichtete die Virologin von einer aktuellen Umfrage aus dem New England Journal of Medicine. "Da können wir uns die Erfahrung der USA als Beispiel nehmen."

Die Virologin erachtet es daher auch als absolut sinnvoll den Impfstoff von Johnson & Johnson gezielt in sozialen Brennpunkten einzusetzen. Das Vakzin muss im Gegensatz zu dem Impfstoff von Biontech/Pfizer oder Moderna nur einmal gespritzt werden. Daher sei er für Menschen, die "das zweite Mal nicht kommen können oder wollen" von großem Vorteil.

In Frankfurt werde das Vakzin beispielsweise "für Obdachlose oder in Problemvierteln" eingesetzt. In ganz Deutschland wird aktuell darüber debattiert, ob Menschen in sozialen Brennpunkt bei der Corona-Impfung vorgezogen werden sollen. Studien belegen einen Zusammenhang zwischen Armut und höheren Corona-Fallzahlen. Mehrere deutsche Städte haben bereits mit Impfprojekten in Problemvierteln begonnen.

Die ganze Folge zum Nachhören, finden Sie hier

Das waren die letzten Folgen des "Coronavirus-Update"

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