Unwetter: Sturm Dennis treibt Geisterschiff an irische Küste

London/Berlin.  Orkantief Dennis hat in Großbritannien schwere Schäden angerichtet. In Irland sorgte der Sturm zudem für ein gruseliges Schauspiel.

Sturm Dennis verwüstet Großbritannien

Erst vor einer Woche hatte Sturm Ciara – in Deutschland Sabine genannt – in Großbritannien erhebliche Schäden angerichtet. Meteorologen schätzen Sturm Victoria allerdings als noch gefährlicher ein.

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  • Orkantief Dennis – in Deutschland Victoria genannt – hat in Teilen Großbritanniens für Chaos gesorgt
  • Es brachte Unwetter, die weitaus verheerender waren als in Deutschland
  • Im Süden Wales wurde sogar die „Alarmstufe Rot“ ausgerufen
  • An der irischen Küste brachte der Sturm die Menschen zum Gruseln: Er spülte ein verlassenes Frachtschiff an
  • Auch in den kommenden Tagen muss mit Hochwasser gerechnet werden
  • Es wird Kritik an Premier Boris Johnson wegen seines Krisenmanagements laut

Sturmtief Dennis – in Deutschland bekannt als Victoria – sucht seit dem Wochenende die Britischen Inseln heim. Es kam bereits zu Überschwemmungen, Flugausfällen und teils lebensbedrohlichen Lagen. In Irland hingegen ließ der Sturm so manchen schaudern – denn er spülte ein Geisterschiff an die Küste.

Wie die Zeitung „The Irish Examiner“ berichtet, habe ein Jogger in Ballycotton unweit von Cork ein gestrandetes Frachtschiff gesichtet. Es handele sich dabei um die MV Alta, die vor fast eineinhalb Jahren von ihrer Besatzung aufgegeben wurde.

Die zehn Seeleute waren damals gut 2000 Kilometer südöstlich von Bermuda von der US-Küstenwache gerettet worden, nachdem ihr Schiff sich nicht mehr hatte steuern lassen. Zuletzt wurde die MV Alta im vorigen Jahr in der Mitte des Atlantiks gesichtet. Was mit dem Wrack jetzt passiert, ist den Berichten zufolge noch unklar.

Unwetter in Großbritannien: Hochwasser auch in den nächsten Tagen

Fest steht hingegen, dass die Menschen in Großbritannien noch Tage lang mit Hochwasser-Risiko leben müssen. Mehr als 1000 Menschen mussten bereits ihre Häuser verlassen, viele Straßen und Bahnstrecken waren gesperrt. Die Polizei entdeckte am Montag die Leiche einer 55-Jährigen, die am Vortag mit dem Auto nahe Tenbury Wells in der Grafschaft Worcestershire in die Wassermassen geraten war.

Die britische Meteorologiebehörde hatten gewarnt, der Höhepunkt des Unwetters werde womöglich erst am Dienstag erreicht. Laut dem britischen Roten Kreuz sollte sich die Bevölkerung „auf das Schlimmste“ gefasst machen.

Sturm „Dennis“ hatte am Wochenende enorme Regenmengen mitgebracht. In einigen Regionen regnete es an einem Tag so viel wie sonst im Monatsdurchschnitt.

Regen, Starkregen, Dauerregen? So heißt das, was da runterkommt
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Besonders betroffen war der Süden von Wales, wo viele Menschen mit Booten in Sicherheit gebracht wurden. Da erst eine Woche zuvor ein anderer Sturm mit viel Regen durch das Land gezogen war, waren die Böden schon gefährlich aufgeweicht. „Dennis“ war mit einer Spitzengeschwindigkeit von mehr als 140 Stundenkilometern über das Land gefegt.

Sturmtief Dennis: Alarmstufe Rot im Süden Wales

Hubschrauber und Schlauchboote hatten Menschen aus ihren gefluteten Häusern gebracht. In der Kleinstadt Pontypridd waren Autos in den Wassermassen kaum noch zu sehen. Zeitweise herrschte im Süden Wales sogar Alarmstufe Rot wegen der heftigen Regenfälle. Im Bezirk Gwent mussten mehrere Dörfer evakuiert werden. Sehen Sie hier das Video: Unwetter-Tief „Dennis“ sorgte auf dem Londoner Flughafen Heathrow für eine spektakuläre Landung eines A380.

In ganz Großbritannien fielen am Wochenende Hunderte Flüge wegen des Unwetters aus, vor allem bei der Airline Easyjet, aber auch etliche Flüge von British Airways hoben nicht ab. Betroffen waren Zehntausende Passagiere, von denen viele in den Schulferien verreisen wollten. Auch zahlreiche Zugstrecken und Straßen wurden gesperrt.

Sturm Dennis: Regierung steht in der Kritik

Angesichts der bedrohlichen Lage wird das Krisenmanagement der Regierung immer mehr kritisiert. Die oppositionelle Labour-Partei hinterfragte, warum Premier Boris Johnson nicht den nationalen Krisenstab Cobra einberufen habe.

Dies hatte er zum Beispiel bei einem Unwetter im November – vor seiner Wahl – veranlasst. „Wir haben getan, was wir tun konnten“, sagte hingegen George Eustice, seit einigen Tagen der neue Umweltminister Großbritanniens, am Montag dem Nachrichtensender Sky News.

Am Ausmaß der Schäden sei die „Natur des Klimawandels“ schuld, das Wetter werde immer extremer. „Wir werden niemals jeden einzelnen Haushalt schützen können.“

Video zeigt Fähre, die zu kentern droht

In den sozialen Medien kursierte am Sonntag ein Video von einer Fähre, die bei Wellengang und stürmischer See offenbar zu kentern drohte. Die Fähre soll am Samstag in der schottischen Hafenstadt Ardrossan angelegt haben.

In dem Video ist zu sehen, wie das Schiff eine Kurve zur Anlegestelle fährt, gefährlich schwankt und scheinbar zu kippen droht. Im Vordergrund warten Dutzende Autos offenbar darauf, auf die Fähre fahren zu können.

Ob das Video tatsächlich am Samstag aufgenommen wurde und im Zusammenhang mit Sturm „Victoria“ steht, ist bislang nicht gesichert.

Unwetter: Experten halten Victoria für gefährlicher als Sabine

Erst vor einer Woche hatte Sturm Ciara – in Deutschland Sabine genannt – in Großbritannien erhebliche Schäden angerichtet. Meteorologen schätzen Sturm Victoria allerdings als noch gefährlicher ein.

Experten gehen davon aus, dass es in einigen Regionen an ein bis zwei Tagen so viel regnen könnte wie sonst in einem ganzen Monat. Da der Boden vielerorts wegen des letzten Unwetters noch aufgeweicht ist, dürften die Folgen den Experten zufolge nun gravierender sein.

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Vor einer Woche hatte Sturmtief Sabine auch in Deutschland gewütet. Kurz danach brachte der neue Sturm Victoria sowohl Orkanböen als auch frühlingshaftes Wetter und Temperaturen um die 20 Grad. An diesem Wochenende wurde ein Waldarbeiter bei Aufräumarbeiten nach Orkantief Sabine tödlich verletzt. (jkali/dpa/afp)

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