Illner: Spahn beruhigt wegen Coronavirus – und erntet Kritik

Berlin.  Gesundheitsminister Jens Spahn warnt wegen des Coronavirus vor Panikmache. Bei Illner teilte ein Experte jedoch nicht diese Meinung.

Coronavirus verbreitet sich weiter rasend schnell

Zehntausende Erkrankte und viele hundert Tote: Das Coronavirus hat sich über die ganze Welt verbreitet. In Teilen Chinas steht das öffentliche Leben still. Die Symptome ähneln einer Grippe.

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Jetzt gibt es mehr Infizierte als bei der Sars-Infektion Anfang des Jahrtausends: Über 8000 Menschen haben sich schon mit dem Coronavirus infiziert – und die Zahlen steigen weiter. „Wettlauf gegen die Krankheit – wie gefährlich ist das Coronavirus?“, wollte Maybrit Illner von ihren Gästen am Donnerstagabend wissen. Die waren sich uneins: Ein Gast warnte, ein anderer beruhigte.

Zuvor hatte am Donnerstagabend die Weltgesundheitsorganisation WHO den internationalen Notstand ausgerufen. Sie befürchtet, dass es zur massenhaften Verbreitung in anderen Ländern kommen könnte. In Deutschland wurden bisher fünf Infektionen mit dem Coronavirus bestätigt. Doch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) versuchte bei „Maybrit Illner“ zu beruhigen: „Wir haben mit der Ehec-Infektion schon einmal erfolgreich einen Stresstest bestritten.“

„Maybrit Illner“ – das waren die Gäste am Donnerstagabend:

  • Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister
  • Prof. Melanie Brinkmann, Virologin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
  • Felix Lee, ehemaliger China-Korrespondent
  • Dr. Johannes Wimmer, Humanmediziner
  • Valerie Haller, ZDF-Finanzexpertin

Dabei können sich die Viren wahnsinnig schnell verbreiten. „Denn Globalisierung heißt auch: Krankheitserreger kennen keine Grenzen mehr“, brachte es Maybrit Illner eingangs auf den Punkt. Und der Humanmediziner Johannes Wimmer warnte vor allzu schneller Beruhigung. „Wir haben so viel Glück momentan“, sagte Wimmer angesichts der in Deutschland bisher geringen Zahl der Erkrankten. Dies sei „purer Zufall“ und könne schnell kippen.

Da widersprach Jens Spahn jedoch umgehend. „Ich verstehe die Hektik von Herrn Wimmer nicht“, wunderte er sich – selbst die Weltgesundheitsorganisation WHO habe Deutschland bislang bei der Reaktion auf den Virus ein gutes Zeugnis ausgestellt.

„Maybrit Illner“: Ist Deutschland gut vorbereitet?

Maybrit Illner wollte dann jedoch noch einmal genau von Jens Spahn wissen, warum er Gelassenheit verbreitet. Falls die Zahl der Erkrankten nun doch in kurzer Zeit steigt – können unsere Krankenhäuser überhaupt mit größeren Zahlen von Erkrankten umgehen? „Natürlich würde es irgendwann zu größeren Belastungen kommen, aber ein Gesundheitssystem wie unseres kann das“, versprach Spahn.

Eine riesige Belastung ist hingegen schon jetzt im chinesischen Wuhan zu sehen, wo das Virus ausgebrochen ist. 56 Millionen Menschen in der Stadt und der Umgebung sind vom Staat in Quarantäne gesetzt worden.

Laut dem China-Experten Felix Lee ist das eine Lehre aus dem Ausbruch der Sars-Epidemie: „Damals wurde vertuscht, heute wird schnell reagiert.“ Auch die Virologin Melanie Brinkmann bewertete die drastische Maßnahme positiv: „Wir werden in zwei Wochen sehen: Die Quarantäne wirkt.“

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Diese drastischen Maßnahmen – dazu gehört auch, dass nach Anordnung der chinesischen Führung derzeit binnen weniger Tage zwei Krankenhäuser in Wuhan gebaut werden – nahm Maybrit Illner zum Anlass über die Vorteile der chinesischen KP-Diktatur zu sprechen.

„Können despotische Länder solche Seuchen-Krisen besser meistern“, wollte Illner von Jens Spahn wissen. Der musste einen Augenblick lang nachdenken. „Es kommt auch auf Vertrauen an, aber die Herausforderung in freiheitlichen Ländern ist sicher, dass wir manchmal nicht schnell entscheiden“, war dann seine unaufgeregte Antwort.

Das Fazit

Unaufgeregt war „Maybrit Illner“ am Donnerstagabend in weiten Teilen. Aber das war weder anders zu erwarten noch zu wünschen. Und aufschlussreich hinsichtlich der größeren Bedeutung, die das Virus aufzeigt, wurde es durch Journalist Felix Lee: „Die Globalisierung verschuldet die Ausbreitung, sie sorgt aber auch durch internationale Zusammenarbeit für schnelle Reaktionen“ – eine beängstigende wie beruhigende Erkenntnis.

Sehen Sie hier die aktuelle Ausgabe von „Maybrit Illner“ in der ZDF-Mediathek.

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