Karl Lagerfeld eingeäschert – Stars würdigen ihn bei Oscars

Berlin  Karl Lagerfeld war einer der einflussreichsten Modeschöpfer und selbst eine Marke. Eine Vertraute plaudert nun aus dem Nähkästchen.

Karl Lagerfeld bei einer Modenschau von Chanel im März 2013 in Paris.

Karl Lagerfeld bei einer Modenschau von Chanel im März 2013 in Paris.

Foto: Gao Jing / Gao Jing/XinHua/dpa

Karl Lagerfeld ist am Freitag eingeäschert worden. Und zwar genau so wie es der letzte Pariser Modezar gewollt hatte: ohne große Zeremonie, ohne große Aufmerksamkeit.

Einige Prominente erwiesen ihm aber die letzte Ehre, unter ihnen Prinzessin Caroline von Monaco und ihre Tochter Charlotte Casiraghi. Auch der Unternehmer Bernard Arnault und Lagerfelds Nachfolgerin bei Chanel, Virginie Viard, seien in Nanterre westlich von Paris gesichtet worden.

Karl Lagerfeld wird bei Oscars 2019 gewürdigt

Nicht nur bei der Beerdigung, sondern auch beim wohl größten Filmpreis der Welt wurde Karl Lagerfeld gedacht: bei den Oscars 2019. Zahlreiche Filmstars kamen in Anzügen und Kleidern, die der Modeschöpfer entworfen hat.

Unter den Prominenten war unter anderem Jason Momoa („Game of Thrones“, „Aquaman“). Er trug einen Anzug von Fendi. Für die italienische Marke war Lagerfeld bis zu seinem Tod tätig. Die letzte Fendi-Show mit Entwürfen von Lagerfeld fand in der vergangenen Woche statt.

Neben Momoa trug auch Pharrell Williams Andenken an den Moodeschöpfer, mit dem er selbst zusammengearbeitet hatte. Bei ihm war eine Chanel-Kette zu sehen.

Auch ein deutscher Prominenter huldigte Lagerfeld bei den Filmpreisen: Bill Kaulitz. Der Sänger von Tokio Hotel trug nach Angaben der „Vogue“ ein Hemd mit dem typischen Lagerfeld-Kragen vom Label Karl Lagerfeld.

Karl Lagerfeld: Das sagt eine enge Vertraute über ihn

Nicht mit dabei war Marietta Andreae, als Chefin der Öffentlichkeitsarbeit bei Chanel über 25 Jahre eine von Lagerfelds engsten Vertrauten. 2007 beendete der Designer die Zusammenarbeit mit ihr, was sie aber nicht dazu brachte, heute ein schlechtes Wort über ihn zu verlieren.

In der „Bild am Sonntag“ (BamS) lobte sie, Lagerfeld habe jeden seiner Mitarbeiter mit Respekt und Liebenswürdigkeit behandelt. „Für mich war Karl ein ständiger Quell der Inspiration und mein allergrößtes Vorbild“, so Andreae. Ein bisschen aus dem Nähkästchen plauderte sie dennoch.

Karl Lagerfeld ist tot – das Wichtigste in Kürze

  • Karl Lagerfeld ist im Alter von 85 Jahren gestorben
  • Er wurde in der Nähe von Paris eingeäschert
  • Lagerfeld wurde in Hamburg geboren, lebte zuletzt hauptsächlich in Paris
  • Seit 1983 war er Kreativdirektor bei Chanel
  • Lagerfeld arbeitete auch für Fendi, Chloé und seine eigene Marke Lagerfeld
  • Lagerfeld gilt als Entdecker zahlreicher Models – zum Beispiel von Claudia Schiffer

Darum nahm Karl Lagerfeld 42 Kilo ab

So verriet sie etwa, warum Lagerfeld vor rund 20 Jahren radikal an Gewicht verloren hatte. „Früher liebte er Nürnberger Bratwürstl, Kaiserschmarrn und Salzburger Nockerl. Aber dann beschloss er abzunehmen, weil er unbedingt in die Jeans passen wollte, die Hedi Slimane für Dior Homme kreiert hatte“, sagte Andreae der BamS (Bezahlinhalt).

Und das gelang Lagerfeld: 13 Monate später hatte er 42 Kilogramm abgenommen. Zugute kam ihm dabei wohl sein Hang zur Perfektion. Schon zu Lebzeiten wollte Lagerfeld nichts dem Zufall überlassen. Als Kreativdirektor und Chefdesigner bei Chanel war er für eigentlich fast alles zuständig: für die Schaufenster-Dekoration, die Kleidung, die Blumen. Die Modeikone behielt gerne die Kontrolle über die von ihm geschaffene Perfektion – so auch nach seinem Tod.

Karl Lagerfeld wollte keine Beerdigung

Wie „Bild“ erfahren haben will, soll Lagerfeld seinen Mitarbeitern ein Handbuch hinterlassen haben, in dem detailliert aufgelistet ist, wie sie nach seinem Ableben verhalten sollen. Von Antworten auf Beileidsbekundungen, über Blumen im Schaufenster aller Chanel-Stores – der letzte echte Modezar hat an alles gedacht.

Er wollte, dass die Mitarbeiter alle Produkte aus dem Schaufenster entfernen sollen – und den freigewordenen Platz für einen Strauß weißer Blumen nutzen sollen. Aber nicht irgendwelche Rosen – Lagerfeld wollte weiße, 120 Zentimeter große Rosen. Sie sollen in die Mitte der Schaufensters gestellt werden.

Darum trug Karl Lagerfeld Sonnenbrille

Zu einem der Markenzeichen Lagerfelds gehörte seine Sonnenbrille, die er nur selten abnahm. Kurz vor seinem Tod sprach der Bayerische Rundfunk mit dem Designer darüber. Er sagte, dass es sich bei der Brille um eine Art Schutz handele. „Ja, ich will auch den Gesichtsausdruck dem Publikum nicht zu sehr offenbaren“, sagte er.

In typischer Lagerfeld-Manier sagte er weiter, dass kurzsichtige Menschen häufig traurig aussehende Augen hätten. „Da sieht man beinahe dann aus wie ein Hund, der adoptiert werden möchte oder so etwas.“

Und weiter: „Da muss man die Brille zwei, drei Stunden ablegen, damit das nicht mehr so aussieht und der mitleiderregende, nette Blick ist nun wirklich etwas, was ich nicht haben will und den Eindruck, den ich nicht geben will, denn das entspricht nicht der Realität.“

In einem Interview mit dem „Telegraph“ gab Lagerfeld allerdings zu, dass man durch getönte Gläser besser aussehe.

Vor etwa zehn Monaten sprach der Chanel-Kreativdirektor mit dem Magazin „Numéro“ über den Tod und eine mögliche Beerdigung. Er formuliert seinen letzten Wunsch: Er sagte, dass er keine Beerdigung wolle. „Wie schrecklich! Es wird keine Beerdigung geben. Eher sterbe ich“, sagte er.

Ciao Karl - Fendis letzte Lagerfeld-Kollektion auf dem Laufsteg
Ciao Karl - Fendis letzte Lagerfeld-Kollektion auf dem Laufsteg

Letzte Anweisung an Chanel-Mitarbeiter

Der aus Hamburg stammende Lagerfeld war am Dienstag im Alter von 85 Jahren gestorben – er galt als der letzte Pariser Modezar. Jahrzehntelang war er Kreativdirektor des Modehauses Chanel. Eine öffentliche Zeremonie oder Würdigung sollte es nicht geben.

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Auch für Choupette hat Lagerfeld vorgesorgt: Wie „Welt“ berichtet, habe er für die „Gouvernante“, eine Art Vormundschaft des Tieres, extra ein Haus gekauft, damit die Katze auch nach seinem Tod ein Zuhause hat.

Todesursache von Chanel-Modeschöpfer in Medien Thema

Trauer um Karl Lagerfeld
Trauer um Karl Lagerfeld

Französische Medien spekulieren unterdessen auch darüber, was der Grund für den Tod des Chanel-Modeschöpfers gewesen sein könnte. Als eine mögliche Todesursache wird unter anderem auch genannt. Bestätigt ist diese Information allerdings nicht.

Karl Lagerfeld gestorben: So trauern Menschen weltweit
Karl Lagerfeld gestorben: So trauern Menschen weltweit

Wie „Paris Match“ schreibt, sei Lagerfeld am Montagabend in ein Pariser Krankenhaus eingeliefert worden. Am Dienstagmorgen sei der Kreativdirektor von Chanel gestorben. Zuletzt hatte es Spekulationen um Lagerfelds Gesundheitszustand gegeben, weil er selbst die Januar-Show von Chanel während der Pariser Modeschau nicht geleitet hatte.

Lagerfeld schickte noch Glückwünsche per Video

Lagerfeld habe sich müde gefühlt, hieß es dazu in einem offiziellen Statement von Chanel. Für das Modehaus trat nur Kreationsleiterin Virginie Viard vor das Publikum. Wie Chanel mitteilte, wird Viard, die über 30 Jahre an der Seite von Karl Lagerfeld gearbeitet hat, die Stelle als Kreativdirektorin übernehmen. Das sind fünf Geheimnisse aus dem Leben von Karl Lagerfeld.

Lagerfeld selbst versuchte die Berichte über seinen angeblich schlechten Gesundheitszustand auszuräumen, in dem er vor Wochen der Ex-„Vogue“-Chefredakteurin Carine Roitfeld zu einer Million Followern ihres neuen Magazins gratuliert. Das Video ist auf den 5. Februar datiert.

So begann Lagerfeld seine Karriere

Der gebürtige Hamburger Karl Otto Lagerfeld begann seine große Karriere in der Modewelt als Assistent von Pierre Balmain. Kurz zuvor hatte Lagerfeld im Jahr 1955 einen Design-Wettbewerb gewonnen, der Balmain auf ihn aufmerksam werden ließ.

Mitte der 1960er Jahre arbeitete der Designer als Freelancer für Chloé und übernahm Aufträge für das italienische Modehaus Fendi. Für Fendi war er als freischaffender Kreativdirektor bis zu seinem Tode tätig.

Karl Lagerfeld war das Gesicht der Marke Chanel

Den größten Einfluss auf die Modewelt übte der „Modezar“ aber bei Chanel aus – seit 1983 als Kreativdirektor. Lagerfeld führte das Unternehmen in die wirtschaftliche Erfolgsspur und sorgte mit aufwendigen Modenschauen für Aufsehen. Seine Shows in Paris sollen je Veranstaltung bis zu eine Millionen Euro gekostet haben, berichteten zahlreiche Mode-Magazine.

Seine Mode war elegant, minimalistisch und innovativ. In einer Mitteilung schrieb das Modehaus Chanel: Karl Lagerfeld habe den von Gabrielle Chanel erfundenen Markenkern neu erfunden. „Chanel-Jacke und -Anzug, das kleine Schwarze, Tweeds, zweifarbige Schuhe, gesteppte Handtaschen, Perlen und Modeschmuck“, habe Lagerfeld geprägt.

Für sich selbst schuf Lagerfeld auch einen unverkennbaren Look. Mit Sonnenbrille, Pferdeschwanz, hohem Kragen und Handschuhen war der Lagerfeld-Look perfekt.

Er schickte die schönsten Models über die Laufstege, darunter Claudia Schiffer und Inès de la Fressange. Aber auch außergewöhnliche Models spielten bei Lagerfeld zuletzt eine Rolle. Prominentestes Beispiel war dabei wohl die Sängerin Beth Ditto. Die Sängerin der Band Gossip war Ende der 2000er Jahre immer wieder an der Seite von Lagerfeld zu sehen.

Wird Mode von Karl Lagerfeld und Chanel nun zur Wertanlage?

Fans von Karl Lagerfeld und Modeinteressierte stellen sich nach dem Tod von Karl Lagerfeld die Frage: Lohnen sich Kleider, Taschen und Schuhe von Chanel oder Karl Lagerfeld nun als Wertanlage? Die Antwort auf die Frage lässt sich aktuell noch nicht verlässlich geben. Auf dem Portal Stockx.com waren nach dem Tod von Lagerfeld am 19. Februar keine merklichen Preisanstiege bei Chanel-Produkten - zum Beispiel Taschen - zu verzeichnen. Das Portal ist quasi eine Börse für Handtaschen, Sneaker und Streetwear.

Einen leichten Preisanstieg verzeichneten direkt nach dem Tod jedoch einige Schuhe, die in Kooperation mit Lagerfeld entstanden sind. Darunter ist beispielsweise das Modell Puma Suede Classic Karl, das über den Schnürsenkeln eine Klappe in Form von Lagerfelds klassischer Sonnenbrille trägt. Jedoch war der Preisanstieg geringer als etwa kurz nach dem Erscheinen der Schuhe.

Wer sich dennoch ein Erinnerungsstück von Karl Lagerfeld zulegen möchte, sollte eher langfristige Investments im Auge haben. Denn klassische Handtaschen von Chanel etwas verlieren über die Jahre kaum an Wert - teilweise gewinnen sie sogar noch hinzu.

Legendär waren seine Aussprüche

Mit Lagerfeld, der erst im September seinen 85. Geburtstag gefeiert hatte, hatte auch seine eigene Marke etabliert und über zahlreiche Stores auch in deutschen Großstädten vertrieben. Lagerfeld hatte seinen Lebensmittelpunkt seit langem in der internationalen Modehauptstadt Paris.

Zudem war Karl Lagerfeld auch als Fotograf aktiv. Immer wieder fertigte er Aufnahmen von Models an, so etwa vom ehemaligen Top-Model Claudia Schiffer. Der Mode-Designer gilt als Entdecker des deutschen Models, das 1983 das erste Mal für Chanel auf einem größeren Laufsteg zu sehen war.

Legendär waren Lagerfelds Aussprüche. Über seine Haut sagte er: „Ich gehe nicht mehr in die Sonne. Schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Ich will nicht aussehen wie eine alte Schildkröte.“ Über seine Ausbildung sagte der Besitzer von 300.000 Büchern: „Ich habe ja im Grunde nie etwas gelernt. Ich habe nicht einmal Abitur gemacht und nix.“

Vernichtend war das Urteil des Modezaren über Freizeitkleidung: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ In den letzten Jahren relativierte sich jedoch dieser Ausspruch, denn sowohl von Chanel wie auch von der Eigenmarke Lagerfeld gab es immer wieder Jogginghosen oder andere Sportbekleidung zu kaufen.

Nicht nur diese Wendung war ironisch, sondern zuletzt immer wieder auch die Aussagen von Lagerfeld in zahlreichen Interviews. Auch Chanel schrieb im eigenen Nachruf: „Man kann nicht an Karl Lagerfeld erinnern, ... ohne seine Selbstironie zu erwähnen.“

Nicht nur Chanel selbst, sondern auch zahlreiche Medien würden den Modeschöpfer in Wort und Bild. Das „Hamburger Abendblatt“ widmet Karl Lagerfeld gleich ein ganzes Magazin. 100 Seiten stark ist der Titel „Hamburger Abendblatt Collector’s Edition Karl“. Im Zentrum steht vor allem Lagerfelds Beziehung zu seiner Heimatstadt und wie seine Mode auch durch die Hansestadt beeinflusst wurde.

Quellen:

Sorge um Lagerfeld – Stardesigner nicht in Paris aufgetreten

„Le Figaro“

„Paris Match“

„Numero“

(ac/rtr/les/dpa)

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