Unwort 2018: „Asyltourismus“ am häufigsten vorgeschlagen

Darmstadt  Die Suche nach dem Unwort 2018 geht zu Ende. Dieses Jahr gab es weniger Einsendungen als sonst. Ein Thema ist besonders präsent.

Das Unwort des Jahres wird am 15. Januar in Darmstadt bekannt gegeben.

Das Unwort des Jahres wird am 15. Januar in Darmstadt bekannt gegeben.

Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Der Begriff „Asyltourismus“ ist bis jetzt am häufigsten für das Unwort des Jahres 2018 vorgeschlagen worden. Er sei insgesamt 119 Mal genannt worden, sagte die Sprecherin der Unwort-Jury, Nina Janich.

18 Mal erwähnt worden sei der Ausspruch des AfD-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Alexander Gauland, „Vogelschiss“ (der Geschichte) gefolgt von Ankerzentrum/Ankerzentren (13 Mal) sowie Anti-Abschiebe-Industrie (neunmal) und Abschiebe-Verhinderungsindustrie (zweimal).

Weniger Einsendungen als in den vergangenen Jahren

Im Vergleich zu den Vorjahren beteiligten sich 2018 aber deutlich weniger Menschen an der sprachkritischen Aktion. Knapp 850 Vorschläge seien kurz vor dem Einsendeschluss am 31. Dezember eingegangen, sagte die Sprecherin Nina Janich von der Technischen Universität Darmstadt der Deutschen Presse-Agentur.

Sonst wurden seit Mitte der 1990er Jahre stets mehr als 1000 Einsendungen gezählt, in einigen Jahren sogar mehr als 2000. In diesem Jahr haben die Bürger 481 unterschiedliche Ausdrücke als „Unwort“ vorgeschlagen, weniger waren es zuletzt im Jahr 2000 mit 446 Begriffen.

Fluchtthematik dominiert auch dieses Jahr

Auch weitere Begriffe wie Asylgehalt, Flüchtlingsindustrie und Grenzöffnung belegten, dass die Thematik Flucht/Migration/Migrationspolitik auch dieses Jahr wieder dominiert habe.

Insgesamt sind nach den Worten von Janich bis zum 27. Dezember 847 Vorschläge eingegangen, darunter 481 unterschiedliche Ausdrücke.

Rund 30 Wörter aus diesen Einsendungen entsprächen den Kriterien der Jury, mehr als 50 weitere könnten den Kriterien entsprechen, „sind aber womöglich veraltet, unklar belegt oder sogar schon als Unwörter gewählt“, wie die Sprachwissenschaftlerin sagte.

Der Rest entspreche nicht den Kriterien. Hier handele es sich häufig um Wörter für Personen, Dinge oder Sachverhalte, die als Ärgernis oder Problem empfunden werden wie etwa die Datenschutzgrundverordnung (20 Nennungen).

Die Unwörter der letzten Jahre

Unwörter waren zuletzt:

  • „alternative Fakten“ (2017)
  • „Volksverräter“ (2016)
  • „Gutmensch“ (2015)
  • „Lügenpresse“ (2014)
  • „Sozialtourismus“ (2013)
  • „Opfer-Abo“ (2012)
  • „Döner-Morde“ (2011)
  • „alternativlos“ (2010)
  • „betriebsratsverseucht“ (2009)
  • „notleidende Banken“ (2008)
  • „Herdprämie“ (2007)
  • „Freiwillige Ausreise“ (2006)
  • „Entlassungsproduktivität“ (2005)

Die sprachkritische Aktion wurde 1991 von dem Frankfurter Germanistikprofessor Horst Dieter Schlosser initiiert. Seit 2011 ist Nina Janich Jury-Sprecherin. Weitere Mitglieder sind die Sprachwissenschaftler Jürgen Schiewe (Universität Greifswald), Kersten Sven Roth (Universität Düsseldorf), Martin Wengeler (Universität Trier) sowie der freie Publizist Stephan Hebel.

In diesem Jahr gehört dem Gremium auch der Autor und Kabarettist Jess Jochimsen an. Einsendungen sind noch bis zum 31. Dezember möglich. Bekanntgegeben wird das Unwort dieses Jahres am 15. Januar 2019 in Darmstadt.

„Heißzeit“ ist das Wort des Jahres 2018. Diese Entscheidung hatte eine Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) Mitte Dezember in Wiesbaden getroffen.(epd/dpa/msb)

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