Rassismus in der Bundeswehr

Rechte Lieder und Nötigung: Soldaten aus Litauen abgezogen

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Die Bundeswehr zieht nach schwerem Fehlverhalten von eigenen Soldaten der Nato-Mission in Litauen am Donnerstag einen ganzen Panzergrenadierzug aus Munster in Niedersachsen zurück nach Deutschland ab (Symbolbild).

Die Bundeswehr zieht nach schwerem Fehlverhalten von eigenen Soldaten der Nato-Mission in Litauen am Donnerstag einen ganzen Panzergrenadierzug aus Munster in Niedersachsen zurück nach Deutschland ab (Symbolbild).

Foto: Robert Schlesinger / dpa

Munster.  Die Panzergrenadiere sind wieder auf dem Weg nach Munster. Sie sollen unter anderem rechtsradikale und antisemitische Lieder gesungen haben.

Nach massivem Fehlverhalten mehrerer Bundeswehrsoldaten bei der Nato-Mission in Litauen ist der deswegen abgezogene Panzergrenadierzug auf dem Weg zu seinem Standort in Munster. Wie ein Bundeswehrsprecher am Donnerstag bestätigte, ist der Einsatz der etwa 20 Soldaten nach schwerem Fehlverhalten einiger Kameraden frühzeitig beendet. Die normale Rotation wäre im August gewesen. Bei den Hauptbeschuldigten werde eine fristlose Entlassung nach dem Soldatengesetz geprüft, hatte das Verteidigungsministerium am Mittwoch mitgeteilt.

Bundeswehrsoldaten singen bei Party rechtsradikale und antisemitische Lieder

Ermittlungen hätten bereits einen Anfangsverdacht auf Straftaten wie sexuelle Nötigung, Beleidigung, womöglich mit rassistischem Hintergrund, und Nötigung sowie auf extremistische Verhaltensweisen ergeben. In die Ermittlungen sei auch der Militärische Abschirmdienst (MAD) eingebunden. Im Zuge der Untersuchung gebe es auch den Verdacht weiterer Unregelmäßigkeiten, darunter fehlende Munition in dreistelliger Zahl.

Zuerst hatte der „Spiegel“ berichtet. Bei der Party Ende April in einem Hotel sollen demnach rechtsradikale und antisemitische Lieder gesungen worden sein. Von einem mutmaßlichen sexuellen Übergriff gebe es auch Film-Aufnahmen. Zudem soll am 20. April ein „Geburtstagsständchen“ für Adolf Hitler angestimmt worden sein. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte erklärt, auch diejenigen würden zur Rechenschaft gezogen, die möglicherweise etwas von den Vorfällen wussten, Informationen aber nicht weitergaben.

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Verteidigungsministerium muss Desinformationsversuche abwehren

Im Zusammenhang mit den Vorfällen geht die Bundeswehr von insgesamt zehn Beteiligten aus, ein Panzergrenadierzug besteht üblicherweise aus 34 Soldaten. Insgesamt sind in Litauen etwa 550 deutsche Soldaten in dem Einsatz, der der Abschreckung Russlands dient.

Das Verteidigungsministerium bestätigt keine Details der Vorwürfe, ist aber höchst alarmiert. Die Bundeswehr musste in Litauen mehrfach Desinformationsversuche abwehren, die den Eindruck von Fehlverhalten deutscher Soldaten erwecken sollten.

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