Bombenentschärfungen unter verschärften Corona-Bedingungen

Göttingen.  Müssen zig Menschen für eine Bombenentschärfung ihre Wohnungen verlassen, gelten gelockerte Regeln. Ende Januar sind in Göttingen Tausende betroffen.

Osnabrück am Montag: Sprengmeister Michael Crölle vom Kampfmittelbeseitigungsdienst steht an einer entschärften Fünf-Zentner-Bombe. Rund 4200 Menschen mussten im Stadtteil Widukindland aufgrund der Bombenentschärfung vorübergehend ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Wegen der besonderen Corona-Situation wurden zwei Evakuierungszentren eingerichtet.

Osnabrück am Montag: Sprengmeister Michael Crölle vom Kampfmittelbeseitigungsdienst steht an einer entschärften Fünf-Zentner-Bombe. Rund 4200 Menschen mussten im Stadtteil Widukindland aufgrund der Bombenentschärfung vorübergehend ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Wegen der besonderen Corona-Situation wurden zwei Evakuierungszentren eingerichtet.

Foto: Friso Gentsch / dpa

Wohin mit 8300 Menschen, die für eine Bombenentschärfung ihre Wohnungen über Nacht verlassen müssen - und das im Lockdown? Ende Januar wird die Stadt Göttingen vor dieser Aufgabe stehen. Osnabrück musste eine ähnliche Situation kurzerhand am Montagabend meistern: „Das Problem war, wir mussten von jetzt auf gleich 4200 Menschen evakuieren - und das unter Corona-Bedingungen“, sagte Gerhard Meyering, Sprecher der Stadt, am Dienstag. Zeit war keine zu verlieren. „Die Bombe wurde schon bewegt und musste deshalb sofort entschärft werden.“

Meyering zufolge war es dann auch vertretbar, die coronabedingten Kontaktbeschränkungen für die Dauer des Einsatzes aufzuheben. Schließlich habe die Bombe Gefahr für Leib und Leben bedeutet. Laut geltender Corona-Regeln darf ein Haushalt sonst nur Kontakt zu höchstens einer weiteren Person haben. Die Stadt bat allerdings darum, auch bei Freunden und Verwandten Abstände einzuhalten. Für die Unterbringung von Infizierten und Menschen in Quarantäne galt die Ausnahme nicht - sie stellten die mehr als 190 Einsatzkräfte vor eine Herausforderung. Die beiden Gruppen wurden in kurzfristig eingerichteten Isolationsräumen in den Evakuierungszentren untergebracht.

Die meisten der 4200 Anwohner seien bei Freunden und Bekannten untergekommen, sagte Meyering. Gut 230 verbrachten die Zeit in den Evakuierungszentren. Organisiert worden sei diese „Hau-Ruck-Aktion“ - wie eine Stadtsprecherin das Manöver bezeichnete - von Stadt, Feuerwehr, Polizei und Technischem Hilfswerk.

Evakuierung in Osnabrück erfolgte am Montag sehr kurzfristig

Erschwert wurde die Evakuierung zusätzlich durch renitente Anwohner. Einige von ihnen weigerten sich zunächst, ihre Häuser und Wohnungen zu verlassen. Das teilten die Stadt Osnabrück und die Polizei auf Anfrage am Dienstag mit. „Da musste mitunter sehr viel diskutiert werden“, sagte Meyering. Auch von der Polizei habe es mehrfach Ansprachen an die Bewohner gebeben, sagte seine Kollegin.

Dass manche Anwohner ihre Häuser nicht verlassen wollten, habe möglicherweise daran gelegen, dass die Evakuierung recht kurzfristig am Montagabend erfolgt sei, sagte Meyering. Sie begann am späten Nachmittag. Gegen 22.15 Uhr wurde die Bombe dann von Kampfmittelräumern unschädlich gemacht. Die Anwohner konnten daraufhin wieder zurück.

Etwas mehr Vorlauf hat die Stadt Göttingen: Am Samstag, 30. Januar, müssen gut 8300 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Sämtliche Gebäude im Umkreis von einem Kilometer, Straßen und Plätze sowie der Bahnhof werden gesperrt. Bei Bauarbeiten waren verdächtige Objekte im Boden geortet worden. Es handelt sich nach Angaben der Stadt wahrscheinlich um Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Es werde damit gerechnet, dass die Entschärfung bis zum Morgen des 31. Januar dauert.

Das niedersächsische Sozialministerium informierte die Stadt über die Ausnahmeregelungen vor allem bei den Kontaktbeschränkungen. So dürfen sich zwei Haushalte, unabhängig von der Personenzahl, in einer Wohnung aufhalten. Alternativ dürfen enge Familienangehörige aufgenommen werden, selbst wenn sie aus mehr als zwei Haushalten stammen. Das Abstandsgebot soll einhalten und eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden.

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