Maddie-Verdächtiger muss wohl in Haft bleiben

Braunschweig.  Laut Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofes war die Verurteilung des 43-Jährigen am Landgericht Braunschweig rechtens.

Der zuständige Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofes legte am Donnerstag sein Rechtsgutachten zu einer Beschwerde des Tatverdächtigen im Fall Maddie vor (Symbolbild).

Der zuständige Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofes legte am Donnerstag sein Rechtsgutachten zu einer Beschwerde des Tatverdächtigen im Fall Maddie vor (Symbolbild).

Foto: Arne Immanuel Bänsch / dpa

Der Maddie-Tatverdächtige Christian B. wird wohl im Gefängnis bleiben müssen. Laut einem Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofes war die Verurteilung des 43-Jährigen wegen Ver­gewaltigung einer Amerikane­rin durch das Landgericht Braunschweig rechtens.

Die Maddie-Ermittler von der Staatsanwaltschaft Braunschweig zeigten sich erfreut über das Gutachten des EuGH-Generalanwalts. „Wir begrüßen es sehr, dass der Generalanwalt unsere Sichtweise teilt“, sagte Staatsanwältin Julia Meyer auf Anfrage. Noch sei aber nichts endgültig entschieden.

EuGH-Verfahren ist relevant für den Fall Maddie

Das Verfahren vor dem EuGH ist von großer Bedeutung für den Fall der vor 13 Jahren verschwundenen Britin Madeleine „Maddie“ McCann: Sollte Christian B. vom EuGH Recht bekommen, könnte er in Deutschland nicht zu einer weiteren Haftstrafe verurteilt werden.

Denn er wird verdächtigt, die dreijährige Britin 2007 aus einer Ferienanlage an der portugiesischen Algarve entführt zu haben. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig geht davon aus, dass das Mädchen tot ist. Derzeit sitzt der Verdächtige in Kiel eine Gefängnisstrafe von 21 Monaten wegen Drogenhandels ab. Er hatte in Braunschweig seinen letzten Wohnsitz, deshalb sind die Braunschweiger Ermittler zuständig. Christian B. betrieb hier einen Kiosk im Westlichen Ringgebiet.

Die Prozessberichterstattung gegen den 43-Jährigen finden Sie hier:

EuGH-Sprecher Hartmut Ost sagte unserer Zeitung, dass die Richter „in der Mehrzahl der Fälle dem Generalanwalt“ folgten. „Darauf ist aber kein Verlass.“ Ost verwies auf das Verfahren zur deutschen Pkw-Maut vor dem EuGH. Im vergangenen Jahr entschieden sich die EuGH-Richter entgegen der Ansicht des Generalanwalts dafür, dass die Maut gegen EU-Recht verstößt.

Im Fall des Maddie-Verdächtigen ist mit einer Entscheidung der Richter in wenigen Wochen zu rechnen. Laut EuGH-Sprecher Ost dauern die Verfahren im Schnitt 3,8 Monate. Das Verfahren des 43-Jährigen begann am 8. Mai. Demnach wäre Anfang September mit einer Entscheidung zu rechnen.

Der Verdächtige fordert die Aufhebung eines Urteils

Konkret geht es in dem juristisch sehr verzwickten EuGH-Verfahren darum, dass der 43-Jährige eine Aufhebung des Urteils wegen der Vergewaltigung einer Amerikane­rin fordert, weil er ursprünglich auf Grundlage eines Europäischen Haftbefehls für eine andere Straftat an Deutschland ausgeliefert worden war. Er verweist dabei darauf, dass es EU-Regeln für den Europäischen Haftbefehl verbieten, dass jemand dann auch wegen anderer vor der Auslieferung begangener Straftaten belangt wird – also auch für den Fall Maddie.

Der Fall Maddie McCann
Der Fall Maddie McCann

Diesen Formfehler der deutschen Sicherheitsbehörden sieht der Generalanwalt laut EuGH-Sprecher Ost aber nicht. Denn Christian B. beging seinerseits einen Fehler, da er Deutschland „aus freien Stücken“ verließ und nach Italien reiste, so Ost. Ein Gericht in Mai­land stimmte nach B.’s erneu­ter Inhaftierung der Ausliefe­rung nach Deutschland expli­zit auch wegen des Verge­waltigungsvorwurfs zu. „Damit wurde wieder alles auf Null gesetzt“, sagte Ost.

Freiwillig nach Deutschland zurück gekehrt

Hätte B. nicht den Fehler begangen und wäre nach Italien geflohen, hätte das für ihn mit großer Sicherheit die Freiheit bedeutet.

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Seit kurzem ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen Mordverdachts gegen den 43-Jährigen im Fall Maddie. Auf dessen Spur kamen die Ermittler aus Braunschweig bereits 2013. Christian B. hielt sich zwischen 1995 und 2007 regelmäßig an der portugiesischen Küste auf – dem Entführungsort von Maddie. Eine Anklage gibt es aber noch nicht.

Zuletzt führten Ermittler Ende Juli Grabungen in einem Kleingarten am Stadtrand von Hannover aus. Ob und möglicherweise was bei der zweitägigen Polizeiaktion gefunden wurde, wollte Staatsanwältin Meyer nicht sagen. Das galt auch für mögliche Grabungen in einem Braunschweiger Kleingarten. Hier besaß Christian B. ebenfalls einen Schrebergarten.

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