Niedersachsen riskieren täglich 1,5 Mio. Euro an Spielomaten

Braunschweig.  Suchtexperte Horn: Das geplante landesweite Sperrsystem für Spieler wäre sehr hilfreich.

Von Spielsucht betroffen sind vor allem Männer zwischen 20 und 45 Jahren.

Von Spielsucht betroffen sind vor allem Männer zwischen 20 und 45 Jahren.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Das Geschäft mit dem Glücksspiel boomt. Allein in Niedersachsen wurden laut der Landesstelle für Suchtfragen im vergangenen Jahr 530,1 Millionen Euro an Geldspielautomaten verspielt, das bedeutet einen Spieleinsatz von 44,2 Millionen Euro pro Monat oder anderthalb Millionen pro Tag. Rund 51.000 Menschen in Niedersachsen gelten als spielsüchtig. Betroffen sind vor allem Männer zwischen 20 und 45 Jahren.

Spielautomaten sorgen für Gros der Umsätze

Auch die Zahlen in unserer Region spiegeln den dramatischen Anstieg der Einsätze an Spielautomaten wider. In Braunschweig wurden die Maschinen 2017 mit 26,3 Millionen gefüttert, gegenüber 10 Millionen im Jahr 2008. In Salzgitter waren es 17,2 Millionen (vor zehn Jahren: 8 Mio. Euro). In Wolfsburg steigerte sich der Einsatz im selben Zeitraum von 4,7 auf 12,9 Millionen, in Goslar von 3 auf 9,2 Millionen Euro. Die Aufwendungen der Spieler haben sich mehr als verdoppelt. Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen bringen Geldspielautomaten in Spielhallen und Gaststätten mit Abstand die größten Umsätze und Erträge auf dem legalen Glücksspiel-Markt. 2017 erzielten die Automaten-Aufsteller in Deutschland einen Brutto-Spiel­ertrag von 7,1 Milliarden.

Weniger Spielhallen, mehr Umsatz

Während der Umsatz kräftig steigt, hat sich die Zahl der Spielhallen leicht reduziert – laut der sogenannten Trümper-Studie des Vereins Arbeitskreis gegen Spielsucht bundesweit um fünf Prozent gegenüber 2012. Christian Horn, Sozialarbeiter im Lukas-Werk der Evangelischen Stiftung Neuerkerode, führt den Rückgang auf neue Regelungen zurück, Mindestabstände zwischen Spielhallen-Standorten etwa. Andere Regeln wie die Begrenzung der Spieldauer dagegen umgingen Betreiber von Automaten durch „krude Verfahren“, sagt er.

Landesweites Sperrsystem geplant

Positiv äußert sich Experte Horn über den jüngsten Entwurf zur Neuregelung des Niedersächsischen Glücksspielgesetzes. Hilfreich sei etwa die geplante Einführung eines landesweiten Sperrsystems für sich selbst freiwillig meldende Spielsüchtige. Gleichzeitig weichen immer mehr Spieler auf Angebote im Internet aus. „Meine Sucht hat sich durchs Spielen im Internet verschlimmert“, berichtet ein Betroffener aus Wolfsburg im Interview unserer Zeitung. Die Möglichkeit, mit höheren Einsätzen zu spielen, mache die Online-Casinos besonders gefährlich, sagt Horn.

Experte: Gesetze konsequenter anwenden

Für wirksamer als neue Gesetze hält Horn, das vorhandene Recht konsequent anzuwenden, was aus seiner Sicht zu wenig passiere. Außerdem müsse Online-Plattformen der Geldhahn zugedreht werden. Erfolg verspreche das Vorgehen von Paypal. Der Bezahldienst untersagt neuerdings Glücksspielanbietern in Deutschland die Nutzung seiner Dienste. Damit reagiert er auf Kritik von Verbraucherschützern. Scharf kritisiert Horn das wachsende Angebot von Sportwetten-Anbietern, das ebenfalls hohes Suchtpotenzial berge. Von den betreffenden Wett-Webseiten seien die Online-Casinos oft nur einen Klick entfernt. „Dass die Bundesregierung diesen Angeboten derart Tür und Tor öffnet, ist ein Unding“, sagt er. Seine Forderung: ein Werbeverbot für Anbieter von Glücksspielen und Sportwetten. Niedersachsen

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