Niedersachsen will mehr Tablets im Klassenzimmer

Hannover.  Der Digitalpakt bringt Niedersachsen hunderte Millionen Euro, die Konzepte aber müssen noch entwickelt werden.

Schüler einer 7. Klasse lernen mit iPads im Matheunterricht an der Oberschule Gehrden in der Region Hannover. Die Oberschule Gehrden gehört bei digitalen Lernen zu den führenden Schulen in Deutschland.

Schüler einer 7. Klasse lernen mit iPads im Matheunterricht an der Oberschule Gehrden in der Region Hannover. Die Oberschule Gehrden gehört bei digitalen Lernen zu den führenden Schulen in Deutschland.

Foto: Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Während landesweit Schülerinnen und Schüler für mehr Klimaschutz auf die Straße gingen, wurde zumindest in Sachen Digitalisierung große Politik gemacht. Nach dem Bundestag stimmte nun auch der Bundesrat dem „Digitalpakt Schule“ zu. In der Vertretung der Länder würdigte auch Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) die Vereinbarung. „Es wurde lange genug darüber geredet und verhandelt. Wir wollen jetzt Gelder für unsere Schulen in Niedersachsen zur Verfügung stellen, damit das Lernen mit digitalen Medien besser umgesetzt werden kann“, hieß es danach in einer Stellungnahme Tonnes.

Die Bildung ist eigentlich Ländersache. In der langen Debatte um den Digitalpakt und den zunehmenden Einfluss des Bundes hatte der Grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann aus Baden-Württemberg den Widerstand gegen einen Ausverkauf der Länder angeführt. Der Streit wurde beigelegt. Der Bund darf zwar im Gegenzug für seine 5 Milliarden Euro Berichte darüber verlangen, wie das Geld in den Ländern verwendet wird. In ihrer Bildungshoheit eingeschränkt fühlen sich die Länder aber offenbar nicht mehr. Geregelt wird die Zusammenarbeit mit dem Bund über eine Verwaltungsvereinbarung.

„Wir wollen einen Sockel geben – 30.000 Euro für jede Schule in Niedersachsen – und darüber hinaus über eine Richtlinie deutlich mehr Geld noch zur Verfügung zu stellen für alles das, was noch benötigt wird, W-Lan-Ausstattung, Server-Strukturen, White-Boards etc. All das geht dann jetzt mit dem heute beschlossenen geänderten Grundgesetz“, erklärte Kultusminister Tonne nach der Bundesratssitzung. Mit den rund 520 Millionen aus dem Digitalpakt, davon zehn Prozent Eigenbeteiligung des Landes, sollen laut Ministerium vor allem „schulisches W-LAN“, interaktive Tafeln, digitale Arbeitsgeräte für die technisch-naturwissenschaftliche sowie berufsbezogene Ausbildung und „in begrenztem Maße“ auch schulgebundene mobile Endgeräte wie Tablets gefördert werden. Die Richtlinie zur Förderung werde derzeit erarbeitet, erklärte ein Sprecher des Kultusministeriums auf Anfrage unserer Zeitung, erste Anträge sollen möglichst zum neuen Schuljahr angenommen werden. „Antragsberechtigt sind alle Schulträger, öffentliche wie freie“, so der Sprecher. Zum neuen Schuljahr solle jeder Schulträger wissen, wie hoch die gesamte Fördersumme für jede seiner Schulen sei und könne dann beginnen zu planen. Die Förderungen dürften laut Bund-Ländervereinbarung nur auf Antrag und basierend auf einem Medienentwicklungskonzept ausgeschüttet werden. Sockel und weitere Mittel seien also an klare Kriterien und Zwecke gebunden, hieß es weiter.

Dass der Weg zur Digitalen Schule schon rein technisch noch weit ist, wurde am Freitag aber auch deutlich. In Niedersachsen arbeiten laut einer Abfrage des Ministeriums bei den Schulen nur 18 Prozent aller allgemeinbildenden Schulen mit Tablets. „Mittelfristig sollen alle Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen im Unterricht mit individuellen mobilen Endgeräten arbeiten können, Bring your own device-Ansatz“), heißt es beispielsweise im Konzept „Digitale Bildung in Niedersachsen“ des Kultusministeriums. Man müsse Doppelstrukturen vermeiden und darüber nachdenken, inwieweit Eltern an Anschaffungskosten beteiligt werden könnten, so Minister Tonne. Nach einem Plan klingt das nicht. Ganz bei Null ist man aber auch nicht. Im Juli 2016 war ein Landeskonzept „Medienkompetenz“ beschlossen worden, das auf Vorstufen bis ins Jahr 2012 zurückreicht. in einer „Niedersächsischen Bildungscloud“ sollen Schüler und Lehrer in einem „virtuellen Klassenzimmer“ kommunizieren. „Bildung in der digitalen Welt“ heißt außerdem ein Papier der Kultusministerkonferenz vom Dezember 2016. „Um die Digitalisierung an unseren Schulen in Niedersachsen zum Erfolg zu führen, haben die Regierungsfraktionen CDU und SPD den Antrag „Bildung in der digitalisierten Welt“ in den Landtag eingebracht“, betonte die CDU-Landtagsabgeordnete Mareike Wulf. Dazu gehört auch das Entwicklen pädagogischer Konzepte. „Es bedarf einer konsequenten, effektiven und praxisorientierten Lehrerfortbildung. Auch brauchen unsere Schulen dauerhafte Unterstützung nicht nur bei der Installation, sondern auch bei Unterhaltung der Hard- und Software durch IT-Fachkräfte an den Schulen direkt“, forderte am Freitag Torsten Neumann, Vorsitzender des Verbandes Niedersächsischer Lehrkräfte VNL/VDR.

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