Niedersachsen will ein Konzept für das Paläon vorlegen

Hannover  Die Landesregierung macht aber deutlich: Es muss auch gespart werden, beim Personal und vermutlich auch bei Öffnungszeiten.

 Die Schöninger Speere sind die ältesten vollständig erhaltenen Holzwaffen der Menschheit. Das Landesamt für Denkmalpflege soll das „Paläon“ 2019 in die Regie des Landes übernehmen.

Die Schöninger Speere sind die ältesten vollständig erhaltenen Holzwaffen der Menschheit. Das Landesamt für Denkmalpflege soll das „Paläon“ 2019 in die Regie des Landes übernehmen.

Foto: Foto: Julian Stratenschulte / dpa

. Soweit soll es beim Paläon zwar nicht kommen, doch die Vertreterin des Wissenschaftsministeriums gab sich gelassen. Auch auf 20 000 Besucher im Jahr könne man als Museum doch durchaus stolz sein, sagte Dagmar von Reitzenstein aus der Kulturabteilung des Ministeriums im Wissenschaftsausschuss des Landtags. Rechtzeitig zur Übernahme des Speere-Zentrums will das Land ein Konzept dafür vorlegen, wie es in Schöningen weitergeht. Bis Ende Juni 2019 soll die derzeitige Paläon GmbH die Geschäfte weiterführen.

Mit der angekündigten Übernahme des Paläon durch das Landesamt für Denkmalpflege wollte Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) ein klares Signal senden. „Wichtig ist, dass wir das Paläon in seinem Bestand sichern, um nicht jedes Jahr wegen eines Defizits in die Lage zu kommen, Geld nachschießen zu müssen“, erklärte Thümler im November in einem Gespräch mit unserer Zeitung. „Das Paläon steht, wo es steht, und die Frage, ob es einen besseren Platz dafür gegeben hätte, stellt sich nicht mehr“, sagte der Minister zur immer wieder aufflammenden Debatte um die Lage des Speere-Museums und den 15-Millionen-Euro-Neubau.

Nach Angaben des Ministeriums kamen 2018 insgesamt 45 876 Besucher, davon 35 306 zahlende Besucher. Frühere Hoffnungen auf 70 000 oder gar 100 000 Gäste pro Jahr erfüllten sich einmal mehr nicht, ein wichtiger Stützpfeiler sind seit jeher Schülergruppen. Im Ausschuss forderte die SPD-Abgeordnete Annette Schütze, diese Arbeit auf jeden Fall fortzusetzen und abzusichern. Die wissenschaftliche Arbeit im Paläon laufe in Kooperation mit der Senckenberg-Gesellschaft sehr erfolgreich, betonte Ministeriums-Vertreterin von Reitzenstein weiter. Die 300 000 Jahre alten Speere gelten als archäologischer Fund von Weltrang. Mit der Entscheidung, die Jagdwaffen am Fundort zu zeigen, sollte zum einen ein besonderes Besuchererlebnis möglich werden. Der damalige Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) wollte aber mit der Unterstützung des Projekts auch die Region stärken.

Bis das Land seinen Plan für das Paläon vorlegt, sind aber noch viele Fragen zu lösen. Die Landesregierung hat bereits deutlich gemacht, dass es nicht unbegrenzt Geld ins Paläon stecken will. Fünf Stellen will das Land ausschreiben, seit längerem ist auch die Rede von gekürzten Öffnungszeiten. Das Führungs- und Betreuungsprogramm solle über externe Dienstleister abgewickelt werden, so wie in anderen Landesmuseen auch, hieß es in der Sitzung. Noch unklar ist die Rolle der Paläon GmbH, in der das Land nie vertreten war und die aufgelöst werden sollte. Wie gefordert 300 000 Euro Einspareffekte und Synergien zu generieren sei schwierig, sagte die Grüne Eva Viehoff.

„Das über die GmbH abzuwickeln, wäre die günstigste Variante“, sagte die Helmstedter CDU-Abgeordnete Koch zum Einbinden von externen Dienstleistern. Denkbar wäre auch, das Paläon und eine neue GmbH im Zuge des Kohle-Ausstiegs und Bundeshilfen viel breiter aufzustellen - auch wenn das in der Sitzung keine Rolle spielte. „Das Land muss jetzt schnell das erfolgsorientierte Gespräch mit den Gesellschaftern suchen“, sagte der Helmstedter SPD-Abgeordnete Jörn Domeier unserer Zeitung. Das sind Stadt Schöningen und Landkreis Helmstedt, der engagierte Förderverein, die Allianz für die Region und zwei Stiftungen. Von einem runden Tisch noch im Februar ist die Rede.

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