Heiß, heißer, 2018

Niedrige Wasserstände, höhere Spritpreise und schlechte Ernten: Die Dürre zog viele Folgen nach sich.

Wie auch andere Getreidesorten haben auch Roggenpflanzen unter den tropischen Temperaturen gelitten. Landwirt Steffen Haak aus Mecklenburg-Vorpommern zeigt eine vertrocknete Ähre.

Wie auch andere Getreidesorten haben auch Roggenpflanzen unter den tropischen Temperaturen gelitten. Landwirt Steffen Haak aus Mecklenburg-Vorpommern zeigt eine vertrocknete Ähre.

Foto: Carsten Rehder / dpa

Braunschweig. Ein außergewöhnlich sonniges und warmes Jahr liegt hinter Deutschland und Europa, der Sommer stellt gleich mehrere Rekorde auf. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) zählte 75 Sommertage, an denen mindestens 25 Grad gemessen wurden. 20,5 davon waren sogar heiße Tage, an denen das Thermometer mehr als 30 Grad anzeigte. So eine Bilanz wurde seit Aufzeichnungsbeginn 1881 hierzulande noch nie registriert, sagt DWD-Sprecher Uwe Kirsche.

Da kann nicht einmal mehr der Rekordsommer 2003 mithalten, der in Sachen Hitzerekorde bisher als das Maß aller Dinge galt. Denn damals zählten die Meteorologen „nur“ 62 Sommertage und 19 heiße Tage. An Sonnenstunden mangelte es Deutschland ebenfalls nicht: Im Schnitt 770 Stunden voller Sonnenschein wurden bundesweit vom DWD gezählt. Das ist zwar kein neuer Rekord, aber immerhin gehört der Sommer 2018 zu den drei sonnenscheinreichsten seit Beginn der Messungen im Jahr 1951. Für Sonnenanbeter, Freibadfans und Biergartenbesucher ergaben sich also genug Gelegenheiten, das schöne Wetter zu genießen.

Die heißen Temperaturen brachten aber nicht nur Sommerspaß, sondern auch Probleme mit sich. In den ersten elf Monaten des Jahres fiel nach Angaben des DWD viel zu wenig Regen im ganzen Land, und die anhaltende Dürre richtete großen Schaden an – beispielsweise im Harz, wo sich nicht nur die Borkenkäfer durch das Wetter geradezu explosionsartig vermehrten und die Landesforsten zur Verzweiflung brachten.

Auch Landwirte in Niedersachsen hatten dieses Jahr wenig zu lachen, was das Wetter anging. Denn die Dürre sorgte für erhebliche Ernteeinbußen auf den Feldern. Vor allem die Kartoffeln traf es hart. Viele der Knollen waren weniger ansehnlich, sie neigten dazu kleiner und schadhafter zu sein. Der Ernteertrag war historisch niedrig: Um ein Viertel soll er im Vergleich zum Vorjahr gesunken sein, nur knapp 4,1 Millionen Tonnen der Knollen wurden in Niedersachsen geerntet, sagte Walter Hollweg von der Niedersächsischen Landwirtschaftskammer gegenüber unserer Zeitung. Ähnlich schlecht sah es bei der Ernte von Mais, Raps und verschiedenen Getreidesorten aus, und auch bei den Zuckerrüben rechneten viele Bauern mit Einbußen.

Am 22. August gab Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) bekannt, dass es sich bei der Dürre um ein „Ereignis von nationalem Ausmaß“ handelt. Damit machte die Ministerin den Weg für staatliche Hilfen frei, die von den Landwirten beantragt werden können. Insgesamt sollten 340 Millionen Euro dafür zur Verfügung gestellt werden, die Hälfte der Kosten trug der Bund, die andere Hälfte die Bundesländer. 14 von ihnen beteiligten sich an dem Programm, lediglich das Saarland und Rheinland-Pfalz meldeten keinen Bedarf an. Allein in Niedersachsen gingen bis zum Stichtag am 30. November mehr als 4000 Anträge auf staatliche Hilfeleistung beim Landwirtschaftsministerium ein.

Die Trockenheit machte sich auch an den Gewässern bemerkbar. In vielen Talsperren ging das Wasser zur Neige, die Okertalsperre führte so wenig Wasser wie seit 1960 nicht mehr. Das kleine Dorf Düna nahe Osterode im Westharz schlug im August Alarm: Die örtliche Quelle, aus der die eigene Wasserversorgung stammt, drohte zu versiegen, das Wasser für die rund 110 Dorfbewohner wurde knapp.

Die Harzwasserwerke, größter Wasserversorger in Niedersachsen, fingen deswegen schon vor Monaten damit an, sich auf den Extremfall vorzubereiten: das sogenannte Doppeltrockenjahr. Von diesem ist die Rede, wenn zwei Jahre lang in Folge zwischen dem 1. November und 31. Oktober weniger als 80 Prozent des durchschnittlichen Niederschlags fallen.

Mitte Dezember kam es dann zu einem historischen Ereignis. Erstmals seit Jahrzehnten nutzten die Harzwasserwerke wegen der anhaltenden Trockenheit die Oberharzer Wasserwirtschaft, welche zum Unesco-Weltkulturerbe gehören. Nicht nur in Niedersachsen und der Region bereitete die Hitze Sorgen, die Dürre hatte ganz Deutschland im Griff. Bis in den kalendarischen Herbst hinein gab es sommerliche Tage und auch die Trockenheit hielt an. Im Oktober etwa waren rund 70 Prozent der Fläche Deutschlands von extremer Trockenheit betroffen, sagte DWD-Agrarmeteorologe Hans Helmut Schmitt.

Bundeswehr setzt in Niedersachsen Moor in Brand

Die Trockenheit wurde auch der Bundeswehr im Herbst zum Verhängnis. In einem Moorgebiet bei Meppen in Niedersachsen führte sie Anfang September Raketentests durch. Allerdings hatte anscheinend niemand beachtet, dass das Moor durch die monatelange Hitze vollkommen ausgetrocknet war: Der Torf fing Feuer, die Tests lösten einen Schwelbrand aus, der sich rasch ausbreitete. Wegen eines defekten Löschfahrzeuges bekamen die Soldaten den Brand nicht unter Kontrolle. Wochenlang brannte das Feuer im Moor, eine 100 Kilometer hohe Rauchsäule stieg darüber auf. Teilweise stand eine Fläche von rund 1000 Fußballfeldern in Brand, der Landkreis Emsland rief zum Schutz den Katastrophenfall aus. Erst mit der Hilfe von mehr als 1600 Einsatzleuten vom Technischen Hilfswerk und den Feuerwehren in Niedersachsen konnte der Moorbrand unter Kontrolle gebracht werden. Mehr als fünf Wochen später verkündet Bundeswehr-Brandchef Andreas Sagurna schließlich: „Der Brand ist aus.“ Der Moorbrand hat aber ein teures Nachspiel. Allein für die angeforderten Einsatzkräfte sollen beim Landkreis Emsland Kosten in Höhe von 760.000 Euro aufgelaufen sein, sagte eine Sprecherin im Dezember.

Teuer wurde es dieses Jahr auch für Autofahrer, denn vor allem in Süd- und Westdeutschland stiegen zeitweise die Spritpreise. Der Grund: Der Rhein führte Niedrigwasser, ausgelöst durch die Hitze und den fehlenden Regen. Tankschiffe, die auf dem Fluss vom Ölzentrum Rotterdam aus unterwegs waren, konnten nicht mehr geladen werden. Dadurch kam es am Rhein zu leeren oder nur halbgefüllten Tanklagern. Der Rhein war nicht der einzige Fluss, der dieses Jahr wenig Wasser führte. Auch andere große Fließgewässer wie Donau und Elbe waren betroffen. Auf der Oder musste sogar teilweise der Güterschiffverkehr ausgesetzt werden.

Noch im Dezember betrug die Tauchtiefe durchschnittlich nur einen Meter, sagte Sebastian Dosch, Sprecher des zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Eberswalde. „Beladen kann da kein Schiff fahren.“ Einen kleinen Silberstreifen am Dürrehorizont gab es aber immerhin zur Weihnachtszeit, zumindest in Niedersachsen. Denn eine Befürchtung bewahrheitete sich passenderweise zur schönsten Zeit des Jahres nicht: Entgegen anfänglicher Befürchtungen blieben die Preise für Weihnachtsbäume weitgehend stabil.

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