Cloppenburg: Schlachthof-Mitarbeiter an Tuberkulose gestorben

Cloppenburg.   Von dem im Betrieb verarbeiteten Fleisch gehe nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisse kein Infektionsrisiko aus, erklärte der Landkreis.

Komplette Schweine laufen nach der Tötung in den Zerlegebereich eines Schlachthofes im Kreis Cloppenburg.

Komplette Schweine laufen nach der Tötung in den Zerlegebereich eines Schlachthofes im Kreis Cloppenburg.

Foto: Ingo Wagner / dpa

In einem Schlachthof im Landkreis Cloppenburg sind mehrere Mitarbeiter an Tuberkulose (TBC) erkrankt. Von aktuell drei Betroffenen sei ein Patient gestorben, teilte der Landkreis am Freitag der dpa mit. Die Männer stammen aus Rumänien. Zuvor hatten mehrere Medien über die Fälle berichtet. Von dem im Betrieb verarbeiteten Fleisch gehe nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen kein Infektionsrisiko aus, betonte die Behörde. In dem Landkreis gab es bereits Anfang des Jahres einen Tuberkulosefall. Der Rumäne sei aus dem Krankenhaus direkt in seine Heimat ausgereist.

Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sind schon in der Vergangenheit TBC-Erkrankungen bei Werkvertragsarbeitern aus Osteuropa in Deutschland bekanntgeworden. "Das System ist auf Ausbeutung ausgelegt, krank und kaputt", sagte der NGG-Geschäftsführer für den Bereich Oldenburg/Ostfriesland, Matthias Brümmer, der dpa. Vor 30 Jahren sei noch jeder Schlachthof-Mitarbeiter regelmäßig ärztlich untersucht worden.

55 positive Befunde

Für aus dem Ausland einreisende Arbeitskräfte sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Hannover keine weitergehenden Gesundheitsuntersuchungen vorgeschrieben. Über die Vorschriften des Infektionsschutzgesetzes für den Umgang mit Lebensmittel sei vor Beginn der Tätigkeit durch das Gesundheitsamt aufzuklären und dann alle zwei Jahre durch den Arbeitgeber, teilte das Ministerium mit.

TBC ist eine weltweit verbreitete, ansteckende Erkrankung. Die Lungentuberkulose als häufigste Form wird durch eine Tröpfcheninfektion übertragen. Daher wurden 96 Kontaktpersonen der derzeit drei Erkrankten getestet, von ihnen erhielten 55 einen positiven Befund. Der Test fällt positiv aus, wenn jemand irgendwann im Laufe seines Lebens mit Tuberkulose in Kontakt gekommen ist.

Astrohauben sind nun Pflicht

"Ein positives Testergebnis bedeutet nicht, dass die Person erkrankt oder ansteckend ist", sagte die Sprecherin des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Dagmar Ziehm. Allerdings sei der Anteil der positiv Getesteten ungewöhnlich hoch. "Wir hätten eher erwartet, dass bis zu 20 Prozent positiv getestet werden", sagte Ziehm. Bei den Betroffenen werde jetzt die Lunge geröntgt, um eine aktive TBC zu erkennen beziehungsweise auszuschließen.

Nach Angaben des Landkreises hat der Betrieb entschieden, zur Verbesserung der allgemeinen Hygienesituation und für eine erhöhte Produktsicherheit das Tragen von sogenannten Astrohauben zur Pflicht zu machen. Diese haben einen Mundschutz. Von einer Ansteckung über das Fleisch sei schon deshalb nicht auszugehen, weil acht Stunden direkter Kontakt mit einer infizierten Person Voraussetzung seien. Das Unternehmen verschickte zunächst keine Stellungnahme.

In Niedersachsen 392 Tuberkulosefälle

Der Tod des Wanderarbeiters sei eine Tragödie, die sich nicht wiederholen dürfe, sagte die Grünen-Fraktionschefin im Landtag, Anja Piel: "Am Umstand, dass osteuropäische Wanderarbeiter mit schlechteren gesundheitlichen Voraussetzungen bei uns ankommen, können wir nichts ändern. Was diese Landesregierung aus CDU und SPD aber ändern kann, sind die Rahmenbedingungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Wohnsituation dieser Menschen." Notwendig sei ein interministerieller Arbeitskreis. Es gelte auch zu prüfen, ob auf Schlachthöfen mit Werkverträgen und Akkordarbeit noch Tierschutzstandards eingehalten werden.

In Niedersachsen wurden nach Angaben des Landesgesundheitsamtes in diesem Jahr bisher 392 Tuberkulosefälle übermittelt, 2017 waren es 348. Die Krankheit ist meldepflichtig. Nach Daten des Robert-Koch-Instituts von 2017 sind bei Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit 2,2 von 100.000 Einwohnern betroffen, bei Ausländern in Deutschland 40 von 100.000.

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