Gut angelegtes Steuergeld?

„Neben den Betrieben sollen auch die Azubis unmittelbar profitieren. Das klingt gut. Aber es stellen sich auch Fragen.“

Besser kann man sein Geld wohl kaum anlegen: Die staatlichen Hilfsprogramme für die Berufsausbildung in der Corona-Krise werden fast einhellig begrüßt als zwingende Investition in die Zukunft. Und es stimmt: Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ist gesunken. Gleiches gilt auch für die Bereitschaft von Jugendlichen, sich in der gegenwärtige unsicheren Situation zu bewerben. Je weniger ausgebildet wird, desto größer wird der Fachkräftemangel. Das heißt aber auch: Letztlich ist es im eigenen Interesse der Unternehmen, den Nachwuchs heranzuziehen. Deshalb dürfen diese Prämien nur eine zeitlich begrenzte Hilfe sein. Manche Branchen haben sogar echte Probleme, Azubis zu finden – Prämien hin oder her.

Nach den 500 Millionen Euro vom Bund macht nun also auch die niedersächsische Landesregierung 18 Millionen locker. Eine Besonderheit: Neben den Betrieben sollen auch die Azubis unmittelbar profitieren. Das klingt gut. Aber schaut man genauer hin, dann stellen sich auch Fragen. Belohnung von Mobilität und Flexibilität heißt hier etwa: Azubis, die 45 Kilometer und mehr zum Betrieb pendeln, erhalten einmal 500 Euro Prämie. Wäre es da nicht nachhaltiger – und umweltfreundlicher – würde das Land die Kommunen beim Bau von bezahlbarem Wohnraum für Azubis fördern? In Braunschweig und Wolfsburg jedenfalls mangelt es daran. Bei allem guten Willen, der aus den Azubi-Programmen von Bund und Land spricht: Gerade jetzt gilt es langfristig zu denken, damit wir nach dem Ende der Steuergeld-Kur besser dastehen als vorher.

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