Volkssport Schwarzarbeit

„Der Betrug am Gemeinwesen gilt quer durch alle Gesellschaftsschichten als Kavaliersdelikt.“

Erinnern Sie sich noch an das Aufzugskartell? Selbst in Gebäuden der Europäischen Union wurden die obersten Wettbewerbshüter aus Brüssel fündig, als sie dem Verdacht illegaler Preisabsprachen vor über 15 Jahren nachgingen. Sogar das Zentrum der europäischen Gemeinschaft sahen die Hersteller offenbar als Selbstbedienungsladen. Es folgten Kartelle rund um Bier, Schienen und Lastwagen. Auch bei Matratzen gab es illegale Absprachen.

Fälle wie diese zeigen: Auch in der vermeintlich sauberen europäischen Wirtschaftswelt, die im Antikorruptionsranking der Organisation Transparency International regelmäßig die vorderen Ränge belegt, liegt viel im Argen. Nicht nur in Ländern wie Griechenland und Italien, die einem beim Thema Schatten- und Vetternwirtschaft wohl als Erstes in den Sinn kommen. Sondern auch in Deutschland.

Das Problem fängt im Kleinen an. In Zigmillionen Haushalten arbeiten Putzkräfte schwarz. Das Ausmaß hat kürzlich das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ermittelt: 88,5 Prozent der Reinigungskräfte sind illegal beschäftigt – obwohl die Anmeldung einer legalen Beschäftigung über die Minijob-Zen­trale heute eine einfache Sache ist.

Den Handwerker ohne Rechnung zu bezahlen, ist ein ebenso beliebter Volkssport. Es sind eben nicht nur die Konzerne, in denen immer wieder schamlos zulasten der Kunden und Verbraucher gehandelt wird. Der Betrug am Gemeinwesen gilt quer durch alle Gesellschaftsschichten als Kavaliersdelikt.

Da ist es ein gutes Signal, dass Bundesfinanzminister Olaf Scholz das Personal bei der zuständigen Sondereinheit beim Zoll, der Finanzkontrolle Schwarzarbeit, bis ins Jahr 2026 fast verdoppeln will, auf dann 13.500 Kontrolleure. Ein deutlich entschlosseneres Vorgehen gegen Korruption, Kartelle und Schwarzarbeit wäre ein gutes Signal für mehr Gerechtigkeit.

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