K-Frage zur Unzeit

„Denn die Fragen, denen sich die CDU und ihre Chefin dringend stellen müssen, sind andere K-Fragen.“

Das muss man erstmal schaffen: die SPD verliert krachend die Europawahl und im Anschluss ihre Parteivorsitzende . Keiner will neuer SPD-Chef werden, mühevoll wird ein Trio bestimmt. Die CDU könnte sich als Koalitionspartner und politischer Gegner als Hort der Stabilität darstellen, sich auf Sachfragen konzentrieren und die eigenen Missstände angehen. Doch was machen die Christdemokraten daraus? Debattieren ohne Not die Frage, wer Kanzlerkandidat werden soll. Noch steht überhaupt kein Wahl-Termin (außer dem regulären im Jahr 2021) fest.

Eine Interview-Äußerung des Unions-Fraktionsvorsitzenden Ralph Brinkhaus, der sich auf CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer als Kanzlerkandidatin festlegte , wurde zum Auslöser einer schädlichen und verfrühten Debatte. Gut gemeint, aber schlecht gemacht? Ein verunglücktes Machtwort? Taktische Spielchen?

Die Fragen, denen sich die CDU und ihre Chefin dringend stellen müssen, sind andere K-Fragen: Die Kommunikation etwa – die in die Partei hinein und die nach außen. Die Frage des Klimas, der (politischen) Konkurrenz und der Koalition. Erst ganz am Ende kommt die Kandidatenfrage.

Hört man in die Partei hinein, dann gewinnt man den Eindruck, das Adenauer-Haus hat den Gesprächsfaden in die Landesverbände und die Vereinigungen – den Annegret Kramp-Karrenbauer als Generalsekretärin mühevoll aufgebaut hatte – verloren. Das Youtube-Desaster wird ihr angelastet. Die Verteufelungskampagne der Grünen („grüne Socken“) kommt nicht gut an.

Es braucht schnell einen Aufschlag der Parteichefin, ein Klimakonzept, das Wirtschaft und Umweltschutz sinnvoll verbindet. Denn sollte sich der Umfrage-Trend der Grünen in Wahlergebnissen niederschlagen, kann sich die Union um eine andere Kandidatenfrage prügeln: die des Vizekanzlers oder des Oppositionsführers.

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