ADFC: Parken auf Radwegen zeugt von gefährlichem Egoismus

Braunschweig.  Die Deutschen lassen sich immer mehr Pakete bis zur Haustür liefern. Für Radfahrer sind diese Situationen brenzlig.

Wohin, wenn der Radweg versperrt ist? Eine Situation aus Berlin.

Wohin, wenn der Radweg versperrt ist? Eine Situation aus Berlin.

Foto: Gerhard Westrich / ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club)

In Wolfsburg und Umgebung hat man gute Möglichkeiten, Rad zu fahren. Es wurde viel getan. Doch das Zuparken der Radwege durch Paketlieferanten stört häufig in der Innenstadt.

Dies bemerkt unser Leser Helmut Krüger aus Fallersleben

Zum Thema recherchierte
Dirk Breyvogel

Fahrradfahrer fühlen sich in deutschen Städten immer unsicherer. Das ergab der Fahrradklima-Index, den der Bundesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Berlin vorgestellt hat. Finanziert wird die Studie vom Verkehrsministerium.

Ein wesentlicher Grund für die wachsende Unsicherheit derjenigen, die gerne in die Pedale treten, ist der oft fehlende Platz im Straßenverkehr. Der Abstand zu anderen Verkehrsteilnehmern wird als bedrohlich empfunden, dadurch entstünden öfters brenzlige Situationen. Auf dieses Problem weist auch der Leser mit seiner besonderen Fragestellung hin. Auch der ADFC hält zugeparkte Rad- und Fußwege für ein Grundübel, das mit steigender Paketauslieferung, immer weiter zunehme. Die Radfahrlobbyisten schreiben in einer Stellungnahme: „Das Falschparken auf Radwegen ist ein Massenphänomen – und ein Riesenproblem für den Radverkehr. Falschparken auf Radwegen ist kein Kavaliersdelikt, sondern gefährlicher Egoismus zulasten ungeschützter Verkehrsteilnehmer.“

Laut der deutschen Paketzulieferindustrie sind die Zustellungen von Kurier, Express- und Paketzustellungen von der Jahrtausendwende bis heute von etwa 1,7 Milliarden Sendungen auf 3,3 Milliarden im Jahr 2017 gestiegen. Die Prognose für das Jahr 2022 liegt bei mehr als 4,3 Milliarden Zustellungen. Der Interessensverband Paket und Logistik (BIEK) fordert zusammen mit dem Einzelhandelsverband in Deutschland mehr offizielle Ladezonen in deutschen Städten und auch rechtlich bindende Verkehrszeichen. „Die Politik hat das Thema erkannt“, sagt BIEK-Sprecherin Elena Marcus-Engelhardt unserer Zeitung. Immer mehr Ladezonen würden von Autos zugeparkt, so dass Fahrer oftmals keine andere Wahl hätten, als in zweiter Reihe zu parken. Sie verweist auf eine Studie für die Städte Leverkusen und Köln. Dort würden 81 Prozent der offiziellen städtischen Ladezonen zum Be- und Entladen permanent von anderen Autofahrern zugeparkt, so Marcus-Engelhardt.

Der ADFC wirft den Kommunen vor, Falschparker nicht mit dem nötigen Nachdruck zu verfolgen. Zugeparkt würden nicht nur Radwege, sondern auch Gehwege, Rollstuhlrampen, Feuerwehrzufahrten, Busspuren und Tram-Gleise. Die Gefahr zu unterbinden sei Aufgabe des Staates. Er fordert eine sichere Fahrradinfrastruktur, die auch dann funktioniert, wenn Polizei und Ordnungsamt nicht daneben stünden.

Die Stadt Braunschweig erklärt: „Es kommt in solchen Fällen immer mal wieder zu Anzeigen durch den Ordnungsdienst“, sagt Sprecher Rainer Keunecke. Dabei spiele jedoch oft der Zufall eine Rolle. Politessen müssten den Fahrer auf frischer Tat ertappen, oder Anwohner müssten das Falschparken in zweiter Reihe melden. Die Stadt Wolfsburg nennt die Zahl der ausgestellten Verwarnungen „unauffällig“.

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