Traumbilder in Wachs

Wolfenbüttel.  Heike Jeschonneks Ausstellung „bis hierher“ im Kunstverein Wolfenbüttel zeigt auch die Beherrschung kunstvoller Techniken.

Zeichnung in Wachs von Heike Jeschonnek im Kunstverein Wolfenbüttel.

Zeichnung in Wachs von Heike Jeschonnek im Kunstverein Wolfenbüttel.

Das schönste Motiv wird zum Flop, wenn dem Künstler die adäquate Technik fehlt. Andererseits kann ein belangloser Gegenstand Staunen hervorrufen, wenn die Beherrschung künstlerischer Gestaltungsmittel ihn verwandelt. Geradezu verzaubert werden die sichtbaren Dinge in den Bildern der Wahlberlinerin Heike Jeschonnek, die sie im Kunstverein Wolfenbüttel vorstellt.

Zeichnungen in Wachs nennt sie ihre Schöpfungen. Aber sie sind mehr als das. Neben fragilen Liniengefügen tauchen auch Farbwelten aus den vernebelten Malgründen auf. Jeschonneks Geheimnis ist die Technik. Lange hat sie mit Paraffin und Ölfarbe experimentiert, bis Form und Ausdruck übereinstimmten, um Erinnerungen sichtbar zu machen.

Sie tauchen aus dem Gedächtnis auf, werden klar, bleiben verschwommen oder verlöschen. Sie vermischen sich mit Traumbildern oder verknüpfen Erfahrungen verschiedener Zeit- und Raumebenen miteinander. Das alles gelingt überzeugend durch die ungewöhnliche Technik.

Heike Jeschonnek streicht erwärmtes farbloses Paraffin auf Papier oder Leinwand, ritzt die Zeichnungen in die leicht brüchige Oberfläche, wischt Ölfarbe in die Spuren, setzt einen zweiten Wachsfilm über Zeichnung und Malerei, um Schutz und weiche Bilderinnerungen zu erzeugen.

Natürlich gibt es noch weitere Raffinessen. Thematisch steht ihr alles zur Verfügung: Sie bettet Pflanzen und Ornamente in den Malgrund, fügt Tiere und Menschen hinzu, liebt weite Landschaften und markante Architektur der Städte. Asien und Berlin verbinden sich. Wölfe jagen Beute an der Spree, in der Teenager baden und romantische Seerosengewächse wuchern. Der Fernsehturm winkt von ferne.

Istanbul zeigt seine Hagia Sofia, über der rote Riesenkraken ein Feuerwerk veranstalten. Ein Mann schiebt sein Moped übers Feld, im Hintergrund die Großstadtkulisse. Menschen aus anderen Zeiten und fremden Kulturen haben sich auf schwarzen Untiefen versammelt, Nähe und Ferne bilden einen weichen Raum. Vergangenheit und Gegenwart verknüpfen sich.

Reiseeindrücke, Medienvorlagen, Ornamente, Architektur- und Naturstudien, sogar vertraute Werke der Kunstgeschichte werden verarbeitet. Bis zu zwei Meter messen die empfindlichen Bilder hinter sorgfältiger Rahmung. Sie sind ein besonderes Bilderlebnis.

Bis 24.Februar Di.-Fr. 16-18 Uhr, Sa./So. 11-13 Uhr. Künstlergespräch mit Heike Jeschonnek am 24.Februar.

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