„Lanz“: Kékule hält Herdenimmunität für nicht erreichbar

Berlin  Corona-Schnelltests wecken Hoffnung auf mehr Normalität. Aber ist diese begründet? Darüber diskutierte Markus Lanz mit seinen Gästen.

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Markus Lanz, Moderator der ZDF-Talkshow "Markus Lanz".

Markus Lanz, Moderator der ZDF-Talkshow "Markus Lanz".

Foto: dpa-Bildfunk

Die Zuschauer des ZDF-Talks „Markus Lanz“ konnten am Dienstagabend Szenen aus Israel sehen, die sich so viele Menschen in Deutschland zurzeit sehnsüchtig zurückwünschen – geöffnete Shoppingmalls und Geschäfte, Menschen auf den Straßen und sogar in Fitnessstudios. Doch Deutschland steht möglicherweise an der Schwelle einer dritten Corona-Welle, vor der Bundeskanzlerin Angela Merkel zuletzt eindringlich warnte.

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Markus Lanz diskutierte mit seinen Gästen die Frage, ob Corona-Schnelltests zu mehr Normalität führen oder den Lockdown in Deutschland beenden könnten. Außerdem wurde die Ausstattung der Schulen für das digitale Lernen unter Pandemiebedingungen kritisiert. Überlagert wurde die Diskussion von der Frage, wie wichtig das Vertrauen in die Politik in Zeiten der Krise ist.

„Markus Lanz“ – das waren die Gäste am Dienstag

  • Alexander Kekulé: Virologe
  • Marlis Tepe: Gewerkschafterin
  • Thomas de Maizière (CDU): Politiker
  • Martin Knobbe: Journalist
  • Michael Bewerunge: Journalist

Israel: Vorteile für Geimpfte mit dem „grünen Pass“

Zu Beginn der Sendung besprach Moderator Markus Lanz die Corona-Lage in Israel mit dem ZDF-Journalisten Michael Bewerunge, der aus Tel Aviv zugeschaltet war. Israel hatte inmitten der Corona-Pandemie zuletzt Erleichterungen für Bürgerinnen und Bürger mit dem sogenannten „grünen Pass“ eingeführt.

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Dieser ist mit zurückgenommenen Pandemie-Beschränkungen für Geimpfte und Genesene verbunden, sodass zum Beispiel Theater, Hotels oder Fitnessstudios besucht werden könnten. Und auch bei den Impfungen scheint Israel eine erfolgreiche Strategie zu verfolgen: 90 Prozent der über 50-jährigen seien bereits zweifach gegen das Coronavirus geimpft worden.

„Es stirbt fast keiner mehr von den Alten, zumindest nicht an Corona“, berichtete Bewerunge. Trotz eines Inzidenzwerts von über 200 sei die Risikogruppe bald flächendeckend geschützt. Erreicht das Land bald die vielbeschworene Herdenimmunität und kann die Pandemie hinter sich lassen?

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Kékule: Herdenimmunität wegen Corona-Mutationen nicht erreichbar

Bewerunge erklärte: „Die meisten Menschen, Bürgermeister und Epidemiologen sagen: Wir müssen auf Dauer mit diesem Virus leben. Von denen, die sich bislang nicht impfen haben lassen, wird erwartet, dass sie es auch noch tun.“ Der soziale Druck, sich impfen zu lassen, steige deutlich an.

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Auch Virologe Alexander Kekulé gab sich diesbezüglich skeptisch. Für ihn sei das Konzept Herdenimmunität nicht realistisch. Kekulé sagte: „Rein theoretisch muss man davon ausgehen, dass in der Welt zig Varianten unterwegs sind, die wir noch nicht auf dem Schirm haben.“

Moderator Markus Lanz rückte nun die Bedeutung von Corona-Schnelltests in den Mittelpunkt des Talks. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stand zuletzt wegen seiner von Kanzlerin Angela Merkel verschobenen Schnelltest-Offensive in der Kritik. Spahn hatte versprochen, am 1. März mit der Schnelltest-Offensive zu starten. Lesen Sie hier: Corona-Schnelltests für Laien: Das muss man wissen

Der ehemalige Innenminister und CDU-Politiker Thomas de Maizière kritisierte von Politikern festgelegte Termine in der Pandemie-Politik. Er betonte die Rolle von Vertrauen in Krisen-Zeiten: „Die einzige Währung, die in der Krise zählt, ist Vertrauen. Nichts weiter.“

Corona: Mit Schnelltests aus dem Lockdown

Markus Lanz fragte Kekulé mit Blick auf Corona-Schnelltests – wie die sogenannten „Gurgel-Tests“ aus Österreich – und breit angelegte Teststrategien in anderen Ländern: „Warum sind wir nicht in der Lage, da mal wirklich nachzulegen?“ Für Kekulé war das eindeutig eine politische Frage. Er erklärte: „Die WHO hat gesagt, dass die Schnelltests gefährlich sind, weil sie positive Testergebnisse zum Teil nicht erkennen.“

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Dennoch könnten die Tests als Ergänzung zu regulären Testungen zu mehr Normalität in der Pandemie beitragen. Kekulé plädierte dafür, in der aktuellen Phase der Corona-Pandemie viel „selektiver“ vorzugehen – unter anderem mit den besprochenen Corona-Schnelltests.

Ob sich Schnelltests als Kontrollmaßnahme für Schul-Öffnungen eignen würden, sei für ihn nicht abschließend klar. Er sprach sich für die Öffnung von einige Schulen unter wissenschaftlicher Begleitung aus. Die Schnelltests könnten so an Schul- und Kitakindern im Präsenzbetrieb angewandt und erprobt werden.

Schulen leiden unter Erwartungsdruck

Die Schul-Expertin und Gewerkschafterin Marlis Tepe, die 280.000 Lehrerinnen und Lehrer vertritt, plagten andere Sorgen. Besonders nicht eingehaltene Versprechungen der Politik ärgerten sie. Tepe betonte, dass die voranschreitende Digitalisierung in der Pandemie zwar ein „unheimlicher Schub“ und eine positive Entwicklung sei, es aber dabei weiterhin massive Probleme gebe.

Sie hob besonders die Ausstattung von Schulen mit Laptops hervor und erklärte: „Das Erwartungsmanagement hat nicht geklappt. Wir können nicht einhalten, was die Politik verspricht.“ Sie forderte außerdem eine „klare Kommunikation“ durch die Politik. Lesen Sie auch: Pro und Contra: Sollen Schulen und Kitas wieder öffnen?

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Tepe sagte, dass sie die regelmäßigen Corona-Gipfel der Kanzlerin mit den Regierungschefinnen und -chefs der Länder grundsätzlich begrüße. Sie kritisiert aber auch: „Innerhalb von 24 Stunden hat jeder Ministerpräsident diese Entscheidung anders interpretiert. Man wünscht sich klare Kriterien und möchte dann vor Ort entscheiden.“

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