Virologe fordert bei Illner Alternative zum Corona-Lockdown

Berlin.  Der mögliche Corona-Impfstoff stand bei „Maybrit Illner“ im Fokus. Gleichzeitig gab es heftige Diskussionen um das Thema Lockdown.

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Wenn der Impfstoff kommt: Wer wird zuerst geimpft?

Dank Biontech werden die ersten Menschen in Deutschland schon 2021 gegen eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus geimpft werden. Über die Frage, welche Personengruppen zuerst geimpft werden, diskutieren Experten und Politiker.

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  • Einigkeit bei „Maybritt Illner“: Alle Gäste sehen die Nachrichten über einen möglichen Corona-Impfstoff positiv
  • Dennoch bleiben rund um das neue Präparat noch einige Fragen offen
  • Zudem kam es schließlich zu heftigen Diskussionen um das Thema Lockdown

Maybrit Illner beschäftigte sich am Donnerstagabend mit dem Silberstreif am Corona-Horizont: Einer potenziellen Impfung gegen das Virus . „Große Hoffnung, knappe Mittel – Kraftakt bis zur Impfung?“, lautete der Titel der Sendung.

Diskutiert wurde das Thema vom Virologen Jonas Schmidt-Chanasit, dem Infektiologen Peter Kremsner, der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und ihrem sächsischen Kollegen Michael Kretschmer (CDU) sowie von der Ethikerin Alena Buyx und dem Intensivmediziner Stefan Kluge.

„Maybrit Illner“ zur Corona-Pandemie: Ist der Impfstoff Grund zur Euphorie?

Bei der Einordnung des Biontech-Impfstoffs war sich die Runde relativ einig: Eine hervorragende Nachricht, zumal der Hersteller von einer 90-prozentigen Wirksamkeit ausgeht. Allerdings stellen sich auch einige Fragen. „Wie lange wirkt er?“, warf etwa Alena Buyx vom Deutschen Ethikrat ein. Und der Hamburger Virolge Schmidt-Chanasit gab zu bedenken, dass man eine Impfstrategie erst entwickeln könne, wenn klar sein, in welchen Altersgruppen der Stoff wie gut funktioniere. Lesen Sie hier: Biontech – Wer kriegt den deutschen Impfstoff zuerst?

Einen wichtigen Punkt machte auch der Intensivmediziner Kluge. „Wir müssen vorsichtig sein und die Studie abwarten“, forderte er. Sicherheit und Nebenwirkungen seien entscheidende Themen, wenn es um die Impfbereitschaft im Land gehe. Um die muss man sich tatsächlich sorgen: Die Umfragen dazu schwanken stark. Lesen Sie hier: Wie der Corona-Impfstoff von Biontech unseren Körper schützt

Coronavirus: Wie sicher werden die Impfstoffe sein?

Peter Kremsner versuchte, diese Sorgen zu entkräften. Er kann es wissen: Der Virologe leitet die Impfstudie von Curevac, einem Biontech-Konkurrenten. Der Curevac-Impfstoff sei sicher, sagte Kremsner mit Verweis auf seine bisherigen Erkenntnisse. „Die Daten zeigen das.“ Das klang gut, doch wird eine umfassende unabhängige Prüfung dieser Feststellung notwendig sein, um mögliche Bedenken wirklich zu zerstreuen.

Mehr zum Thema: „Illner“: Helge Braun warnt vor zweiter „Welle mit Wucht“

Ein anderes Thema ist das Geld. Es ist eine außergewöhnliche Lage, doch kann man durchaus kritisch sehen, dass den Pharmakonzernen ein riesiges Geschäft blüht – und die Produktentwicklung von Staaten mitfinanziert wird.

Die Ethikerin Buyx nannte es daher „klug“, dass einige Unternehmen ihre Impfstoffe unter Marktpreis verkaufen wollen. Schließlich handle es sich um einen Beitrag zum Allgemeingut. „Man sollte bei der Bepreisung zurückhaltend sein“, forderte sie.

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Ist der Impfstoff der Weg aus der Pandemie?

Immerhin etwas Kontroverse kam auf, als Schmidt-Chanasit eine alternative Strategie forderte. „Es ist für alle nicht gut, wenn wir von Wellenbrecher-Shutdown zu Wellenbrecher-Shutdown marschieren“, sagte der Virologe zur aktuellen Situation. Klüger als strenge Maßnahmen sei, die Abstands- und Hygieneregeln besser zu vermitteln. „Dann muss man kein Theater zumachen.“

Lesen Sie hier: Mit Mundwasser und Maske gegen zweite Corona-Welle?

Alena Buyx konterte diese Forderung – und kritisierte zugleich, dass Schmidt-Chanasit sie mit Kollegen mitten im exponentiellen Wachstum aufgestellt habe. Mehr Eigenverantwortung sei erst wieder möglich, wenn die Zahlen gesunken seien, sagte sie.

Das Fazit

Viel Neues hatte diese Runde nach der Biontech-Ankündigung nicht zu erzählen. Das ist aber verzeihbar. In der Corona-Krise wird alles immer und überall kommuniziert.

Zugute halten kann man Maybrit Illners Gästen aber, dass eins sehr deutlich wurde: Ein Impfstoff kann der Anfang vom Ende der Pandemie sein. Doch es wird noch eine ganze Weile dauern, bis wir an diesem Punkt sind.

Zur Ausgabe von „Maybrit Illner“ in der ARD-Mediathek.

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