Kurze Ära – Präsidentin Ohlraun verlässt HBK Braunschweig

Braunschweig.  Die Kunsthistorikerin und Ethnologin wolle sich wieder der eigenen Forschung widmen, heißt es in einer knappen Pressemitteilung.

Vanessa Ohlraun (47) legt auf eigenen Wunsch ihr Amt als Präsidentin der Braunschweiger Hochschule für Bildende Künste nieder.

Vanessa Ohlraun (47) legt auf eigenen Wunsch ihr Amt als Präsidentin der Braunschweiger Hochschule für Bildende Künste nieder.

Foto: Foto: Stefan Lohmann / Archiv

Diese Ära währt nicht viel länger als die gut zweieinhalbjährige ihres Vorgängers Hubertus von Amelunxen. Vanessa Ohlraun wird ihr Amt als Präsidentin der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK) auf eigenen Wunsch aufgeben. In einem Schreiben an das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur erklärte sie ihren Rücktritt zum 31. Dezember, teilte die HBK gestern Abend mit.

Angetreten hatte Ohlraun ihre Präsidentschaft am 1. Januar 2017. Zwischenzeitlich war sie wegen der Geburt ihres ersten Kindes für einige Monate in Elternzeit gegangen.

Neustart an der HBK

Sofortige Suche nach einer Nachfolgerin oder Nachfolger

Hochschulintern hatte die 47-jährige Ethnologin und Kunsthistorikerin vor einigen Wochen bekanntgegeben, dass sie sich auf eine andere Leitungsstelle beworben habe, allerdings ohne Erfolg. Entsprechende Gerüchte aus der HBK bestätigte Pressesprecher Jesco Heyl kürzlich auf Anfrage unserer Zeitung. Ein von uns erbetenes Gespräch kam aufgrund einer Erkrankung der Präsidentin nicht zustande.

„Wir danken Frau Ohlraun für ihr Engagement“, wird Niedersachsens Wissenschaftsstaatssekretärin Sabine Johannsen in der aktuellen Pressemitteilung der Hochschule zitiert. „Ich respektiere Vanessa Ohlrauns Entscheidung, künftig wieder wissenschaftlich zu arbeiten. Ihr Rücktritt bedeutet für die HBK, dass sie sich nun sofort auf die Suche nach einer neuen Präsidentin oder einem neuen Präsidenten begeben wird.“

Auch der Vorgänger ging plötzlich

Am 1. Januar 2017 war Vanessa Ohlraun als Präsidentin angetreten, „um die HBK durch strukturelle Veränderungen und eine international ausgerichtete Berufungspolitik weiterzuentwickeln“. Zuvor war die Kunsthochschule gut drei Jahre kommissarisch vom damaligen Vizepräsidenten Nikolas Lange geleitet worden – nach dem überraschenden Abgang von Amelunxens, der sie im Juli 2013 wie nun Ohlraun auf eigenen Wunsch verließ.

Die HBK war damals unter die Aufsicht des niedersächsischen Finanzministeriums gestellt worden, weil sie ein hohes Defizit aufgebaut hatte. Lange gelang es, die Finanzen wieder in den Griff zu bekommen, die bauliche Sanierung der Hochschule sowie Pläne für ein neues Ateliergebäude voranzutreiben.

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Die Kunst, mit Anstand zu streiten

Zudem stellte er gemeinsam mit dem damaligen Präsidium einen seit Jahren überfälligen Hochschulentwicklungsplan fertig. Allerdings machte sich der zupackende Verwaltungsexperte dabei nicht nur Freunde in der HBK. Ein halbes Jahr nach Ohlrauns Amtsantritt ging er – inmitten von massiven Studentenprotesten gegen Einschränkungen der Atelieröffnungszeiten ab dem späten Abend. Die Proteste konnte Ohlraun schließlich mit einem Kompromiss befrieden.

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Die HBK gilt als schwer zu leiten

Die HBK gilt nicht nur aufgrund teils widerstreitender Interessen der Fachbereiche Freie Kunst, Design, von Theoretikern und Praktikern als schwierig zu leiten. Während ihrer Amtszeit, so die aktuelle Pressemitteilung, sei es Vanessa Ohlraun gemeinsam mit den Mitgliedern der Hochschule gelungen, „die zukunftsträchtigen Themen der Nachwuchsförderung, Internationalisierung, Nachhaltigkeit, Geschlechtergerechtigkeit und Diversität auf die Agenda der Hochschule zu setzen und in den Zielvereinbarungen mit dem Land Niedersachsen zu verankern“.

Ab 2021 wolle sie sich an der Leibniz Universität Hannover wieder der eigenen Forschung widmen. Der HBK wünsche sie für die weitere Entwicklung „alles Gute“.

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