Corona-Talk bei ProSieben zeigt, wie gutes Krisen-TV geht

Berlin.  Das Coronavirus legt den Alltag nahezu lahm – und wirft viele Fragen auf. ProSieben widmet sich diesen mit einer interaktiven Sendung.

Kontaktsperren in der Corona-Krise: Diese Regeln gelten jetzt

Abstand halten und Kontakte weiter reduzieren: Auf diese Regeln haben sich Bund und Länder geeinigt, um Infektionen mit dem Coronavirus einzudämmen.

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Viele Menschen in Deutschland sind zur Zeit verunsichert. Und das nicht allein, weil ein im Zweifelsfall tödliches Virus grassiert. Sondern auch, weil sie um ihren Arbeitsplatz, ihren Wohlstand, die nächste Miete bangen und sich über die genaue Interpretation der neuen Ausgangsbeschränkungen den Kopf zerbrechen.

ProSieben will diese Sorgen auffangen – mit einer Live-Sendung in der das Publikum die Fragen stellt. „ProSieben LIVE. Deutschland fragt zu Corona“ ist quasi die Fernseh-Version der Corona-Hotlines, die jedes Bundesland eingerichtet hat. Natürlich antworten in der Sendung aber ein wenig prominentere Berater.

ProSieben-Talk zu Corona – das waren die Gäste:

  • Markus Söder, CSU, bayerischer Ministerpräsident
  • Olaf Scholz, SPD, Bundesfinanzminister
  • Arzt und Biochemiker Prof. Dr. Alexander Kekulé
  • Unternehmer Frank Thelen
  • Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Beate Leinberger

Olaf Scholz zeigt Mitgefühl für Betriebe, die wegen Corona vor dem Aus stehen

Die meisten Fragen des Publikums, die per Videocall, Telefonanruf, Twitter oder Whatsapp eintrudeln, richteten sich an Finanzminister Olaf Scholz. Die meisten Zuschauer sorgen sich eben vor allem um ihre wirtschaftliche Situation. Einem Gastronomen bricht die Stimme weg, als er Scholz nach den konkreten Kreditmöglichkeiten für seinen Betrieb fragt.

Der Minister zeigt Mitgefühl: „Ich sehe die Verzweiflung, die ganz viele plagt, die bis vor Kurzem noch einen gut laufenden Laden hatten.“ Er hofft, dass mit dem frisch beschlossenen Rettungspaket der Bundesregierung und der Hilfsprogramme der Länder möglichst vielen geholfen werden kann.

Corona-Gefahrenzulage für Kassenpersonal: Bundesregierung prüft mögliche Steuerfreiheit

„Mit dem Paket von 156 Milliarden Euro – das ist fast die Hälfte eines normalen Staatshaushalts – stellen wir sicher, dass wir erstmal weit kommen“, so Scholz. Man will lieber jetzt einen großen Wurf wagen, als ständig nachjustieren zu müssen. Gleichzeitig sieht er aber auch die Arbeitgeber in der Pflicht, zum Beispiel bei der Zahlung einer Gefahrenzulage an das Kassenpersonal in Supermärkten, nach der eine Zuschauerin fragt. Als Bundesregierung prüfe man aber, inwiefern man diese Zulage zumindest steuerfrei gestalten könnte.

Markus Söder (CSU) beantwortet die Frage einer Hebamme aus Norddeutschland, weshalb es für ihre Kinder keine Notbetreuung gäbe. Außerdem könne sie die Entscheidung vieler Bundesländer nicht nachvollziehen, Väter nicht mehr an der Geburt ihrer Kinder teilhaben zu lassen.

Ladenschließungen wegen Coronavirus: Unternehmer in Sorge
Ladenschließungen wegen Coronavirus- Unternehmer in Sorge

Söder: In Bayern sind Hebammen schon lange „systemrelevant“

Der Politiker erklärt, dass beides in Bayern nicht der Fall sei. Als Vater von vier Kindern wisse er, dass eine Geburt zu den wichtigsten Momenten des Lebens gehöre. Väter dürften in Bayern deshalb selbstverständlich weiterhin bei der Geburt dabei sein. Und der Beruf der Hebamme sei in seinem Bundesland schon lange „systemrelevant“.

An dem Beispiel zeigt sich: Trotz der Absprachen zwischen Bund und Ländern sorgt das föderale System für teilweise drastische Unterschiede bei Maßnahmen in der Corona-Krise. Das ist in dieser Sendung aber eher Nebensache. Stefan Gödde, der den Live-Talk moderiert, legt es nicht auf Diskussion an, sondern darauf, möglichst viele Fragen zu beantworten.

Live-Talk zu Corona-Pandemie bei ProSieben: Beruhigung statt Schlagabtausch

Die Antworten der beiden Politiker verbreiten daher, anders als bei typischen Talkshow-Schlagabtauschen, ein Gefühl von Sicherheit und Beruhigung, eine Idee von „Wir schaffen das“. Auch wenn die Fragen aus dem Fernsehpublikum natürlich speziell und persönlich sind, so kann doch jeder etwas aus der Sendung mitnehmen.

Großeltern sollten in keinem Fall für die Betreuung der Kinder einspringen und Umzugshilfe für Familienangehörige ist, wenn der Termin nicht mehr verschiebbar ist, selbstverständlich noch erlaubt. Und der Biochemiker Alexander Kekulé erklärt, dass es nun erstmal wichtig sei Schnelltests für das Virus zu entwickeln, um vom „social distancing“ zum „smart distancing“ zu wechseln. So könne bald wieder Normalität in das Leben vieler Menschen einkehren.

Corona-Fragestunde beeindruckt durch direkte Nähe zu den Menschen

Es mag für die Allgemeinheit nicht die informativste Sendung sein, da die Antworten der Experten eher Einzelfällen gelten. Was ProSieben aber zeigt, ist beispielhaftes Live-Fernsehen in der Krise – nah bei den Menschen und ihren Sorgen. Das kommt beim Publikum an: Zeitweise bricht die Whatsappverbindung der Sendung zusammen, der Hashtag „#Prosiebenlive“ trendet auf Twitter. Und das obwohl die Videoschalten zu den Zuschauern im ruckeligen deutschen Netz eher mäßig funktionieren. Vielleicht sollte die Politik das angehen, wenn die Corona-Pandemie überstanden ist.

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