Im Staatstheater Braunschweig heißt’s jetzt: Ab in Garten

Braunschweig.  Das Staatstheater nutzt eine neue Kleingarteninstallation für alle Stücke seines Spielorts Aquarium. Markus Heinzelmann inszeniert dort zum Auftakt.

Regisseur Markus Heinzelmann in der Kleingartenlandschaft im Kleinen Haus.

Regisseur Markus Heinzelmann in der Kleingartenlandschaft im Kleinen Haus.

Foto: Andreas Berger

Die Installation im Kleinen Haus haut hin. Kunstrasen, Gewächshaus, Plastikgestühl und Schubkarre – ist schon ziemlich viel beisammen von dem, was man im Kleingarten erwartet. Und wenn das Licht durch die Blumenfolien an den Fenstern scheint, sieht das wie Pflanzenpracht in Nachbars Garten aus. So zwischen spießig bis neuökologisch, bürokratisch und naturverbunden schwankt das Image der deutschen Kleingartenkultur.

Für Schauspieldirektor Christoph Diem war der Kleingarten gerade in dieser Mischung als Gemeinschaftsort zum Austragen und Diskutieren gesellschaftlicher Positionen verführerisch. Und so soll das Setting nun eine Saison lang der Raum sein, in dem verschiedene Produktionen des Staatstheaters laufen.

„Das ist auch technisch praktisch, weil wir so nicht für jede Inszenierung umbauen müssen“, erklärt Diem. „Bislang haben wir diese Aquarium genannte Spielstätte ja wie ein Kleines Haus im Kleinen Haus geführt. Jetzt wollen wir die fünf hier geplanten Produktionen bewusst in dieser Rauminstallation ansiedeln, die ein Ort fürs Experiment sein soll und zugleich so gemütlich für die Zuschauer, dass sie vielleicht gern wiederkommen und die anderen Stücke hier angucken.“ Er spricht von Identifikationsort, in dem es Partys geben kann, Hartmut El Kurdis Diashow zum Deutschsein oder eine Uraufführung zum Aufladen der Liebesbatterie, für die in lauschigen Gärten und Lauben ja auch Platz ist.

Zum Auftakt hat sich Markus Heinzelmann mit den Schauspielern eine sogenannte Stückentwicklung vorgenommen. Er inszeniert zwar auch gern Klassiker von Shakespeare und Schiller oder eine pointenreiche Komödie von Oscar Wilde – macht er landauf, landab von Konstanz, wo er als Hospitant startete, über Saarbrücken bis Jena. Aber mit der freien Form hat er auch Erfahrung. Und mit Kleingärten, aber nur als Besuch bei Eltern und Schwiegereltern. Und das Idyll hat er dort ebenso erlebt wie den Streit um überhängende Äste und die Durchsetzung von Paragrafen.

Sein Stück ist ein Projekt wie das Unternehmen der Handvoll Figuren des Stücks, die in ihrem Kleingarten einen Verein für menschenfreundlicheres Zusammenleben gründen. „Das ist Diskussionsort all der großen Utopien, von solidarisch-sozialistisch bis anarchistisch, aber auch der Gefahren wie der Staatsverweigerung der Reichsbürger“, erklärt Heinzelmann.

Dabei entwickelten sich schon Typen, aber um eine Geschichte oder ein lustiges Treffen in der Kleingartenkantine solle es nicht gehen. „Und doch möchten wir auch ein bisschen heiter und schräg sein, es wird gesungen, getanzt, und beim Arbeiten in der Parzelle kommen dann die kleinen Ungereimtheiten zur Sprache wie das Plastikgeschirr oder der Kunstrasen.“ Insofern spiegele sich in den Figuren auch die alltägliche Überforderung, die jeder selber kennt. Und doch solle die Botschaft rüberkommen, dass sich der Aufbruch lohne. So dass die Zuschauer vielleicht sogar gern auch Mitglied in diesem Kleingartenverein würden, sagt Heinzelmann.

Premiere am Sonntag, 15. September, 20 Uhr. Wieder 18., 22., 29. September, 18., 19., 29. Oktober.

Weitere Themenabende:

„Gemüse“ – zu Kleingärten und Vereinen mit Liedern und Lesungen am Donnerstag, 19. September, 20 Uhr.

„Braunschweigs Kleingärten“ – Statistik und Wahrheit, am Dienstag, 1. Oktober, 20 Uhr.

„Nachbarn“ – Himmel oder Hölle auf Gärtnererde mit Juristischem und Anekdotischem am Sonnabend, 12. Oktober, 20 Uhr.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder