Tänzer rücken Wolfsburgs Kunstmuseum zu Leibe

Wolfsburg.   Wolfsburgs Kunstmuseum feiert sein 25-jähriges Jubiläum mit einer Tanzperformance des Staatstheaters und Live-Streichquartett.

Tänzer in der „Fantasy Landscape“ von Verner Panton.

Tänzer in der „Fantasy Landscape“ von Verner Panton.

Foto: Philipp Ziebart / Staatstheater Braunschweig

Da will man ein Bild nochmal als Ganzes betrachten, tritt ein paar Schritte zurück – und liegt, schwups, einer anderen Kunstfreundin im Arm. Beim Jubiläumsfest des Kunstmuseums konnte das eine Tänzerin sein. Denn in den kleineren Sälen oben verhalten sich die Tänzer wie Kunstbetrachter, legen nachdenklich den Zeigefinger ans Kinn. Oder bleiben provozierend auf Tuchfühlung hinter einem Besucher stehen. Kunst im Museum fordert Distanz, zum Werk wie zum Nachbarn. Die Performance der Tänzer des Staatstheaters unter Gregor Zöllig löst das auf.

In den größeren Sälen unten erklingt Musik und animiert auch die Gesten: das Streichquartett Con Piacere spielt Werke des Staatsorchester-Cellisten Henning Bundies. In Christian Boltanskis Fotoarchiv ist das Stück von Schweigen durchsetzt, Abbrüche stehen für das, was wir nicht über die abgebildeten Personen wissen. Die beiden Tänzer suchen hier Nähe, lange umfahren sie die Körper mit den Händen, bevor sie sich berühren. Zärtlich ist ihr Umgang, als wollten sie das Leben feiern wie die Menschen auf den Fotos, als wollten sie die Biografien vorsichtig würdigen, von denen manche der Krieg ausgelöscht hat.

Die Musik vor Verner Pantons bunter „Fantasy Landscape“ hat mal schottischen Anklang, am Ende barocken, zwischendurch postromantisches Traumpotenzial. In Pantons Welt dürfen auch Besucher klettern. Tänzer schmiegen sich da freilich noch ganz anders ein, stehen kopf, überlagern sich.

Joshua Haines rückt mit expressiven Verknotungen auf dem Boden der Seele nahe, dass man sich als Voyeur fühlt, der Einblicke in Tiefen erhält, die ihm nicht zustehen. Gute Kunst rückt auf den Leib, macht sich spürbar. Gute Erfahrung.

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