Geigen-Stars spielen energische Duette in Braunschweig

Braunschweig.  Julia Fischer und Augustin Hadelich spielten ein herrliches Meisterkonzert aus Barock, Romantik und Moderne.

Julia Fischer und Augustin Hadelich interagieren auch körperlich während ihrer Interpretation von Alfred Schnittkes Concerto.

Julia Fischer und Augustin Hadelich interagieren auch körperlich während ihrer Interpretation von Alfred Schnittkes Concerto.

Foto: Martin Winrich Becker

So ein gut komponiertes und attraktiv interpretiertes Konzertprogramm hatten wir lange nicht. Julia Fischer und Augustin Hadelich nutzten beim vorletzten Meisterkonzert der Saison in der Braunschweiger Stadthalle ihr Können und ihren Charme, um auch zeitgenössische Musik vorzustellen, was spannend gelang.

So war der wunderschönen Streicherserenade von Antonin Dvorák, bei der sich Julia Fischer als unaufdringliche Spielleiterin in die Academy of St. Martin in the Fields integrierte, ein Auftragswerk von Andrey Rubtsov vorgeschaltet, das ähnlich strukturiert ist.

Mit drängendem Gestus und nur leicht angeschrägter Harmonik ging es los, von Fischer ausgelöste wild aufrubbelnde Passagen, die sich verbreiteten, trieben die Musik voran. Einem ruhigen, nachdenklichen Thema folgten hohe Streichersequenzen wie Vogelgezwitscher, bevor energisches Aufreiben das Stück des jungen Russen zum Ende führte. Ein spannendes, energiegeladenes Werk mit noch spätromantischer Grundhaltung.

Danach durfte man bei dem echten Romantiker Dvorák schwelgen, besonders in dem herrlichen Walzer und dem wehmütigen Larghetto, bevor wienerischer Einschlag zum antriebigen Finale führte. Die exzellente Academy und Fischer hielten dabei wunderbar die Balance zwischen Sentiment und lichter Struktur.

Und genauso war auch der zweite Konzertteil aufgebaut. Diesmal ging der Klassiker voraus: Bachs Konzert für zwei Violinen BWV 1043 wurde im Zusammenspiel von Julia Fischer und Augustin Hadelich ein delikates barockes Kammerspiel, unaufdringlich in der Motorik des Vivace, von liebevoller Geneigtheit im Largo, aber nie dicke, immer von heiterer Lebensfreude getragen.

Darauf antwortete dann ausgezeichnet Alfred Schnittkes Concerto grosso Nr. 1, das ebenfalls ganz auf die Könnerschaft zweier Sologeiger setzt. Das präparierte Klavier „läutet“ mit tiefen Tönen das Konzert ein, in dem die beiden Geigen dann viel zusammen weinen, streiten und zu neuer Gemeinsamkeit finden. Wie im prallen Leben. Julia Fischer darf dabei den klangvolleren, tiefen Part übernehmen, Hadelich liefert mehr die hellen Töne. Immer wieder kommt es zu Beschleunigungen und Crescendi, das Orchester geht unruhig drunter.

Interessant, wie die Sologeigen von Ton zu Ton springen und dabei die harmonische Mitte meiden. Wie sie gemeinsam klagen, sich mit Glissandi wieder aufwärtsarbeiten oder Zupfer gegeneinandersetzen wie im Gespräch. Das Cembalo unterspült die Solisten mit Wellen, die auch das Orchester aufnimmt. Mal treiben sich die beiden Geigen hoch zum barocken Duett, mal gibt das Cembalo Tango-Rhythmus vor, den das Orchester verschwommen aufnimmt. Dann wieder kommt es zu romantischer Fülle auch im Solisten-Duett und heftigen Streicherattacken wie bei Lutoslawski. Am Ende läutet das Klavier wieder aus, die Solisten verschweben ihre Töne ruhig in die Höhe. Es war aufregend, all dies auch im energischen Spiel, den Bewegungen und der Mimik der Solisten mitzuerleben. Welch zündende Darbietung. Und großer Applaus, man darf das Publikum also ruhig etwas fordern.

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