Braunschweiger Axel Bosse erhält in Goslar den Lincke-Ring

Goslar.  Der Singer-Songwriter wird geehrt für sein Talent, „mit seinen Texten Seelen zu berühren, ohne rührselig oder aufdringlich zu sein“.

Sänger und Songschreiber Axel Bosse auf dem Hof des Ritterguts Lucklum am Elm. In Hemkenrode ganz in der Nähe ist er aufgewachsen.

Sänger und Songschreiber Axel Bosse auf dem Hof des Ritterguts Lucklum am Elm. In Hemkenrode ganz in der Nähe ist er aufgewachsen.

Foto: Florian Arnold

Der Paul-Lincke-Ring 2019 geht an Axel Bosse. Der Sänger und Songwriter habe das Talent, „mit seinen Texten Seelen zu berühren, ohne rührselig oder aufdringlich zu sein“, hieß es in der Begründung der Jury. „Außerdem zeigt er auf und neben der Bühne Haltung und engagiert sich gegen Rechtsextremismus.“

In einem Interview mit dieser Zeitung hatte Bosse im vergangenen Oktober seine Haltung anhand seines Liedes „Robert de Niro“ erläutert. Darin geht es um eine Kellnerin, die angesichts von rechtsradikalem Hass an ihrem Leben und ihrem Land verzweifelt. Der Name des Schauspielers steht wohl assoziativ für den amerikanischen Film „Taxi Driver“, in welchem er einen jungen New Yorker spielt, der aus Wut auf die Verkommenheit seiner Stadt zum Amokläufer wird.

Bosse sagte dazu: „Ich bin ein politischer Mensch. Und ich wollte diesmal, abgesehen von meinen Aktivitäten auf Facebook und Instagram, auch einen politischen Song schreiben. Aber keinen Punkrock-Parolensong. Sondern einen, der das Gefühl der letzten Jahre beschreibt, wenn man im Fernsehen die hassverzerrten Gesichter bei Pegida-Demos sah und einfach schockiert war.“

Der Musiker ist sich bewusst, dass er vor allem für junge Menschen eine Vorbildfunktion hat. Er will rechtzeitig Orientierung bieten: „Die 15- bis 20-Jährigen sind ja die Entscheider von übermorgen. Die meisten sind unpolitisch, auf neue Medien, Klamotten oder die Optimierung ihres Körper fixiert. Bisher war das auch okay, es war ja vieles in Ordnung. Aber jetzt ist es Zeit, sich zu positionieren. Denn wenn die Kids nicht aufpassen, wird die Rechte immer stärker, und dann ist es irgendwann weg, dieses grundsätzliche Wohlfühlklima.“

Zum Lincke-Ring sagte Bosse nach Angaben der Stadt: „Ich freue mich sehr über die Auszeichnung, und es ist mir eine Ehre, gemeinsam mit den großartigen Preisträgern früherer Jahre genannt zu werden.“ Der seit 1955 verliehene Ring erinnert an den Komponisten Paul Lincke, der 1946 in Goslar-Hahnen- klee beigesetzt wurde. Ausgezeichnet werden Komponisten, Textdichter und Interpreten, die sich um die deutsche Unterhaltungsmusik in besonderem Maß verdient gemacht haben. Zu den Preisträgern gehören Udo Jürgens (1981), Annette Humpe (2011), Clueso (2015) und zuletzt Ina Müller. Ein Termin für die diesjährige Preisverleihung steht noch nicht fest.

Bosse (38) stammt aus dem Elm-Dorf Hemkenrode, wuchs in Braunschweig auf. Mit 17 unterschrieb er den ersten Plattenvertrag mit seiner damaligen Band „Hyperchild“. Nach deren Auflösung begann er seine Solokarriere. Sein Album „Engtanz“ (2016) erreichte Platz 1 der deutschen Charts. Derzeit ist Bosse nach Veröffentlichung seines siebten Albums „Alles ist jetzt“ auf einer gleichnamigen Tour. Am 24. August tritt er im Braunschweiger Raffteich-Bad auf.

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