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Sechs Autoren haben auf unserer Regionsseite eine eigene Kolumne: Susanne Jasper, Jacqueline Carewicz, Birte Reboll, Harald Likus, Thomas Parr und Tessa Cordes.

Sehnsucht

„Was für Viecher sind Hausrotschwänze?“

Ich habe lange mit mir gehadert. Doch heute soll es nicht ums Rudern gehen (Sport wird eh überschätzt) und auch nicht ums Sich-Pudern (immer diese Eitelkeit!), sondern ums Hudern. Um was?

Ja, ich kannte das Wort auch nicht. Doch im stinkigsten Eck unseres Schuppens bahnte sich die entsprechende Ausweitung meines Wortschatzes an. Da zschilpte und zschalpte es derartig, dass ich mich auf die Lauer legte. Erfreut konnte ich feststellen, dass uns dort jemand ein Ei ins Nest gelegt hatte. Genauer gesagt: sogar mehrere Eier. Noch genauer gesagt: in sein eigenes Nest natürlich, wenngleich in unserem Schuppen. Aber wer?

Ich bekenne, dass ich ein Lexikon zu Rate ziehen musste, um die aparte Flatterfrau und den aparten Flattermann als Hausrotschwanz-Pärchen zu identifizieren. Aha, und was weiter, Lexikon, was für Viecher sind Hausrotschwänze? Also sie haben, wer hätte es gedacht, einen roten Schwanz. Sodann singen sie merkwürdig kratzig. Für den Nestbau ist das Weibchen zuständig. Ebenso kommt es dem Weibchen zu, den Nachwuchs die ersten sieben Tage nach dem Schlüpfen zu „hudern“.

Da haben wir es also erwähnt, unser neues Lieblingswort aus der Welt der Gefiederten. „Hudern“ hat mit Sorge, Schutz, Geborgenheit zu tun, es ist „der schöne Beweis der Mutterliebe“, wie es in Grimms Wörterbuch heißt. Man kann sagen: Wer hudert, nimmt „unter die Fittiche“. Ach, beim Gedanken ans Hudern wird mir gleich warm ums Herz. Ist es nicht unser aller unstillbare Sehnsucht, unter die richtigen Fittiche genommen zu werden? Der schräge Vierzeiler, der jetzt folgt, soll dieses Gefühl ausdrücken: Da hilft nicht Schminke und nicht Puder/ Das Leben ist gemein, mein Bruder/ Wir sind wie Jollen ohne Ruder/ Oh, ich sehn’ mich so nach Huder!

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