Der Schein

Leserin Margret Giese aus Wolfenbüttel ärgert sich über die häufige Vertauschung der Wörter „scheinbar“ und „anscheinend“.

Der Satz, dass sich unsere Leserin Margret Giese aus Wolfenbüttel „scheinbar“ über sprachliche Ungenauigkeiten ärgert, wäre eine Gemeinheit. Denn sie ärgert sich ja gerade über die häufige Vertauschung der Wörter „scheinbar“ und „anscheinend“. Tatsächlich rutscht so manchem journalistischen Text, wenn es darum geht, dass etwas „anscheinend“, also offenbar oder augenscheinlich der Fall ist, das Wörtchen „scheinbar“ heraus, das aber nun einmal – im Gegensatz zu den vorgenannten – Zweifel bzw. sogar Täuschung anklingen lässt. Ein Satz wie „Der Kollege ist heute scheinbar krank“ offenbart, wie wichtig solche Unterschiede sein können. Das Schöne an der Zuschrift von Frau Giese ist, dass sie gleich einen Tipp mitliefert, und zwar den, bei der Benutzung von „scheinbar“ immer ein kleines „nur“ mitzudenken. Dass sich etwas (nur) scheinbar so oder so verhält, offenbart den wahren Sinn anscheinend wirklich leichter. Eine andere Faustregel hat ebenfalls mit Unpässlichkeiten zu tun: „Anscheinend Kranke liegen im Bett, scheinbar Kranke lügen im Bett.“ Man sieht: Schein oder Nichtschein, das ist halt auch die Frage.

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