Corona in Helmstedt: Zahl der Infizierten nach Feier steigt

Helmstedt.  Nach einer Hochzeitsfeier im Dammgarten in Helmstedt ist die Zahl der Corona-Infizierten um 8 auf nunmehr 16 Personen gestiegen.

Im Helmstedter Wohnviertel Dammgarten sind am Freitagabend zwei Wohnblöcke eingezäunt worden. Dort hatte der Landkreis Helmstedt mehrere positive Corona-Fälle in Folge einer Hochzeitsfeier registriert.

Im Helmstedter Wohnviertel Dammgarten sind am Freitagabend zwei Wohnblöcke eingezäunt worden. Dort hatte der Landkreis Helmstedt mehrere positive Corona-Fälle in Folge einer Hochzeitsfeier registriert.

Foto: Markus Brich

Von den 40 Personen , bei denen der Landkreis im Nachgang zu der privaten Hochzeitsfeier im Helmstedter Wohnviertel Dammgarten Corona-Abstriche hat vornehmen lassen, sind 8 positiv auf das Virus getestet worden. Damit steigt die Gesamtzahl auf 16 Infizierte. Das geht aus der Beantwortung eines Fragenkatalogs hervor, den unsere Redaktion der Kreisverwaltung unterbreitet hat. Ende vergangener Woche hatte der Landkreis bereits acht Corona-Fälle im Dammgarten gemeldet – „in Folge einer Hochzeitsfeier“.

Konsequenzen in Form von Bußgeldern haben die Ausrichter und Teilnehmer dieser Feier offenbar nicht zu befürchten. „Es gibt Indizien, die die Annahme rechtfertigen, dass die Hochzeitsfeier ursächlich für den Corona-Ausbruch war. Beweisen lässt sich dies indes nicht“, antwortete Kreis-Sprecher Andreas Jünemann schriftlich auf unsere Frage nach möglichen Sanktionen für die Verursacher.

Quarantäne für Bewohnerinnen und Bewohner gilt bis nächste Woche Freitag

Die beiden noch am Freitagabend mit einem Zaun versehenen Wohnblöcke im Dammgarten bleiben laut Jünemann für zwei Wochen unter Quarantäneanordnung, beginnend mit dem 13. November. Weitere Abstriche werde der Kreis nur vornehmen, wenn sich „ein weiterer Bedarf nach den RKI-Richtlinien ergeben sollte“.

Dass die Wohnblöcke im Dammgarten eingezäunt worden sind, hat der Corona-Krisenstab des Landkreises veranlasst. Der Grund: Die knapp 100 Bewohner der beiden Häuser stehen unter Quarantäne – ein Sicherheitsdienst achtet darauf, dass sich alle an die auferlegten Regeln halten und die Gebäude weder verlassen noch betreten.

Acht Bewohner aus beiden Wohnblöcken waren in der Vorwoche positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das gab der Landkreis am Freitag bekannt. Wie Ilona Stolpmann, stellvertretende Leiterin des Krisenstabes nun mitteilt, sei bei der anschließenden Kontaktverfolgung herausgekommen, dass wahrscheinlich eine Hochzeitsfeier Treiber der Infektionen war – Bewohner der Häuser feierten wohl auf dem Gelände, entgegen den gültigen Kontaktregeln.

40 Bewohnerinnen und Bewohner melden sich freiwillig für Test – weitere positive Ergebnisse

Infolge der ersten positiven Testergebnisse hätten sich weitere 40 Personen – ob Gäste der Feier oder nicht – freiwillig für einen Test beim Gesundheitsamt gemeldet. „Das haben wir dankbar angenommen, um überhaupt festzustellen, wie dort das Infektionsgeschehen ist“, sagt Stolpmann. Montagmittag lagen noch nicht alle dieser Testergebnisse vor – manche jedoch waren ebenfalls positiv.

Wegen des ersten Regelbruchs und aufgrund folgender Beobachtungen nach der Isolationsanordnung sei allerdings „ nicht zu erwarten gewesen, dass die Quarantänemaßnahmen von allen eingehalten werden“, heißt es vom Krisenstab. Laut Landkreis sei die auferlegte Quarantäne trotz aufklärender Gespräche missachtet worden.

Landrat Radeck: Milderes Mittel leider nicht möglich

Darum bauten Helfer der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks am Freitagabend Bauzäune rund um die Häuser und Parkplätze auf. Dies hatte der Landkreis bereits bei der Obdachlosenunterkunft in Lehre getan – auch in anderen Städten wie Göttingen wurden bereits Wohnkomplexe abgeschirmt.

„Wie bei allen Maßnahmen haben wir auch hier den rechtsstaatlichen Grundsatz der Verhältnismäßigkeit geprüft“, so Landrat Gerhard Radeck . Ein milderes Mittel sei leider nicht möglich gewesen, um den Infektionsschutz sicherzustellen.

„Natürlich sieht das nach außen erst einmal drastisch aus. Aber die eigentliche Beschränkung der Bewegungsfreiheit geschieht bereits durch die Quarantäneanordnung “, erläutert Stolpmann. Und diese sei notwendig, um das Infektionsgeschehen einzudämmen. „Wir müssen geeignete und angemessene Maßnahmen ergreifen, um die Anforderungen aus dem Infektionsschutzgesetz sicherzustellen. Man muss natürlich sehr gründlich abwägen zwischen dem persönlichen Interesse der Menschen und dem Interesse der Allgemeinheit, der Gesundheit.“ Der Zaun diene schlicht dazu, besser im Blick zu behalten, ob die Quarantäne eingehalten werde, so Stolpmann.

Der Landkreis kümmert sich – wie auch bei der Obdachlosenhilfe in Lehre – um die Verpflegung und medizinische Versorgung der Bewohner. Am Montagmittag war die Stimmung hinter den Zäunen recht gelassen und friedlich, Frauen warteten mit Einkaufszetteln am Eingang. Das verlautbart auch der Landkreis: Die Stimmung vor Ort sei auch am Dienstag entspannt und friedlich.

Dazu tragen auch das Deutsche Rote Kreuz und die Jusos des Kreisverbands Helmstedt bei: Das DRK unterstützte den Landkreis logistisch bei den Einkaufshilfen, sammelte die Einkaufszettel der Hausbewohner. Die Jusos mobilisierten anschließend mehrere Helferinnen und Helfer, die Besorgungen in einem Supermarkt erledigten, wie uns Juso-Vorsitzender Ferhat-Atilgan Kara bestätigte.

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