Fehlt für den Friedhof das Geld, greift der Esbecker zur Flex

Esbeck.  Ein vergammeltes Friedhofstor lässt Elektromeister Karl-Heinz Behrens keine Ruhe. Mit Pinsel und Farbe schafft er ehrenamtlich Abhilfe.

Der Esbecker Karl-Heinz Behrens hat ehrenamtlich das Haupttor des Esbecker Friedhofs instand gesetzt.

Der Esbecker Karl-Heinz Behrens hat ehrenamtlich das Haupttor des Esbecker Friedhofs instand gesetzt.

Foto: Markus Brich

Ein Friedhof sollte ein Ort der Würde sein. Doch diesen Eindruck vermittelte das Tor des Esbecker Friedhofs lange Zeit nicht. „Vor gut einem Jahr ist meine Frau verstorben, wir hatten Trauergäste aus Hamburg, Hannover und Helmstedt hier. Das erste, was sie beim Beteten des Friedhofs sahen, war das vergammelte Eisentor“, erinnert sich Karl-Heinz Behrens. Der trostlose Anblick wurmte den 68 Jahre alten Esbecker so sehr, dass er schließlich selbst zu Flex und Pinsel griff.

„Zwischendurch hatte ich immer mal wieder angeregt, das Tor zu überholen. Doch es hieß immer nur: Ja, wer soll denn das denn machen? Die Stadt hat kein Geld.“ Also wurde der pensionierte Elektromeister selbst aktiv, bot Ortsbürgermeister Hans-Joachim Rehkuh an, die eiserne Pforte ehrenamtlich aufzuarbeiten.

„Mir war zwar klar, dass das nicht mit mit einem einfachen Anstrich in zwei, drei Stunden erledigt ist“, sagt der erfahrene Handwerker, „doch als ich es mit dem Hochdruckreiniger abgekärchert und jede einzelne Strebe mit der Flex abgeschliffen hatte, habe ich die große Überraschung gesehen: Der Zustand war katastrophal, der ganze untere Holm total durchgerostet“.

Aygün Eraslan vom Schöninger Bauhof konnte weiterhelfen, ließ bei der Schöninger Schlosserei Pötzsch einen neuen Holm einschweißen. Dann konnte Behrens weitermachen.

„Die Stadt hat mir noch zwei Dosen Farbe zur Verfügung gestellt“, berichtet der Esbecker. „Leider nicht ganz die richtige. Statt wasserverdünnbarer Farbe hätte es hammerschlagfester Metallschutzlack sein müssen“, bedauert der 68-Jährige. Doch sei’s drum: „Nach insgesamt rund 15 Stunden Arbeit“, so der Rentner, konnte das frisch aufgearbeitete Tor wieder eingehängt werden. „Die billige Farbe ist nicht so elastisch und wird vermutlich wieder abblättern, aber für ein paar Jahre wird es halten.“ Mit dem Rest der Farbe habe er dann noch das ebenfalls verrostete Straßenschild am Birkenweg gestrichen, verrät Behrens. „Da haben die Nachbarn schon gewitzelt und mich gefragt: Was? Du bist jetzt bei der Stadt angestellt?“.

Für den 68-Jährigen ist dieses ehrenamtliche Engagement „keine große Sache“, schließlich legte er schon in der Vergangenheit hier und da Hand in Esbeck an, half zum Beispiel bei der Feuerwehr, neue LED-Beleuchtung zu installieren. „Bedingt durch Corona ist das gesellschaftliche Leben ja jetzt zum Erliegen gekommen. Weder vereinsmäßig noch familiär geschieht etwas“, erklärt Behrens sein neuerliches Zupacken für die Allgemeinheit. „Jammern tun sie alle immer. Aber es passiert ja auch nicht mehr wirklich viel im Ort, wenn man es nicht selber macht. Da habe ich mir halt gesagt, jetzt hast du mal Leerlauf, dann machst du das eben mal.“

Das Handwerk liegt dem Esbecker Elektromeister im Blut: Fachgerecht Mauern, Schweißen, Zimmern, Pflastern – für den 68-Jährigen kein Problem, die Erfahrung seines Arbeitslebens zahlt sich aus. „Mein Vater war Zimmermeister. Schon mit zehn Jahren habe ich die Leidenschaft fürs handwerkliche Arbeiten entwickelt, bin mit ihm mitgegangen, wann immer es ging und habe viel von ihm gelernt.“

Im Ruhestand die Hände in den Schoß legen, kommt für Behrens nicht in Frage. „Wenn man einmal Handwerker ist, bleibt man es für immer. Man sieht etwas und schon ist es eine Herausforderung.“

Die nächste hat er schon ausgemacht. Wieder auf dem Friedhof in Esbeck: Wenige Meter hinter dem nun aufgearbeiteten Eisentor steht ein Wasserbecken. Ebenfalls in einem erbärmlichen Zustand, wie Behrens findet. „Das ist absolut sanierungsbedürftig. Einige Esbecker nennen es schon scherzhaft den Schweinetrog, voller Laub, Moos und Algen. Taucht man da einmal die Gießkanne rein, kommt die ganze Lorke hoch. Da bringe viele lieber ihr eigenes Wasser mit.“

Das Betonbecken würde Behrens natürlich auch gerne ehrenamtlich sanieren. „Doch dafür braucht man Betonfarbe und die kostet ja auch ein bisschen was“, sagt der Esbecker und hofft, dass sich dafür ein paar Sponsoren finden. Dem Anblick des Esbecker Friedhofs, ist sich Behrens sicher, würde es jedenfalls gut tun.

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