Kneipenbesitzer protestieren auf dem Helmstedter Markt

Helmstedt.  Ein Dutzend Gastronomen hat am Samstag zwei Stunden lang still protestiert auf dem Markt. Sie fühlen sich in der Corona-Krise allein gelassen.

Den Gastronomen reicht es: Sie protestierten am Samstag still und mit Plakaten auf dem Helmstedter Markt, um ihre Existenzängste zum Ausdruck zu bringen. Motto: „Die Lichter gehen aus.“

Den Gastronomen reicht es: Sie protestierten am Samstag still und mit Plakaten auf dem Helmstedter Markt, um ihre Existenzängste zum Ausdruck zu bringen. Motto: „Die Lichter gehen aus.“

Foto: Michael Strohmann

„Es würde mir schon reichen, wenn mir jemand sagen würde, wann ich meine Kneipe wieder aufmachen kann“, sagte Petra Lukatis, Inhaberin der Gaststätte „Hedge“ am Helmstedter Papenberg. Sie hänge komplett in der Luft und wisse nicht, wie es weitergehe. „Diese Ungewissheit ist schlimm.“

Wie angekündigt, hatten die Betreiber von Kneipen, Diskotheken und Bars um 13.30 Uhr mit ihrer Demonstration begonnen, die zunächst als Marsch durch die Innenstadt geplant gewesen war – wofür es laut Lukatis jedoch keine Genehmigung gegeben habe. „Dann sitzen wir stattdessen zwei Stunden lang hie rund zeigen, dass es uns noch gibt“, meinte die Gastronomin, die sich wie die meisten Teilnehmer der Aktion in Schwarz gekleidet hatte.

Verständnis für den Protest

Sonja Knieke, selbst Unternehmerin in der Speise-Gastronomie, verfolgte den stillen Protest. „Dieser Anblick von Menschen in tiefer Resignation stimmt einen wirklich traurig“, sagte Knieke am Rande der Veranstaltung. „Die Betroffenen haben wirklich keine Perspektive. Es hilft ihnen nicht, die Ärmel hochzukrempeln, denn es gibt ja nichts, was sie tun könnten.“

Corona-Regeln: Demo der Helmstedter Gastronomen
Corona-Regeln- Demo der Helmstedter Gastronomen

Knieke erinnerte an die Zeiten, als Helmstedt eine Kneipen-Hochburg gewesen sei – Jahrzehnte ist das her. „Was wir hier und heute auf dem Marktplatz sehen, ist der Rest davon“, sagte sie wehmütig. „Als Speisegastronomin kann ich wenigstens Essen ausliefern, diese Möglichkeit haben Kneipenbesitzer nicht. Viele Menschen suchen die Geselligkeit und deshalb brauchen wir Gaststätten.“

Kontakt zu Stammkunden ist wichtig

Für Lukatis wäre es in Ordnung, wenn sie halb so viel Publikum wie üblich in ihre Kneipe lassen dürfte. „Dann könnte ich wenigstens den Kontakt zu meinen Stammkunden halten, bis alles vorüber ist.“

Frank Paetzold vom Dorfkrug in Wolsdorf verwies darauf, dass Kneipen auf dem Lande wirtschaftlich stark von Familienfeiern abhängig seien. Ohne sie breche das Geschäftsmodell weg. Dass große Unternehmen mit Milliardenbeträgen vom Staat unterstützt würden, das ärgere ihn massiv in seiner Situation.

Corona im Landkreis Helmstedt- Alle Fakten auf einen Blick

Ganz ohne staatliche Hilfe steht die Gastronomie allerdings nicht da – was Diskotheken-Betreiber Marco Ialazzo bestätigte. „Ich habe die Soforthilfe in Höhe von 9000 Euro im März beantragt, aber ich habe sie erst gestern bekommen.“ Einige seiner Kollegen würden immer noch auf das Geld warten. Einen langen Zeitraum könne man damit ohnehin nicht überbrücken, meinte Ialazzo, der es seit Freitag mit einem Bistrobetrieb in seiner Diskothek „New Number One“ versucht.

Coronavirus in Niedersachsen- Alle Fakten auf einen Blick

Coronavirus in der Region – hier finden Sie alle Informationen

„Die Tanzfläche bleibt gesperrt und es müssen mehr Speisen als Getränke ausgegeben werden, das sind die Auflagen.“ Zum Auftakt seien 23 Gäste gekommen. „Viele Kunden sind noch ängstlich oder verunsichert und bleiben zu Hause“, meinte Ialazzo. Er wolle es mit dem Bistroangebot dennoch versuchen, donnerstags bis samstags jeweils ab 18 Uhr.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder