Brötje: Fachkräfte für Inklusion fehlen

Schöningen.  Der Grundschul-Leiter freut sich aber über Kinder, die hier Verantwortung übernehmen.

Harald Brötje (von links), Horst Waßmann und Anja Joh-Jaspers tauschten sich mit Felix Hillgruber und den Zuhörern über die Chancen und Herausforderungen der Inklusion aus.

Harald Brötje (von links), Horst Waßmann und Anja Joh-Jaspers tauschten sich mit Felix Hillgruber und den Zuhörern über die Chancen und Herausforderungen der Inklusion aus.

Foto: Privat

„Inklusion ein alter Hut?“. Antworten auf diese Frage suchten Felix Hillgruber (Paläon), Harald Brötje (Grundschule Schöningen), Horst Waßmann (Stiftung Neuerkerode) und Anja Joh-Jaspers (paritätischer Wohlfahrtsverband) im Rahmen einer Diskussionsrunde im Paläon. In einem Gespräch mit Felix Hillgruber haben wir die prägnantesten Aussagen noch einmal zusammengefasst.

Aufhänger des Abends sei die Ausstellung „Steinzeit-Kids“ gewesen, die sich dem Alltagsleben und der sozialen Stellung von Kindern in der Steinzeit annahm, so der Kurator. Wie sich die Menschen in der Steinzeit gegenüber körperlich oder geistig Versehrten einer Gruppe verhielten, sei zwar nicht explizit aufgegriffen worden, Skelettfunden ließen jedoch die Schlussfolgerung zu, dass die Gruppe Verantwortung für diese Kinder übernommen und sich gekümmert habe. Mit den ackerbäuerlichen Gesellschaften ließe sich ein Umdenken erkennen. Im Laufe der Zeit habe man eine Behinderung als Strafe Gottes gedeutet und die Betroffenen versteckt.

Und heute? Mit dem 1994 erlassenen Verbot der Benachteiligung aufgrund von Behinderung im Grundgesetz habe die Gesellschaft auf den Pfad der Inklusion zurückgefunden, fasste Hillgruber die Meinung seiner Gäste zusammen. Ein Vorstoß sei vor allem die UN-Behindertenrechtskonvention in 2008 gewesen, die „Inklusion“ als Menschenrecht für Menschen mit Behinderungen erklärt hatte mit der Absicht, menschliche Vielfalt zu fördern, indem Menschen mit Behinderung genauso wie andere Zugang zu öffentlichen Einrichtungen haben. Tatsächlich sei man auf einem guten Weg, gab Hillgruber die Meinung von Schulleiter Harald Brötje wieder. Vor allem im Hinblick auf die sozialen Kompetenzen sei die Inklusion von großem Wert. Die Kinder würden Verantwortung übernehmen und sich unterstützen.

Akuten Handlungsbedarf habe der Pädagoge jedoch im Professionalisierungsprozess gesehen. Es würde an gut ausgebildeten Fachkräften mangeln, die die betroffenen Kinder in der Schule betreuen würden. Nicht zu vergessen sei der eh schon akute Lehrermangel. Hinzu käme der zuweilen enorme bürokratische Aufwand bei der Dokumentation und in den Genehmigungsverfahren, beispielsweise für Therapien, hätten Horst Waßmann und Anja Joh-Jaspers ergänzt. Diesbezüglich könne sich Deutschland andere europäische Länder zum Vorbild nehmen, wo sich von Geburt an ein fester Personenkreis um die Förderung und Unterstützung behinderter Kinder kümmern würde und der in den wichtigsten Entscheidungen involviert sei. Eine Förderung und Begleitung aus einer Hand, die, auch im Sinne der Betroffenen, Zeit und Kosten einsparen würde.

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